Wenn nur noch eine Blutwäsche hilft

14.5.2019 – Ist bei sehr hohen Cholesterinwerten eine regelmäßige Blutwäsche das Mittel der letzten Wahl, so sind die gesetzlichen Krankenkassen dazu verpflichtet, die dadurch entstehenden Kosten zu übernehmen. Das hat das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen mit einem am Montag veröffentlichten Beschluss vom 6. Mai 2019 entschieden (L 16 KR 121/19 B ER).

Geklagt hatte ein 61-Jähriger, der bereits mehrere Schlaganfälle erlitten hatte. Sein extrem hoher Cholesterinwert war weder durch Umstellen der Ernährung noch medikamentös in den Griff zu bekommen.

Deshalb beantragte er auf Anraten seiner Ärztin bei seiner gesetzlichen Krankenkasse die Übernahme der Kosten einer speziellen Blutwäsche (Lipidapherese). Denn ohne eine solche Behandlung drohe ihm eine lebensbedrohliche Verschlechterung seines Gesundheitszustandes.

Streit der Fachleute

Doch obwohl die zuständige Apherese-Kommission der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) eine positive Empfehlung für die Behandlung abgab, weigerte sich die Versicherung des Klägers, die Kosten von wöchentlich mehr als 1.000 Euro zu übernehmen.

Zur Begründung berief sie sich auf eine abweichende Empfehlung des Medizinischen Dienstes (MDK), der keine Notwendigkeit für eine Blutwäsche sah.

Der Mann zog daraufhin vor Gericht. Dort errang er einen Etappensieg. Das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen verpflichtete den Kostenträger im Rahmen einer Eilentscheidung dazu, die Aufwendungen für die Behandlung zu übernehmen.

Unumgänglich

Die Richter schlossen sich dem ihres Erachtens fachkundigem Votum der niedersächsischen Kassenärztlichen Vereinigung sowie der Meinung der Ärztin des Patienten an, dass in seinem Fall eine wöchentliche Blutwäsche unumgänglich sei.

Denn angesichts der drohenden schweren Gesundheitsgefahren könne eine durch die abweichende Meinung des MDK verbleibende Unsicherheit nicht zu Lasten des Kranken gehen, zumal sich in einem Eilverfahren regelmäßig eine zeitaufwendige Begutachtung verbiete.

Auch formell sei das Votum der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen nicht zu beanstanden. Denn in deren Apherese-Kommission seien neben weiteren Fachmedizinern auch Mitglieder des MDK stimmberechtigt vertreten.

Ein Gerichtssprecher räumte zwar ein, dass die Krankenkassen die Arbeit der Apherese-Kommission für intransparent halten und deren Genehmigungszahlen in Niedersachsen im Ländervergleich auffallend hoch seien. Solcherlei Auffälligkeiten gehörten nach Meinung des Gerichts jedoch nicht zum Risiko der Patienten.

 
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