Wenn ein Unfallfahrzeug einen weiteren Schaden erleidet

19.3.2019 – Bei der Reparatur eines Unfall-Pkw war die Heckscheibe zu Bruch gegangen. Vor Gericht stritt man sich anschließend um die Frage, wer für diesen Schaden aufzukommen hat. (Bild: Pixabay CC0)

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Geklagt hatte eine Frau, deren Personenkraftwagen bei einem Unfall durch das Fahrzeug eines Dritten beschädigt worden war. Dessen Fahrer war allein für das Schadenereignis verantwortlich.

Sache der Geschädigten?

Der Kfz-Haftpflichtversicherer des Unfallverursachers war zwar grundsätzlich dazu bereit, die Kosten für die unfallbedingte Reparatur des Fahrzeugs der Klägerin zu übernehmen. Er weigerte sich jedoch, den Austausch der Heckscheibe, für den die Werkstatt etwas mehr als 500 Euro in Rechnung gestellt hatte, zu bezahlen.

Das begründete der Versicherer damit, dass die Scheibe nicht etwa durch den Unfall, sondern durch die seiner Meinung nach unsachgemäße Reparatur zu Bruch gegangen war. Die Klägerin müsse sich daher mit der Werkstatt einigen.

Dieser Argumentation wollte sich das Stuttgarter Amtsgericht nicht anschließen. Es gab der Klage der Geschädigten auf den vollständigen Ersatz der Reparaturkosten statt.

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Mehrkosten für unsachgemäße Reparatur

Das Gericht zeigte sich nach Anhörung des Sachverständigen, der mit der Besichtigung des klägerischen Fahrzeugs beauftragt war, überzeugt, dass von Anfang an das Risiko bestanden hatte, dass die Heckscheibe im Rahmen der Reparaturarbeiten beschädigt wird.

Der Klägerin könne nicht vorgeworfen werden, bei der Auswahl der Fachwerkstatt einen Fehler gemacht zu haben. Nach Ansicht des Stuttgarter Amtsgerichts ist es Sache des Schädigers beziehungsweise seines Kraftfahrzeugs-Haftpflichtversicherers, die Mehrkosten für die möglicherweise unsachgemäße Reparatur zu übernehmen. Denn es sei der Schädiger, der das sogenannte Werkstatt- und Prognoserisiko zu tragen habe, und nicht die Geschädigte.

Sobald nämlich ein Geschädigter sein verunfalltes Fahrzeug einer Werkstatt zur Reparatur übergebe, habe er keinen Einfluss darauf, ob unnötige oder überteuerte Maßnahmen vorgenommen werden. Das aber dürfe nicht zu seinen Lasten gehen.

Kein Nachteile

Das Gericht betonte, dass dadurch dem Schädiger beziehungsweise seinem Versicherer letztlich keine Nachteile entstehen. Denn dieser könne sich nach den sogenannten Grundsätzen der Vorteilsausgleichung mögliche Schadenersatzansprüche gegenüber der Werkstatt abtreten lassen, um sie gegebenenfalls in Regress zu nehmen.

Das Amtsgericht München hatte im April letzten Jahres in einem vergleichbaren Fall ebenfalls zugunsten des Geschädigten entschieden (VersicherungsJournal 31.7.2018).

Schlagwörter zu diesem Artikel
Haftpflichtversicherung · Pkw · Schadenersatz
 
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