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Wann die Krankenkasse eine Echthaarperücke bezahlen muss

1.4.2021 – Dauerhaft kahlköpfige Frauen haben dann einen Anspruch auf die Versorgung mit Haarersatz aus Echthaar durch ihren gesetzlichen Krankenversicherer, wenn das im Vergleich mit einer Kunsthaarperücke langfristig eine kostengünstigere Variante darstellt. Das hat das Sozialgericht Dresden mit Gerichtsbescheid vom 18. Februar 2021 entschieden (S 18 KR 304/18).

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Obwohl sie ihre Krankenkasse nur mit einer Kunsthaarperücke versorgen wollte, hatte sich die unter komplettem Haarverlust leidende Klägerin schon vor Jahren dazu entschieden, Echthaarperücken zu tragen.

Seine Entscheidung begründete der Versicherer damit, dass Kunsthaarperücken deutlich preisgünstiger seien und auf den ersten Blick nicht von Echthaarperücken unterschieden werden könnten.

Das sah die Frau anders. Sie zog daher gegen ihre Krankenkasse mit der Forderung vor Gericht, dass diese sie mit Echthaarperücken zu versorgen habe. Mit Erfolg. Das Dresdener Sozialgericht gab ihrer Klage statt.

Eine Frage der Wirtschaftlichkeit

Nach Ansicht der Richter kann es offen bleiben, ob Kunsthaarperücken optisch in jedem Fall ausreichend seien, um den Verlust des natürlichen Haupthaars für unbefangene Beobachter zu kaschieren.

Fakt sei, dass eine Versorgung mit Echthaarperücken letztlich wirtschaftlicher sei. Denn diese könnten nach Aussage eines als Zeugen gehörten Experten deutlich länger genutzt werden, bevor sie unansehnlich werden und ausgetauscht werden müssen.

In dem entschiedenen Fall seien die von der Betroffenen angeschafften Perücken zwar knapp 50 Prozent teurer gewesen als ein Haarersatz aus Kunsthaar. Sie hätten jedoch auch doppelt so lange gehalten, bevor eine Neuversorgung erforderlich gewesen sei.

Ihr Krankenversicherer sei daher dazu verpflichtet, sie mit Echthaarperücken zu versorgen.

Ungleichbehandlung zu Gunsten von Frauen

Ausdrücklich nicht positioniert hat sich das Gericht zu der Frage, ob Frauen, die nach einer Chemotherapie unter vorübergehender Haarlosigkeit leiden, ebenfalls einen Anspruch auf die Versorgung mit einer Echthaarperücke haben. Diese Frage würde von den Sozialgerichten unterschiedlich beurteilt.

Die Richter raten daher dazu, dass sich Betroffene in derartigen Fällen vor der Anschaffung einer Perücke mit ihrer Krankenkasse ins Benehmen setzen.

Die Entscheidung des Dresdener Sozialgerichts ist rechtskräftig. Das Bundessozialgericht hatte übrigens im April 2015 entschieden, dass unter dem Verlust ihres Haupthaars leidende Männer keinen Anspruch auf die Versorgung mit einer Perücke durch ihren gesetzlichen Krankenversicherer haben (VersicherungsJournal 23.4.2015).

Schlagwörter zu diesem Artikel
Gesetzliche Krankenversicherung
 
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