Wenn sich ein Auto selbstständig macht

9.1.2019 – Bei einem Fahrzeugschaden, der entsteht, weil ein geparktes Auto mutmaßlich nicht ordnungsgemäß gesichert wurde, handelt es sich um einen Unfall im Sinne der Bedingungen einer Vollkaskoversicherung. Das hat das Amtsgericht Augsburg mit einem kürzlich veröffentlichten Urteil vom 11. April 2018 entschieden (22 C 4977/17).

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Die Klägerin hatte ihren Personenkraftwagen auf einem leicht abschüssigen Parkplatz abgestellt. Nachdem sie diesen zu Fuß verlassen hatte, setzte sich das Fahrzeug in Bewegung. Es rollte führerlos vorwärts in einen Graben. Gestoppt wurde es schließlich von einer Hauswand.

Der Fahrzeugschaden, der durch den Anprall an die Wand entstanden war, war gering. Einen erheblichen Schaden erlitt das Auto jedoch, weil es während der „Geisterfahrt“ einen abgesägten Baumstumpf überrollt hatte. Die Reparaturkosten machte die Klägerin gegenüber ihrem Vollkaskoversicherer geltend.

Kein Unfall?

Der Versicherer lehnte es ab, den Schaden zu regulieren. Als Begründung führte er an, dass ein führerloses Rollen eines Kraftfahrzeugs und ein dadurch an ihm entstandener Schaden keinen Unfall im Sinne der Versicherungs-Bedingungen darstellen.

Die Versicherte habe im Übrigen grob fahrlässig gehandelt. Denn es sei offenkundig, dass es zu dem Schadenereignis nur deswegen gekommen sei, weil sie ihren Personenkraftwagen nicht ordnungsgemäß gesichert habe.

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Klage stattgegeben

Dieser Argumentation wollte sich das Augsburger Amtsgericht nicht anschließen. Es gab der Klage der Versicherten auf Ersatz des Fahrzeugschadens unter Abzug der vertraglich vereinbarten Selbstbeteiligung statt.

Zwar stelle eine nicht ordnungsgemäße Sicherung eines geparkten Fahrzeugs an sich noch keinen Unfall dar. Von einem solchen sei jedoch auszugehen, wenn sich das Auto selbstständig in Bewegung setzt und dabei beschädigt wird.

Rechtskräftige Entscheidung

Im Übrigen habe der Versicherer den Vorwurf, dass die Versicherte den Unfall grob fahrlässig verursacht habe, nicht beweisen können. Dies gelte, auch wenn ein Anschein dafür spreche, dass die Klägerin das Fahrzeug unzureichend gegen ein Wegrollen gesichert hat.

„Denn allein die Tatsache, dass sich aus nachträglich nicht mehr aufklärbaren Gründen herausstellt, dass die Routinehandlung in der konkreten Situation nicht korrekt ausgeführt wurde, begründet für sich allein genommen nicht den Beweis eines grob fahrlässigen Handelns“, so das Gericht.

Nachdem der Vollkaskoversicherer seine Berufung gegen das Urteil des Amtsgerichts zurückgenommen hat, ist die Entscheidung rechtskräftig.

Schlagwörter zu diesem Artikel
AVB · Kfz-Versicherung · Pkw
 
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