WERBUNG

Wohngebäudeversicherung zahlt halbe Million für Rückstau

6.4.2021 – Im Sommer 2019 ist Schmutzwasser in ein neu errichtetes Haus zurückgeflossen. Für den Bauherrn und seine Familie begann aus versicherungs-technischer Sicht „eine Odyssee“, berichtet die Kanzlei Wittig Ünalp. Ihr Mandant hatte bei K&M eine Wohngebäudeversicherung abgeschlossen. Risikoträger war die Württembergische Versicherung. Im Herbst 2020 einigten sich schließlich die Parteien auf eine Regulierungs-Vereinbarung mit Zahlung von insgesamt 589.314,60 Euro.

Wie der Traum vom eigenen Haus für eine Familie aus versicherungs-technischer Sicht zum Albtraum wurde, schilderte kürzlich die Wittig Ünalp Rechtsanwälte PartGmbB auf ihrer Internetseite.

Ihr Mandant hatte für sein nach strengen ökologischen Maßstäben neu gebautes Holzhaus die „Allsafe domo Wohngebäudeversicherung“ bei der Konzept & Marketing – ihr unabhängiger Konzeptentwickler GmbH (K&M) abgeschlossen.

Das von dem Assekuradeur konzipierte Produkt verspricht umfassenden Versicherungsschutz im Rahmen einer Allgefahrendeckung. Risikoträger ist die Württembergische Versicherung AG.

Vom kleinen Rückstau zum komplexen Überschwemmungsschaden

Kurz nach dem Einzug kam es im Frühjahr 2019 zu einem Rückstau von Abwasser mit einem geringen Schaden im Badezimmer. Der Hausherr meldete den Vorfall seiner Versicherung.

Laut Wittig Ünalp beauftragte er zudem nacheinander zwei Unternehmen mit der Überprüfung der Abwasserleitung. Eine überlaufende Toilette habe er „für eher ungewöhnlich“ erachtet, doch beide Betriebe sahen kein Problem.

Einige Wochen später erfolgte ein massiver Austritt, so dass im gesamten Erdgeschoss fäkalienverseuchtes Schutzwasser stand. Wie sich später herausstellte, war ein fehlendes Rückstauventil die Ursache. Der Architekt hatte vergessen, es einbauen zu lassen.

WERBUNG

Für die Familie begann eine „Odyssee“

Die Familie musste in eine kurzfristig angemietete Ferienwohnung umziehen. „Für unseren Mandanten und seine Familie begann damit eine Odyssee“, schreibt die Kanzlei.

Der Hausherr habe auch dieses Schadenereignis sofort gemeldet und bei K&M auf Beauftragen einer Notfirma gedrängt. Ein entsprechender Betrieb sei mit zeitlicher Verzögerung vor Ort gewesen, habe aber eine Ausführung des Auftrags abgelehnt und „eine differenzierte Begutachtung und Empfehlung der Sanierung und Sicherungsmaßnahmen“ empfohlen.

Mitte Juni habe dann der von K&M beauftragte Sachverständige mitgeteilt, dass bei einem derartigen Schaden das Gebäude „an der Bodenplatte abgeschoben“ sei und vollkommen neu errichtet werden müsse.

Nach rund einem halben Jahr schaltete der Hausherr einen Anwalt ein

„Wieder ergriff unser Mandant die Initiative“, wird berichtet. Er organisierte Handwerker und Fachfirmen, „um sein Haus doch noch zu retten“. Die eingereichten Angebote zur Sanierung seien von K&M „jedoch nur zögerlich und unvollständig“ freigegeben worden. Mitte September schaltete er einen Anwalt ein.

Nach mehreren Briefwechseln habe sich K&M dann vom beauftragten Gutachter distanziert. „Allerdings wurden immer noch keine Abschläge geleistet oder Freigaben zu den seit Monaten vorliegenden Angeboten für den Wiederaufbau erteilt“, schreibt die Kanzlei.

„Vielmehr wurde jetzt plötzlich die Zahlung der versicherten Unterkunftskosten in Frage gestellt, weil nach Auffassung von K&M vor Ort bisher ja noch nichts passiert sei!“, heißt es weiter. Daraufhin beauftragte der Hausherr Anfang November Wittig Ünalp.

„Dass K&M jetzt auch die Leistung der Unterbringungskosten in Frage stellte, führte in seiner Familie verständlicherweise zu Existenzängsten. Dass ein Versicherungsnehmer trotz entsprechenden Versicherungsschutzes Angst vor Obdachlosigkeit haben muss, ließ auch uns erst einmal sprachlos zurück“, wird kommentiert.

Vertragsklauseln verhinderten eine direkte Kommunikation

Die Rechtsanwälte kritisieren, dass eine direkte Kommunikation mit dem Versicherer aufgrund der Vertragsklauseln nicht möglich war. „Immer musste der Umweg über K&M gewählt werden, obwohl man dort gelinde gesagt, abwechselnd überfordert und desinteressierte mit einem Schaden dieses Ausmaßes wirkte.“

Der Wunsch des Mandanten, in eine größere Wohnung umzuziehen, „gelang dann glücklicherweise auch kurzfristig durch massiven Druck unsererseits auf K&M“, so die Verfasser des Berichts.

Ein neuer Sachverständiger führte an drei Terminen Begutachtungen durch, zuletzt im Januar 2020. Im September, also eineinhalb Jahre nach dem Schadenereignis, lag das Schadengutachten in endgültiger Form vor. Schließlich einigten sich beide Parteien auf eine abschließende Regulierungs-Vereinbarung mit Zahlung von insgesamt 589.314,60 Euro an den Versicherungsnehmer.

K&M und die Württembergische Versicherung bestätigen den Fall

Sowohl K&M als auch die Württembergische Versicherung bestätigen gegenüber der Redaktion des VersicherungsJournals die Regulierung eines komplexen Überschwemmungsschadens an einem Einfamilienhaus im Jahr 2019 im Großraum Berlin/ Brandenburg.

Der Assekuradeur nimmt zudem Stellung zu den im Bericht geäußerten Vorwürfen. Bereits nach dem ersten Schaden sei ein Dienstleister zur Durchführung von Schadenminderungs-Maßnahmen empfohlen worden. Dieser sei auch vor Ort gewesen und habe einen Schadenaußendienst empfohlen.

Dann jedoch ereignete sich der zweite, größere Rückstauschaden. „Der Auftrag des Schadenaußendienstes wurde daraufhin umgehend um die Besichtigung des neuen und deutlich umfassenderen Schadens erweitert“, wird erklärt.

Erster Vorschuss nach Kalkulation der voraussichtlichen Reparaturkosten

Der Außendienst habe bereits zwei Tage nach seinem Besichtigungstermin einen Bericht übermittelt. „Aus diesem ergab sich nicht, dass das Gebäude von der Bodenplatte an neu errichtet werden müsse. Vielmehr lag dem Bericht eine Kalkulation der voraussichtlichen Reparaturkosten bei“, stellt K&M fest.

Mit dem Kunden sei daraufhin vereinbart worden, dass Kostenvoranschläge eingereicht werden. Darüber hinaus sei vom Außendienst eine Sanierungsfirma empfohlen worden.

Über das weitere Vorgehen berichtet der Assekuradeur: „Die im Folgenden eingereichten Angebote und Rechnungen wurden in einem der Komplexität und Schadenhöhe angemessenen Zeitraum geprüft und freigegeben. In diesem Zusammenhang wurden bereits vor Einschaltung des ersten Anwaltes diverse Angebote freigegeben sowie eine Vorschusszahlung getätigt.“

Mehrere Ortstermine durch den Außendienst

Bei größeren Schäden seien zum Teil mehrere Ortstermine durch den Außendienst nicht unüblich. „Vor allem dann, wenn vorgelegte Angebote und die darin angeführten Reparaturen nicht ausschließlich schadenbedingt erscheinen“, so der Dienstleister.

Nachdem ersichtlich wurde, dass der Schadenumfang deutlich größer ist als ursprünglich angenommen, wurde nach Darstellung von K&M ein unabhängiger, öffentlich bestellter und vereidigter Bausachverständiger hinzugezogen. „Zu diesem Zeitpunkt haben wir bereits Zahlungen getätigt“, heißt es in Hannover.

„Die Grundsätzlichkeit der Übernahme der Ersatz-Unterbringungskosten wurde zu keinem Zeitpunkt angezweifelt. Lediglich die Dauer der Ersatzunterbringung sowie eine mögliche Teilung dieser Kosten mit dem Hausratversicherer waren zu prüfen. Insgesamt wurden sämtliche Ersatz-Unterbringungskosten übernommen“, stellt der Assekuradeur weiter fest.

Nicht marktübliche fiktive Abrechnung zum Neuwert

„Unsere Eintrittspflicht zur Regulierung des Schadens haben wir nach der regulären Prüfung nicht in Frage gestellt und dies so auch gegenüber unserem Kunden kommuniziert“, sagt K&M.

„Im Interesse unseres Kunden haben wir uns abschließend auf einen wohlwollenden Entschädigungsbeitrag geeinigt, obwohl ein Baumangel vorlag und der Wiederaufbau des Gebäudes nicht sichergestellt war. Eine fiktive Abrechnung zum Neuwert ist eine außergewöhnliche und nicht marktübliche Absprache.“

Leserbriefe zum Artikel:

+Nils Fischer - Versicherung des Architekten hätte eintreten müssen. mehr ...

Peter Schramm - Rückstauklappe kann nicht dem Technikstand entsprochen haben. mehr ...

Silvia Jargon - Regressnahme beim Architekten. mehr ...

Hubert Gierhartz - Schaulaufen einer Anwaltskanzlei. mehr ...

Schlagwörter zu diesem Artikel
Außendienst · Elementarschaden · Gebäudeversicherung · Immobilie · Marketing · Regulierung
 
WERBUNG
WERBUNG
„Ihr seid doch alle Goldkettchen tragende Porschefahrer! Oder?“

In unserer aktuellen Podcast-Folge äußert sich Norman Wirth, Vorstand des AfW-Verbands, zu den Behauptungen über Vermittler von Bundesfinanzminister Olaf Scholz. In dieser Ausgabe erfahren Sie außerdem, wie Sie mit diesem Thema am besten umgehen können.

Zusätzlich profitieren Sie von unserem neuen, konzentrierten Podcast-Konzept: In jeder Folge wird nun ein einziges Schwerpunktthema mit all seinen Facetten ausführlich besprochen.

Zu den einzelnen Ausgaben gelangen Sie hier.

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
WERBUNG
Mehr Umsatz durch professionelle Kundenpflege

Ob Kundenzeitung, Homepage oder Newsletter – durch regelmäßige Fachinformationen bieten Sie Ihren Kunden echten Nutzen.
Sie haben keine Zeit dafür? Die Autoren des VersicherungsJournals nehmen Ihnen das Schreiben ab.

Jetzt auch für Ihren Social Media Auftritt.

Eine Leseprobe und mehr Informationen finden Sie hier...

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Fit für den Fondsvertrieb

Praktische Tipps und Hinweise zur Beratung und Platzierung von Fondsanlagen liefert das Buch eines ausgewiesenen Fondsexperten.

Interessiert?
Dann klicken Sie hier!

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
31.5.2018 – Bei den Wohngebäudetarifen der Öffentlichen Braunschweig sind Schäden durch Hochwasser und Starkregen für alle Kunden unabhängig von der Gefährdungszone eingeschlossen. Neue Tarife gibt es auch von der Arag, Degenia, dem HDI sowie Konzept & Marketing. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
20.2.2012 – Die Produktentwickler haben verschiedene Tarife in der Kompositversicherung angereichert. Es gibt einige Neu-Einschlüsse und Verbesserungen, die aus Haftungsgründen zu beachten sind. mehr ...
 
19.6.2020 – Bei einem Starkregen war der Keller eines Wohngebäudes überflutet worden. Der Besitzer des Gebäudes hatte zwar eine Elementarschaden-Versicherung abgeschlossen, dennoch wollte der Versicherer nicht zahlen. Der Fall landete daher vor Gericht. (Bild: Fotolia/Kneschke) mehr ...
 
3.2.2015 – MLP, Provinzial Nordwest, Ideal Versicherung und Münchner Verein haben vorläufige Ergebnisse des Geschäftsjahres 2014 vorgelegt. Die Bewertungen zeigen deutliche Unterschiede. mehr ...
 
12.8.2014 – Die GVO – Gegenseitigkeit Versicherung Oldenburg konnte im Berichtsjahr ihre Beitragseinnahmen trotz anhaltender Sanierungsmaßnahmen deutlich steigern. Sorgen machen ihr aber die steigenden Vertriebskosten. (Bild: GVO) mehr ...
 
12.6.2013 – Die Bayerische berichtete über eine nachhaltige Entwicklung im Geschäftsjahr 2012. Wie das Unternehmen den Trend fortsetzen und seine Versicherungstechnik in den Griff bekommen will. mehr ...
 
11.6.2013 – Die Signal Iduna Gruppe schließt Schadenfall-Kündigungen für die Hochwasseropfer aus. 2012 hat die Gruppe mehr verdient und ist im ersten Quartal 2013 gut gestartet. mehr ...
WERBUNG