Zwischen zwei Kundenterminen in den Pool

11.9.2019 – Unter ihrem Motto „Wir geben Orientierung“ versuchte sich die Continentale-Gruppe bei ihrem diesjährigen PKV-Forum an der Digitalisierung. Auch die traditionelle Studie fokussierte sich dieses Mal auf dieses Thema – mit eher ernüchternden Erkenntnissen.

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Die Continentale-Versicherungsgruppe hat am Dienstag in Köln ihr 19. „PKV-Forum“ veranstaltet. Themenschwerpunkte waren die Digitalisierung und die Zukunft des Vertriebs.

Vom Vermittlerleben des Bastian Kunkel sind die meisten Vermittler noch weit entfernt. Der Gewinner zweier namhafter Branchenpreise (VersicherungsJournal 27.10.2017, 1.10.2018 ) ist in den sozialen Medien so bekannt, dass er seine Kunden online von Mallorca aus beraten kann.

Trotz Check24

Statt „stundenlang im Stau zu stehen“ oder sich durch ausgefallene Kundentermine zu stressen, springe er nun zwischendurch in einen Swimmingpool, bekannte Kunkel vor rund 1.100 Zuhören.

Die Weisheit, dass jeder Zielgruppe sei, weil jeder eine Versicherung brauche, hält er für falsch. Er berate nur die, die sich „online aufschlauen“ über den Content, den er bei Facebook, Instagram und Youtube einstelle, und dann seine Beratung online suchten.

Seine Kunden hätten kein bestimmtes Alter. 95 Prozent seiner Kunden hätten sich bereits vor der Anfrage bei Check24 „schlau gemacht, aber nicht abgeschlossen“. Denn: Vor allem bei komplexen Produkten werde die menschliche Beratung gesucht. Diese lasse sich auch digital führen.

Es knirscht

Was sich auf dem Podium der Vermittlerveranstaltung so leicht anhörte, setzt sich in der Breite der Assekuranz offenbar nur schlecht um: die Digitalisierung. „In unserer Branche haben wir immer noch keinen einheitlichen Standard für Daten mit guter Qualität – der GDV-Standard ist dies nicht“, kritisierte Lars Drückhammer, Geschäftsführer vom Maklerpool Blau Direkt GmbH & Co.KG.

Andere Branchen seien bereits weiter, wenn es darum gehe, strukturierte Daten auszutauschen. „Die Kunden erwarten keine Post, wenn sie bei Check24 ihre Daten eingeben“, so Drückhammer.

Er kritisierte, dass die Brancheninitiative Bipro e.V., deren Präsidiumsmitglied er ist, nicht schnell genug vorankomme, und forderte die Makler auf, bei den Versicherern Druck auf die Umsetzung der Normen zu machen. Ob ein Versicherer über eine Bipro-Schnittstelle verfüge, sollte zum Auswahlverfahren gehören.

Die Branche spreche zwar davon, sich am Kunden auszurichten, „die Realität ist aber eine andere“, sagte Dr. Christian Kinder, Partner bei Bain & Company Inc. Die Versicherer müssten hin zum Multikanalmanagement. Noch seien die Kanäle aber „extrem schlecht vernetzt“.

Podiumsdiskussion beim PKV-Forum (Bild: Lier)
Podiumsdiskussion beim PKV-Forum (Bild: Lier)

Mit Digitalisierung die Kosten senken

Am Vormittag der Veranstaltung ging es um die Digitalisierung des Gesundheitsmarktes. Durch die Digitalisierung erwartet Continentale-Vorstand Dr. Marcus Kremer grundsätzlich einen positiven Einfluss auf die Kosten- und damit auf die Beitragsentwicklung in der privaten Krankenversicherung (PKV).

„Sicherlich wird es anfänglich bei Diagnose und Therapie zu Kostensteigerungen kommen, aber je mehr sich die digitalen Möglichkeiten erweitern, werden sie besser zu nutzen sein und die Kosten sinken. Es ist ein Blick in die Glaskugel, aber ich sehe die Chance, dass die Kosten sinken können.“

Die Continentale hat eine Studie mit besonderem Schwerpunkt auf die Einschätzungen der Bevölkerungen zur Digitalisierung in der Medizin vorgelegt.

Mehrheit sieht Gesundheits-Apps positiv

Die Befragten zeigten sich hinsichtlich der Digitalisierung skeptisch – zumindest im medizinischen Bereich.

So akzeptierten beispielsweise 95 Prozent der knapp 1.500 Befragten eine Diagnose durch künstliche Intelligenz entweder gar nicht oder nur, wenn auch der Arzt zusätzlich die Diagnose stelle. Missbrauch von Daten und Fehldiagnosen wurden eher erwartet als die Chancen einer schnelleren Diagnose-Stellung und von weniger Arztbesuchen.

Gesundheits-Apps werden dagegen positiv wahrgenommen: 62 Prozent gehen davon aus, dass sie den Alltag von chronisch Erkrankten verbesserten, weil sie Aufgaben abnähmen. 52 Prozent versprechen sich davon ein Gefühl von Sicherheit bei einer Erkrankung.

Augenmaß gefordert

Marcus Kremer (Bild: Lier)
Marcus Kremer (Bild: Lier)

Gesundheits-Apps sind in das Leistungsspektrum der privaten Krankenversicherer längst einzogen, sollten nach Auffassung Kremers aber nicht generell finanziert werden. Würden die Apps ärztlich angeordnet und seien medizinisch notwendig, könnten die Kosten Bestandskunden erstattet werden.

„Bei Lifestyle-Apps haben wir dagegen andere Voraussetzungen“, sagte der Manager.

Grundsätzlich spreche viel für die auch „Diga“ genannten Apps. Einige Krankenversicherer finanzieren sie beispielsweise bei der Behandlung chronisch Kranker wie etwa bei Diabetikern durch die Firma Mysugr GmbH“ (1.8.2019, 21.8.2017).

Bei der Erweiterung des Leistungskatalogs der gesetzlichen Kassen durch das digitale Versorgungsgesetz (1.8.2019) ist geplant, diese in einer Übergangsphase weniger strikt auf ihre gesundheitlichen Nutzen zu überprüfen als Medikamente und ihnen zunächst von einer Nutzenhypothese auszugehen.

Nicht an der Therapiehoheit der Ärzte rütteln

Professor Dr. Ferdinand M. Gerlach fürchtet weniger die Wirkungen auf die Beitragsentwicklung für die Versicherten durch Apps als vielmehr medizinische Risiken.

„Wenn ein Marktplatz auf Rezept verordnet wird, muss man wissen wie das wirkt. Da muss mit Augenmaß und Bedacht entwickelt werden“, sagte der Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität und Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen. Da sich Apps schnell weiterentwickelten, sieht er zudem auch Kontrollprobleme.

Professor Dr. Jörg F. Debatin, der seit März 2019 als Chairman den Health Innovation Hub (HIH) des Bundesministeriums für Gesundheit leitet, sprach sich dafür aus, dass auch bei digitalen Anwendungen an der Therapiehoheit der Ärzte nicht zu rütteln. „Manche Krankenkasse rät zu Apps, damit dann weniger zum Arzt gegangen wird.“

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