Wie sich Schäden durch Leitungswasser verhindern lassen

20.11.2018 – Die Wohngebäudesparte gilt als eine der Achillesfersen der Kompositversicherer. Grund sind vor allem Leitungswasserschäden. Mit moderner Sensortechnik ließe sich das Problem mindestens verkleinern, wie die Rheinische Provinzial auf einer Fachmesse zeigte. Dort ging es auch um Smarthome als eine der letzten freien Schnittstellen zum Kunden.

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Von den 5,21 Milliarden Euro, welche die Wohngebäudeversicherer 2017 ihren Kunden leisteten, entfielen auf Leitungswasserschäden alleine 2,76 Milliarden Euro. Leitungsschäden dominieren die Sparte seit Langem: Marktweit machen sie etwa 60 bis 65 Prozent aller Wohngebäudeschäden aus (VersicherungsJournal 30.8.2018).

„Alle 30 Sekunden ein Leitungswasserschaden. Jedes Gebäude hat über 20 Jahre gesehen einen Schaden. Die Frage ist nicht ob, sondern wann der Schaden eintrifft“, sagte Stefanie Kresse von der Grohe Deutschland Vertriebs GmbH am Montag auf der Fachmesse „4. Innovario Ideen- und Innovationsmarktplatz für die Versicherungswirtschaft“.

Dass sich der Durchschnittsschaden in den letzten 25 Jahren von 925 Euro auf 2.254 mehr als verdoppelt habe, liege unter anderem an höheren Materialkosten und zusätzlichem Einsatz von Technik beispielsweise für Trockner.

Stefanie Kresse (Bild: Lier)
Stefanie Kresse (Bild: Lier)

Hohe Folgekosten

Auch wenn die Wohngebäudesparte in den letzten beiden Jahren wieder kleine Gewinne erwirtschaftete (VersicherungsJournal 30.10.2018), war die Combined Ratio der letzten zehn Jahre mit durchschnittlich 114 Prozent defizitär.

Nur ein Viertel der Kosten des Leitungswasserschadens sind jedoch Reparaturkosten; drei Viertel sind Folgeschäden. „Das sind die vermeidbaren Kosten für die Versicherungswirtschaft“, so Kresse. Vorausgesetzt, der Schaden wird schnell genug bemerkt und der Wasserzufluss gestoppt.

Grohe hat einen Wassersensor entwickelt, der „blinkt und piept und eine Warnung auf das Handy des Nutzers schickt“ und je nach Kundenwunsch auch Assistanceleistungen des Versicherers auslöst. Zudem bietet der Armaturenhersteller ein Leckageventil, das hinter den Wasserzähler in der Hauptleitung eingebaut wird und bei ungewöhnlichem Wasserverbrauch den Haupthahn absperrt.

Keine Voraussetzung

Die Provinzial Rheinland Versicherung AG kooperiert mit der Armaturenfirma (VersicherungsJournal 28.2.2018). Sie will nun nach verschiedenen Testphase diese Hilfsmittel in einem „strukturierten Rollout flächendeckend in die Kundschaft“ einbringen.

Zur Bedingung für den Abschluss einer Wohngebäudeversicherung werde man das Leckagesystem nicht machen, sagte Olaf Michels, Geschäftsführer der Konzerntochter Albag GmbH. In Skandinavien sei dies teilweise schon eine Voraussetzung für den Versicherungsschutz.

Möglicherweise gebe es aber Rabatte. Der Aufbau eines Handwerkernetzes, das die Sensoren installiert, sei wegen der Komponente „WLAN“ eine Herausforderung, so Michels. „Da gibt es einiges, was der Handwerkbetrieb berücksichtigen muss.“

Olaf Michels (Bild: Lier)
Olaf Michels (Bild: Lier)

Nach dem Algorithmus für das Einfamilienhaus arbeitet Grohe nun auch an einer Lösung für größere Gebäude, insbesondere für kommunale und betriebliche Immobilien.

Kein Selbstläufer

Smarthome dürfte nach Einschätzung von Felix Strohmaier von der Devolo AG eine der letzten freien Schnittstellen zum Kunden sein, die Versicherer besetzen können. „Entgegen aller Prognosen boomt Smarthome nicht“, so Strohmaier. Dies liege daran, dass die Kunden nicht nur Vernetzung, sondern Mehrwerte durch zusätzliche Assistance wünschten.

Hier könnten die Versicherer mit ihren Netzen aus Schadendienstleister und Assisteuren punkten. Schwachpunkte seien bisher die fehlenden zukunftssicheren IT-Systeme, die Anforderungen an Sicherheit und Privatsphäre, Regulierungsfragen beim Nichtversicherungs-Geschäft, aber auch der Vertrieb.

Felix Strohmeier (Bild: Lier)
Felix Strohmeier (Bild: Lier)

Weiter Kooperation angekündigt

Die Vermittler böten die Technik aus der „Angst heraus, dass der Kunde sich bei jedem Funktionsproblem bei ihnen meldet“, nicht an. Dabei sei die Installation nicht das Problem, so Strohmaier. Das könne jeder, der ein Smartphone bedienen könne.

Devolo arbeitet bereits mit der deutschen Generali-Gruppe und der Bayerischen Beamten Versicherung AG (die Bayerische) zusammen (VersicherungsJournal 28.4.2017). Bis zum Jahresende soll eine Kooperation mit der Zurich-Gruppe geschlossen sein, für Februar wurde eine Zusammenarbeit mit einem „kleinen Versicherer“ angekündigt.

 
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