Wann Einkommen die gesetzliche Witwenrente schmälert

23.7.2021 – Wer eine gesetzliche Witwen-, Witwer- oder Erziehungsrente erhält, kann nur bis zu einem bestimmten Freibetrag etwas hinzuverdienen, ohne dass die Rente gekürzt wird. Diese Hinzuverdienstgrenze wurde zum 1. Juli 2021 in Ost-, nicht jedoch in Westdeutschland angehoben.

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Wer neben einer gesetzlichen Witwen-, Witwer- oder Erziehungsrente noch weitere Einkünfte hat, die höher sind als ein gesetzlich festgelegter Freibetrag – die sogenannte Hinzuverdienstgrenze –, muss je nach Einkommensart eine Kürzung seiner Hinterbliebenenrente hinnehmen.

Die Höhe der Hinzuverdienstgrenze entspricht gemäß § 97 SGB VI dem 26,4-Fachen des aktuellen Rentenwerts. Dieser hängt unter anderem von der Lohnentwicklung ab und wird zum 1. Juli eines Kalenderjahres angepasst.

Hinzuverdienstgrenze erhöht sich nach Lohnsteigerung

Hat es eine Lohnsteigerung im vorherigen Kalenderjahr zum Vorvorjahr gegeben, erhöht sich auch die Hinzuverdienstgrenze. Im Jahr 2020 waren im Vergleich zu 2019 die Löhne jedoch niedriger, dementsprechend müssten die Freibeträge sogar gesenkt werden.

Aufgrund einer gesetzlich festgelegten Anpassungsformel bleibt der Rentenwert für Westdeutschland in 2021 gegenüber 2020 jedoch unverändert bei 34,19 Euro. In Ostdeutschland steigt er entsprechend der schrittweisen Angleichung der Renten von Ost- und Westdeutschland leicht von 33,23 Euro auf 33,47 Euro.

Nur in Ostdeutschland erhöht sich der Freibetrag

Damit ändert sich die Hinzuverdienstgrenze in Westdeutschland für Bezieher einer gesetzlichen Witwen-, Witwer- oder Erziehungsrente nicht. Sie bleibt bei 902,62 Euro.

In Ostdeutschland erhöht sich dagegen der Freibetrag ab dem 1. Juli 2021 von 877,27 Euro auf 883,61 Euro.

Bei Beziehern einer Hinterbliebenenrente, die ein oder mehrere Kinder erziehen, welche eine gesetzliche Waisenrente erhalten, erhöht sich die Hinzuverdienstgrenze je Kind zudem um das 5,6-Fache des aktuellen Rentenwertes. Das sind ab 1. Juli 2021 zusätzlich 191,46 Euro in West- und 187,43 Euro in Ostdeutschland je Kind.

Einkunftsarten, die zu Rentenabzügen führen können

Allerdings wird nicht jede Einkommensart als Hinzuverdienst angerechnet. Nicht mitgerechnet werden unter anderem Einkünfte aus einer staatlich geförderten Altersvorsorge wie einer Riester- oder Rürup-Rente sowie ein Pflegegeld der gesetzlichen Pflegeversicherung, das eine Person für die Pflege eines Pflegebedürftigen erhält.

Auch bedarfsorientierte Leistungen wie Arbeitslosengeld II, Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung, Wohngeld und sonstige Sozialhilfeleistungen sowie Leistungen nach dem Bundesausbildungs-Förderungsgesetz (BAföG) zählen nicht als Hinzuverdienst.

Zu den Einkunftsarten, die zu einer Überschreitung der Hinzuverdienstgrenze und damit zu Rentenabzügen führen können, gehören unter anderem das Arbeitseinkommen als Arbeitnehmer oder Selbstständiger sowie die Beamtenbezüge.

Auch gesetzliche Alters- und Erwerbsminderungsrenten, Miet- oder Pachteinnahmen sowie sonstige ausbezahlte Erträge von diversen Kapital- oder Vermögensanlagen werden als Hinzuverdienst angerechnet. Welche Einkommen berücksichtigt werden oder nicht, ist in § 18a SGB IV geregelt.

Nicht der gesamte Hinzuverdienst wird angerechnet

Zur Einkommensanrechnung wird gemäß § 18b SGB IV vom zuständigen Träger der Deutschen Rentenversicherung (DRV) von den Bruttoeinkünften je nach Einkunftsart ein pauschaler Anteil abgezogen, um die maßgeblichen Nettoeinkünfte zu ermitteln. Dazu werden zum Beispiel vom Bruttoarbeitseinkommen 40 Prozent abgezogen. Handelt es sich um Bezüge aus einem öffentlich-rechtlichen Dienst- oder Amtsverhältnis, sind es 27,5 Prozent.

Bei Bruttoeinnahmen aus Vermietungen nach Abzug der Werbungskosten sind es 25 Prozent und bei gesetzlichen Alters- oder Erwerbsminderungsrenten mit Rentenbeginn ab 2011 pauschal 14 Prozent (bei Rentenbeginn bis 2010 sind es 13 Prozent). Sind die so ermittelten Nettoeinkünfte insgesamt höher als die Hinzuverdienstgrenze, werden 40 Prozent des Differenzbetrages von der Hinterbliebenenrente abgezogen.

Ein Beispiel: Eine kinderlose Witwe, wohnhaft in Westdeutschland, hat als Monatseinkünfte eine Witwenrente von 700 Euro und aus einem Vollzeitjob ein Bruttogehalt von 2.500 Euro. Ihr anrechenbarer Nettohinzuverdienst beträgt somit 2.500 Euro minus 40 Prozent, also 1.500 Euro.

Ihre Hinzuverdienstgrenze liegt bei 902,62 Euro. Ihr Hinzuverdienst ist damit 597,38 Euro über dieser Grenze. Von diesem Differenzbetrag werden ihr 40 Prozent und damit 238,95 Euro von ihrer gesetzlichen Witwenrente abgezogen – die Rentenhöhe nach Abzug beträgt damit 461,05 Euro.

Ausnahmen bei der Einkommensanrechnung

Für einen Hinterbliebenen, dessen versicherter Ehepartner vor 2002 gestorben ist oder dessen Ehe bereits vor 2002 bestand und wenn mindestens einer der Ehepartner vor dem 2. Januar 1962 geboren wurde, gilt übrigens noch eine alte Regelung zur Einkommensanrechnung. In dieser bis Ende 2001 gültigen Fassung wurden viel weniger Einkommensarten berücksichtigt.

Nicht auf die Hinterbliebenenrente angerechnet wurden im Gegensatz zu heute zum Beispiel: Krankengeld aus einer privaten Krankenversicherung, Betriebsrenten und Zusatzrenten aus öffentlichen Versicherungs- und Versorgungs-Einrichtungen, Vermögenseinkommen wie Einnahmen aus Kapitalvermögen, Vermietung oder Verpachtung sowie Einnahmen aus privaten Veräußerungsgeschäften.

Die Vorgaben, inwieweit die verschiedenen Einkunftsarten tatsächlich zur Berechnung der Rentenabzüge aufgrund eines Hinzuverdienstes berücksichtigt werden, sind also komplex. Daher ist es für Hinterbliebene sinnvoll, sich bei der zuständigen DRV- Beratungsstelle beraten zu lassen. Informationen zu den Regelungen enthält die kostenlos downloadbare Broschüre „Hinterbliebenenrente: So viel können Sie hinzuverdienen“ der DRV, die in der Regel Mitte des Jahres aktualisiert wird.

 
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