Versicherungsmakler stellen sich auf harten Brexit ein

14.2.2019 – Internationale Industrieversicherungs-Makler sind sich sicher, dass es zu einem harten Brexit kommen wird. Gleichzeitig soll aber das Versicherungsgeschäft mit Großbritannien weiterhin möglich sein. Die Experten rechnen damit, dass die Kosten steigen werden. Digitalisierungs-Projekte sind nach Einschätzung der Makler viel zu langsam.

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Mathias Pahl (Bild: WTW)
Mathias Pahl (Bild: WTW)

„Wir gehen von einem harten Brexit aus“, sagte Mathias Pahl, Managing Director und Head of Corporate Risk & Broking bei der Willis Towers Watson GmbH. Die Zeit laufe den Briten davon. „Da passiert nichts mehr“, so Pahl Anfang der Woche auf der MCC-Fachtagung „Industrieversicherung 2019“ (VersicherungsJournal 12.12.2019). Willis hat daher ein zusätzliches Unternehmen in Belgien gegründet.

Ähnlich wird die Lage von der Marsh GmbH eingeschätzt. „Obwohl wir mit einem harten Brexit rechnen, sind wir vollkommen unaufgeregt“, sagte Siegmund Fahrig, Vorsitzender der Geschäftsführung. Marsh habe ausreichende Vorkehrungen getroffen.

Zudem rechnet der internationale Versicherungsmakler damit, dass auch eine Kooperation mit Lloyd’s of London weiterhin gegeben sein wird. Fahrig: „Wir gehen davon aus, dass alle Verträge im Sinne der Kunden geregelt werden.“ Zudem hofft der Makler, dass die Aufsichtsbehörden eine Frist von 21 Monaten als Übergang gelten lassen.

Auf den Brexit vorbereitet

Keine Bedenken haben die internationalen Versicherungsmakler, dass es durch den Brexit zu Kapazitätsproblemen in der Industrieversicherung kommen könnte. Auch der Versicherer Berkshire Hathaway Specialty Insurance geht von einem harten Brexit aus, hat deshalb vorgebaut und eine Gesellschaft in Dublin gegründet.

In Sachen Digitalisierung sieht sich der Versicherer, der erst seit rund zweieinhalb Jahren am Markt ist (VersicherungsJournal 12.10.2016), in einer Top-Position. „Wir haben alles von Grund auf neu gebaut und verfügen heute über eine IT, die für Betrieb und Schaden identisch ist“, sagte Leander Metzger, Senior Vice President Northern Europe. Migrationsprobleme, wie sie andere Versicherer umtreiben, würde sein Unternehmen nicht kennen.

Keine echte Lösung

Siegmund Fahrig (Bild: Schmidt-Kasparek)
Siegmund Fahrig (Bild: Schmidt-Kasparek)

Demgegenüber sind die Versicherungsmakler sehr unzufrieden mit dem Stand der Digitalisierung in ihrer Branche. „Wir haben es bis heute nicht verstanden ganz lapidare Dinge zu digitalisieren“, sagte Fahrig.

Die Initiativen 3BI – The Blockchain Insurance Industry und das Brancheninstitut für Prozessoptimierung e. V. (Bipro) würden den richtigen Weg beschreiten, doch ihnen fehle die notwendige Geschwindigkeit. Eine echte Lösung, wie Digitalisierung im Industriegeschäft schneller vorangetrieben werden könnte, zeigten die Teilnehmer der Tagung aber nicht auf.

Marsh stellt europaweit junge, technisch affine Menschen ein, um im Unternehmen einen Wandel herbeizuführen. Fahrig: „Nach sieben Monaten können die uns schon was vormachen.“ Demgegenüber glaubt Experte Pahl, dass man von Digitalisierungs-Projekten für die Gewerbeversicherung lernen könnte.

Neues Geschäftsfeld

Einig waren sich die Experten, dass die Industrieversicherung nicht von der Digitalisierung verschont bleiben wird. Immerhin bringt die zunehmende Digitalisierung aller Branchen mit Cyberschutz auch ein neues Geschäftsfeld. Hier kamen die Experten überein, dass nur eine reine Cyberversicherung sinnvoll ist. Alle anderen Sparten sollten das Cyberrisiko ausschließen.

Mit dem Angebot zum Cyberschutz in Deutschland sind die Versicherungsmakler nicht zufrieden. „Eine Cyberpolice von der Stange taugt im Industriegeschäft nicht“, kritisiert Fahrig. „Eine Cyberpolice, die in 80 Prozent aller Schäden zahlt, ist unzureichend, denn sie leistet bei 20 Prozent der Schäden nicht.“

Cyberschutz müsste gemeinsam mit dem Kunden erarbeitet werden. Das würde in der Regel mehrere Monate dauern. Ein Hindernis für umfassenden Cyberschutz wäre in Deutschland die Spartentrennung. Nach einer Erhebung von Marsh haben in Deutschland rund 86 Prozent aller Großunternehmen noch keinen Cyberschutz.

Reputationsschaden haben heute eine neue Dimension

Martin Zschech (Bild: Schmidt-Kasparek)
Martin Zschech (Bild: Schmidt-Kasparek)

Neu auf dem Markt ist eine Reputationsversicherung für Großunternehmen und Mittelständler. Sie wurde von Martin Zschech vorgestellt. Zschech ist Regional Head of Financial Lines Central & Eastern Europe bei der Allianz Global Corporate & Specialty SE (AGCS). Das Stand-Alone-Produkt sorgt für Prävention und zahlt den Vermögensschaden, wenn der Ruf des Unternehmens öffentlich beschädigt wird.

Durch Millionen von Smartphones und die weltweite Vernetzung in Foren habe heute ein Reputationsschaden eine ganz neue Dimension. Die Rufschädigung würde sich blitzschnell ausweiten und hätte eine enorme Reichweite. Sie könnte Unternehmen regelrecht ruinieren. „Wir leisten bereits, wenn ein führender Unternehmens-Repräsentant subjektiv feststellt, dass eine Sondersituation eingetreten ist“, sagte Zschech.

Schwierige Abgrenzung

Das wäre eine deutliche Ausweitung des Leistungsbegriffs. Sie läge aber im Interesse des Versicherers. Denn nur ein schnelles Krisenmanagement könnte den Reputationsschaden begrenzen. Ein Anruf beim Versicherer mit Bitte um Deckungsprüfung sei da kontraproduktiv. „Unternehmen müssen proaktiv schnell handeln und über alle möglichen Kanäle kommunizieren“, erläuterte Zschech.

Dabei sei es wichtig, dass vorher ein ganzheitliches Krisenmanagement aufgebaut wird. Ein eigener Krisenmanager könnte nur dann eingesetzt werden, wenn er zuvor in der Police vermerkt ist, damit der Ablauf in der Krise eindeutig definiert sei. Derzeit prüfe man, ob auch die Allianz Deutschland den Schutz anbieten kann. Er wäre dann auch für kleinere Unternehmen möglich.

Das Produkt wurde von den Experten der Tagung eher skeptisch aufgenommen. Es sei sehr schwer, die Reputationspolice von der Rückruf- oder Cyberdeckung abzugrenzen. Der Verkauf scheint tatsächlich schwierig. Laut Zschech gebe es bei der AGCS erst eine zweistellige Anzahl von Policen.

 
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