Wer mit Fahne Auto fährt

13.6.2018 – WM-Schmuck an Fahrzeugen und Autokorsos bergen ein erhöhtes Schaden- und Unfallrisiko. Auch wenn im Ernstfall die Kfz-Haftpflicht- oder Kaskoversicherung einspringen, sind trotz aller Begeisterung gewisse Sicherheitsvorkehrungen zu beachten, damit es erst gar nicht zu einem Schaden kommt.

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Ob Wimpel, Aufkleber oder Nationalfahnen – spätestens seit der Heim-WM vor zwölf Jahren zeigen die Bundesbürger an ihrem Auto gern Flagge. Bereits im Vorfeld der am Donnerstag beginnenden Fußball-Weltmeisterschaft in Russland hat sich die Zahl der Fahrzeuge mit WM-Schmuck beinah im täglichen Rhythmus deutlich erhöht.

Vorsicht bei hohen Geschwindigkeiten

Allerdings ist bei aller Begeisterung nicht zu vergessen, dass Fahnen & Co. immer auch ein gewisses Sicherheitsrisiko mit sich bringen. So ist doppelte Vorsicht etwa bei solchen Fähnchen geboten, die mit einem Plastikstecker im Fensterspalt befestigt werden.

Denn diese Billigprodukte haben in der Regel lange nicht die Qualität wie beispielsweise die Flaggen an Diplomatenautos. Bereits während der letzten Fußball-Welt- und auch -Europameisterschaften konnte man in zahlreichen deutschen Straßengräben erkennen, dass sich viele Fahnen von ihrem Stiel verabschiedet haben.

Gerade wenn man eine Autobahnfahrt vor sich hat, droht besonders große Gefahr. Die Fahnen sind in der Regel nicht für hohe Geschwindigkeiten ausgerichtet und halten vom Material her den dabei auftretenden Belastungen nicht Stand. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte deshalb die Flaggendeko vor längeren (Autobahn-) Fahrten komplett entfernt werden. Am Fahrtziel können die Ansteckfahnen dann wieder angebracht werden.

Freie Sicht

Aufpassen muss man auch bei Flaggen, Wimpeln und sonstigen Dekorationen, wenn sie an der Front- oder Heckscheibe angebracht sind. Es gehört schließlich zu den Verkehrssicherheits-Pflichten eines Autofahrers, eine uneingeschränkte Sicht sicherzustellen. Deshalb sollte man auf solche Freudenbekundungen am besten komplett verzichten oder zumindest nach der Jubelarie im Autokorso die patriotischen Fan-Bekundungen schnellstmöglich wieder abnehmen.

Auch bei Flaggenüberziehern für die Seitenspiegel ist laut der R+V Direktversicherung AG (R+V24) Vorsicht geboten – zumindest dann, wenn der Blinker in die Seitenspiegel integriert ist. Denn die Überzieher – auch Car-Bikinis genannt – würden dann den Blinker verdecken.

Car-Bikini (Bild: Pixabay CC0)
Car-Bikini (Bild: Pixabay CC0)

Für Hupkonzerte nach einem WM-Sieg kann ein Verwarnungsgeld in Höhe von zehn Euro verhängt werden. Denn Hupen ist eigentlich nur als Warnung beim Überholen und bei der Gefährdung von Personen erlaubt, wie der Direktversicherer weiter mitteilt. Allerdings ist die Fußball-WM laut der R+V24-Kfz-Expertin Anka Jost „eine Ausnahmesituation, in der auch die Polizei mal ein Auge zudrückt“.

Vorsicht bei Autokorsos

Vorsicht ist generell bei Autokorsos geboten. Diese werden von der Polizei oftmals geduldet, sind aber nach der Straßenverkehrsordnung nicht erlaubt – und bergen ein immens hohes Sicherheitsrisiko.

Wer in der Euphorie des Sieges seiner Nationalmannschaft in der Fensteröffnung sitzt oder sich aus dem Fenster oder Schiebedach lehnt, verstößt nicht nur gegen die Anschnallpflicht. Er riskiert darüber hinaus schwerste bis tödliche Verletzungen, wie das Allianz Zentrum für Technik in Crashtests herausgefunden hat. Die erhöhte Gefahr wirkt bereits bei einer relativ geringen Geschwindigkeit von 40 km/h.

Und was ist im Schadenfall?

Macht sich die EM-Dekoration selbstständig und beschädigt zum Beispiel ein anderes Auto oder verletzt einen Fußgänger, so springt die Kfz-Haftpflichtversicherung ein. Kann der Verursacher nicht ermittelt werden, bleibt der Geschädigte auf dem Schaden sitzen.

Wird durch ein wegen angesteckter Fahne nicht ganz geschlossenes Fenster ein Einbruch verübt, ist das ein Fall für die Kaskoversicherung. Da jedoch schon ein kleiner Fensterspalt das Diebstahlrisiko erhöht, gilt der Schaden als grob fahrlässig verursacht.

Dann kann der Versicherer seine Leistung in einem der Schwere des Verschuldens des Versicherungsnehmers entsprechenden Verhältnis kürzen (§ 81 Absatz 2 VVG). Viele Versicherer bieten jedoch Tarife mit Verzicht auf den Einwand grober Fahrlässigkeit an, je nach Anbieter bis zu bestimmten Höchstsummen oder bis zur Versicherungssumme.

Deshalb ist es ratsam, im Fensterspalt befestigte Fahnen immer dann abzumontieren, wenn man das Fahrzeug unbeaufsichtigt abstellt. Das gilt auch für einen noch so kurzen Abstecher in den Supermarkt – denn professionelle Langfinger brauchen nur wenige Sekunden, um ein Auto leerzuräumen.

Nicht ohne Grüne Versicherungskarte und Europäischen Unfallbericht

Wer als Fußballfan nach Russland zu fahren beabsichtigt, um ein Spiel live zu erleben, sollte dies nach Ansicht von Versicherungsexperten nicht ohne die Grüne Versicherungskarte tun. Auf dieser stehen alle für eine eventuelle Unfallaufnahme erforderlichen Informationen wie etwa Versicherungsnummer, Versicherer oder Name des Versicherten.

Nach Ansicht des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) sollte für den Ernstfall auf Auslandsreisen im Handschuhfach ein Europäischer Unfallbericht mitgeführt werden. Denn das europaweit einheitlich aufgebaute Formular erleichtere die Aufnahme des Unfallschadens auch über Sprachbarrieren hinweg. Es enthält Ausfüllhilfen in elf Sprachen – darunter auch in Russisch.

Zentralrufnummer notieren

Auch die Nummer des Zentralrufs der Autoversicherer sollte man für den Fall parat haben, wenn man im Ausland Hilfe bei der Ermittlung des gegnerischen Fahrzeugversicherers braucht (Telefon 0800 2502600, aus dem Ausland 0049 40 300330300). Diese ist tagtäglich und rund um die Uhr besetzt. Ein Onlinekontakt mit Smartphone und Tablet ist über www.mobile.zentralruf.de möglich.

Für alle im europäischen Wirtschaftsraum (EWR) oder in der Schweiz versicherten Fahrzeuge könne der Zentralruf außerdem den zuständigen Schadenregulierer des ausländischen Versicherers in Deutschland feststellen, so der GDV weiter. Auf diese Weise sei es Geschädigten möglich, die eigenen Ansprüche sehr schnell beim gegnerischen Versicherer geltend zu machen.

Zahlreiche Versicherungen rund um die WM

Auch die Organisatoren sowie die nationalen Fußballverbände haben eine ganze Reihe von unterschiedlichen Versicherungen abgeschlossen.

Bei der WM 2014 in Brasilien hatte sich der Weltfußballverband Fifa „gegen finanzielle Verluste von 900 Millionen Dollar, falls das Turnier aus irgendeinem Grund hätte verschoben oder verlegt werden müssen“, abgesichert. So heißt es in einem Artikel der Online-Ausgabe der Tageszeitung Die Welt aus dieser Woche.

Insgesamt habe es in Brasilien ein Versicherungsvolumen von etwa neun Milliarden US-Dollar (umgerechnet rund 7,65 Milliarden Euro) gegeben, schreibt das Blatt unter Berufung auf Schätzungen des Versicherungsmarkts Lloyd’s of London. Für die WM 2018 in Russland seien es sogar zwölf Milliarden US-Dollar (umgerechnet etwa 10,2 Milliarden Euro).

Wie Fußballprofis gegen Verletzung und Krankheit abgesichert sind, hat der GDV anlässlich der Fußball-EM in Frankreich vor zwei Jahren in diesem Bericht zusammengestellt.

 
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