Wenn eine Laser-OP das letzte Mittel der Wahl ist

6.8.2019 – Die gesetzlichen Krankenversicherer sind auch dann nicht zur Übernahme der Kosten einer als neue Behandlungsmethode eingestuften Laserbehandlung der Augen eines Versicherten verpflichtet, wenn diese als Mittel der letzten Wahl gilt. Das geht aus einem Urteil des Sozialgerichts Stuttgart vom 6. Februar 2019 hervor (S 23 KR 4535/18).

WERBUNG

Die im Jahr 1987 geborene Klägerin leidet sowohl unter einer beidseitigen Kurzsichtigkeit als auch unter einem Astigmatismus (Stabsichtigkeit).

Neue Behandlungsmethode

Bei ihrem gesetzlichen Krankenversicherer beantragte sie die Übernahme der Kosten für eine spezielle Laser-Operation („ReLex-Smile-Lasik“). Sie argumentierte, dass ihre starke Sehschwäche aufgrund einer Unverträglichkeit von Brille und Kontaktlinsen nicht anders korrigiert werden könne.

Das lehnte die Krankenkasse ab. Denn diese Form der Operation würde zu den sogenannten „neuen Behandlungsmethoden“ gehören, für welche keine positive Empfehlung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) vorliege.

Sie sei von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung vielmehr in den Katalog der individuell von den Versicherten zu finanzierenden Gesundheitsleistungen (Igel) aufgenommen worden.

Gegen die Ablehnung zog die Frau vor Gericht. Dort erlitt sie eine Niederlage.

Kein Ausnahmefall

Nachdem das Stuttgarter Sozialgericht im Rahmen der Beweisaufnahme schriftlich die behandelnden Ärzte der Frau als sachverständige Zeugen gehört hatte, schloss es sich der Argumentation der Krankenkasse an. Es wies die Klage als unbegründet zurück.

Nach Ansicht der Richter kann in der entschiedenen Sache auch von keinem Ausnahmefall ausgegangen werden, welche den Krankenversicherer auch ohne eine positive Empfehlung des GBA zu einer Versorgung mit der von der Klägerin beantragten Behandlungsmethode verpflichten könnte.

Denn das setze eine lebensbedrohliche oder regelmäßig tödliche Erkrankung voraus, bei welcher durch eine nicht anerkannte Behandlungsmethode eine nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf Heilung oder auf eine spürbare positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf bestehe.

Lebensqualität ist nicht der Maßstab

Die Patientin leide zwar unbestritten an einer nachhaltigen, ihre Lebensqualität auf Dauer beeinträchtigenden Krankheit. Die hochgradige Sehstörung der Versicherten könne aber trotz ihrer Schwere und ihres Ausmaßes der aus ihr folgenden Beeinträchtigungen in der Bewertung nicht mit einer lebensbedrohlichen oder regelmäßig tödlich verlaufenden Erkrankung gleichgestellt werden.

Vielmehr sei nur ihre Sehfähigkeit, wenn auch in einem erheblichem Maße, beeinträchtigt.

Das Urteil ist inzwischen rechtskräftig.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Gesetzliche Krankenversicherung · Gesundheitsreform
 
WERBUNG
WERBUNG
Mehr Umsatz durch professionelle Kundenpflege

Ob Kundenzeitung, Homepage oder Newsletter – durch regelmäßige Fachinformationen bieten Sie Ihren Kunden echten Nutzen.
Sie haben keine Zeit dafür? Die Autoren des VersicherungsJournals nehmen Ihnen das Schreiben ab.

Jetzt auch für Ihren Social Media Auftritt.

Eine Leseprobe und mehr Informationen finden Sie hier...

WERBUNG
VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
WERBUNG
Premium-Abo mit Zufriedenheitsgarantie

Sichern Sie sich Ihren Wissensvorsprung mit einem besonderen Vorteil.

Entscheiden Sie sich noch in diesem August für das Jahres-Abo, können Sie sechs Monate lang ohne Angabe von Gründen von dem Auftrag zurücktreten und erhalten den bezahlten Beitrag in voller Höhe zurück.

Nutzen auch Sie die Geld-zurück-Garantie spätestens bis zum Monatsende und melden Sie sich hier für das Abo an!

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Kunden gewinnen mit Vorträgen

Kunden gewinnen mit Vorträgen

Termine und Empfehlungen gehören zum Einmaleins im Versicherungsvertrieb. Wie sich die Erfolgsquoten steigern lassen, zeigt ein Praktikerhandbuch.

Mehr Informationen erhalten Sie hier...

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
20.8.2019 – Digitale Angebote werden von Patienten unterschiedlich bewertet. Welche Leistungen angenommen und was abgelehnt wird, zeigt eine Umfrage. (Bild: KBV) mehr ...
 
13.8.2019 – Das Wissenschaftliche Institut der PKV hat die Leistungsausgaben von Kassen- und Privatpatienten untersucht. Je nach Leistungsbereich gibt es zum Teil deutliche Unterschiede. (Bild: WIP) mehr ...
 
12.8.2019 – In Zeiten knapper Kassen im Gesundheitswesen streiten Versicherer gelegentlich auch über Dinge, bei denen juristischen Laien die Haare zu Berge stehen. So auch im Fall einer Nierenkranken, mit dem sich das Mannheimer Sozialgericht zu befassen hatte. (Bild: Tina de Fortunata) mehr ...
 
8.8.2019 – Die gesetzlichen Krankenversicherer werden großzügiger und bauen ihr Zusatzangebot aus. Wer mit Zuschüssen für bestimmte Leistungen punkten will, zeigt ein Vergleich von 81 Anbietern. (Bild: SVG Silh, CC0) mehr ...
 
1.8.2019 – Die Bundesregierung will „Apps auf Rezept“ für gesetzlich Krankenversicherte. Wie die Situation für Privatversicherte aussieht, hat das VersicherungsJournal beim Verband der privaten Krankenversicherung erfragt. (Bild: Mcmurryjulie, Pixabay CC0) mehr ...
 
1.8.2019 – Das Bundessozialgericht hat sich mit der Frage befasst, welche Leistungen gesetzliche Krankenversicherer ihren Versicherten als Wahltarif anbieten dürfen. Die beklagte Kasse hatte ihren Leistungskatalog stark ausgedehnt. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
WERBUNG