Wenn Vorsorge fällig wird: Einmalzahlung oder Verrentung?

6.7.2018 – Die Versicherungswirtschaft hat die Lösungen Verrentung und Kapitalauszahlung wissenschaftlich untersuchen lassen. Zugleich wurde eine repräsentative Umfrage zu dieser Thematik durchgeführt. Im Ergebnis wirbt die Versicherungswirtschaft für die Verrentung des Kapitals, da die gesetzliche Rente nur so eine dauerhafte Ergänzung bis zum Lebensende erfahre. Dass viele Menschen lieber das Geld in Eigenverantwortung nehmen, liege vor allem daran, dass sie ihre Lebenserwartung falsch einschätzten.

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Was tun, wenn man zusätzlich vorgesorgt hat und die Auszahlung des angesparten Geldes ansteht? Mit der Einmalzahlung selbst versuchen, bis zum Lebensende über die Runden zu kommen? Oder wäre es nicht besser, sich im Kollektiv mit Hilfe einer lebenslangen Rentenversicherung abzusichern? Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) hat dies jetzt wissenschaftlich untersuchen lassen und zugleich eine repräsentative Umfrage zu dieser Thematik veröffentlicht.

Verrentung des Kapitals bedarfsgerecht, aber unbeliebt

Die von der Versicherungswirtschaft beim Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften (Ifa) in Auftrag gegebene Studie „Nutzen und Akzeptanz der lebenslangen Rente“ kommt zu dem Schluss, dass eine Verrentung des Kapitals bedarfsgerecht, aber gleichwohl unbeliebt sei. Professor Dr. Jochen Ruß brachte es am Donnerstag vor der Presse in Berlin so auf den Punkt: „Mein Geld ist schon weg, aber ich bin noch da.“

Jochen Ruß (Bild: Brüss)
Jochen Ruß (Bild: Brüss)

Dies belegt auch eine Umfrage des Meinungsforschungs-Instituts Forsa für den GDV. Gefragt wurden 1.008 Personen, die noch nicht in Rente sind, was sie mit angesparten 50.000 Euro im Alter machen würden. Zwei Drittel entschieden sich danach für die Einmalzahlung und nur ein Drittel für die garantierte monatliche Rente von 200 Euro.

Das finanzielle Langlebigkeitsrisiko wird unterschätzt

GDV-Geschäftsführungsmitglied Dr. Peter Schwark, der am Donnerstagnachmittag am zweiten Tag des Hearings der neugebildeten Rentenkommission „Verlässlicher Generationenvertrag“ (VersicherungsJournal 16.5.2018) teilnahm, sagte, das Problem liege darin begründet, dass die Menschen ihr „finanzielles Langlebigkeitsrisiko“ falsch einschätzten.

Es fehle an Aufklärung darüber, welche Lebensdauer die Menschen wirklich zu erwarten hätten. Der GDV hat deshalb die Kampagne „Du lebst sieben Jahre länger als Du denkst“ ins Leben gerufen. Schwark würde es auch für nützlich halten, wenn die Deutsche Rentenversicherung Bund in ihren jährlichen Renteninformationen Hinweise über die Entwicklung der Lebenserwartung geben würde.

Ruß sagte, man müsse sich vergegenwärtigen, dass die Menschen in jedem Jahrzehnt bislang ihre Lebenserwartung um zweieinhalb Jahre hätten erhöhen können. Zugleich müsse man den Menschen deutlich machen, dass eine Versicherung etwas anderes sei als ein Investment. Die Verrentung im Kollektiv sichere eben eine lebenslange regelmäßige Auszahlung.

Peter Schwark (Bild: Brüss)
Peter Schwark (Bild: Brüss)

Umfrage: Viele glauben an den Vorteil einer Einmalzahlung

Der Forsa-Umfrage zufolge gaben 66 Prozent der Befragten an, dass sie im Falle eines frühen Todes durch die Einmalzahlung mehr Geld erhalten hätten als durch die lebenslange Rente. 60 Prozent glauben auch, wenn sie das Geld auf eigene Faust anlegen würden, kämen sie besser zurecht. Dies sei allerdings angesichts der Niedrigzinsphase mit Guthabenzinsen bei Banken von 0,010 Prozent ein ehrgeiziges Unterfangen, sagte Schwark.

35 Prozent des Befragten wollen die Einmalzahlung für Reisen und größere Anschaffungen nutzen. Immerhin gehen 22 Prozent davon aus, dass sie auch ohne zusätzliche 50.000 Euro ihren Lebensstandard mit der gesetzlichen Rente und anderen Einkommensquellen werden halten können.

Für Ruß wäre neben einer intensiven Aufklärung der Menschen über ihre Lebenserwartung und die Vorteile einer Verrentung wichtig, dass die Versicherer ihre Produkte flexibler gestalten. Wenn etwa jemand krank werde, sollte dieser seine monatliche Rentenleistung erhöhen können. Auch sollte es möglich sein, im Rahmen der Rentenversicherung zu einer Teilkapitalauszahlung zu kommen, um in besonderen Fällen Zahlungen leisten zu können.

Leserbriefe zum Artikel:

Holger Koch - Richtig gerechnet, ist die Einmalzahlung die bessere Wahl. mehr ...

Helmut Geduldig - Wer im Kollektiv spart, gibt die Verfügungsgewalt über sein Geld auf. mehr ...

+Werner Siepe - Selbstgemanagter Entnahmeplan wäre eine Alternative. mehr ...

Peter Schramm - Für den Versicherer regelmäßig nicht mehr kapitalisierbar. mehr ...

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Aktuar · Altersvorsorge · Lebenserwartung · Marktforschung · Rente · Sterbetafel
 
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