Worauf es beim Unfall mit Reisegepäck ankommt

17.6.2019 – Einer Frau waren im Urlaub von einem Auto die mitgeführten Habseligkeiten überrollt worden. Deswegen wollte sie ihren Reisegepäckversicherer in Anspruch nehmen. Der zeigte ihr jedoch die kalte Schulter. Der Fall landete daher vor Gericht. (Bild: Pixabay, CC0)

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Eine Urlauberin hatte bei dem beklagten Versicherer im Februar 2016 eine Reisegepäck-Police über eine Versicherungssumme von 2.000 Euro abgeschlossen. Versichert war unter anderem eine Beschädigung ihres Gepäcks.

Von Mietwagen überrollt

Im November 2017 reiste die Klägerin für zehn Tage in die Türkei. Dabei kamen am letzten Tag ihres Aufenthalts ihre Habseligkeiten zu Schaden.

Die Frau behauptete, dass ihr Mitreisender, nachdem er sein eigenes Gepäck in einem von ihm angemieteten Fahrzeug verstaut habe, zur Hoteleinfahrt gefahren sei. Dort habe sie auf ihn gewartet. Ihre Sachen habe sie vor einer von drei Sitzbänken abgestellt. Das habe der Mann übersehen. Er sei daher mit dem rechten Vorderreifen des Mietwagens über die Gepäckstücke gefahren.

Den ihr dadurch entstandenen Schaden von fast 4.000 Euro machte die Reisende in Höhe der Versicherungssumme gegenüber ihrem Versicherer geltend. Der bestritt jedoch eine Eintrittspflicht.

Denn nach dem Wortlaut der Versicherungs-Bedingungen sei zwar während einer Reise abhandengekommenes oder beschädigtes Reisegepäck versichert. Das setze jedoch entweder eine Straftat eines Dritten, einen Unfall des Transportmittels oder ein Feuer- oder Elementarereignis voraus. Von keinem dieser Ereignisse könne im Fall der Versicherten ausgegangen werden.

Weder Unfall noch Straftat

Dem schloss sich das Münchener Amtsgericht an. Es wies die Klage der Geschädigten auf Ersatz des ihr entstandenen Schadens durch ihren Reisegepäckversicherer als unbegründet zurück.

Nach Ansicht des Gerichts ist das Überfahren des Gepäcks durch den Mitreisenden nicht als Straftat anzusehen. Es habe sich allenfalls um eine nicht strafbare fahrlässige Sachbeschädigung gehandelt.

Das Gepäck der Frau sei auch nicht durch einen Unfall des Transportmittels beschädigt worden. Denn in das sollte es erst eingeladen werden. Es wurde zum Zeitpunkt des Zwischenfalls folglich noch nicht transportiert.

Das von dem Mann gemietete Fahrzeug sei auch nicht wegen einer Einwirkung von außen über das Gepäck gefahren. Die Urlauberin gehe daher leer aus. Nachdem sie ihre Berufung gegen das Urteil des Münchener Amtsgerichts zurückgenommen hat, ist die Entscheidung rechtskräftig.

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AVB · Reiseversicherung
 
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