Überschwemmung: Teurer Toilettengang

14.3.2019 – In einer Mietwohnung ist es zu einem Wasserschaden gekommen, weil ein dreijähriges Kind unbemerkt die Toilette verstopft hat. Ein Ausgleichsanspruch des Gebäudeversicherers gegen den Haftpflichtversicherer der Eltern des Kindes besteht in einem solchen Fall nur dann, wenn diesen eine Verletzung ihrer Aufsichtspflicht nachgewiesen werden kann. Das hat das Landgericht Düsseldorf mit Urteil vom 10. Januar 2018 entschieden (23 O 137/17).

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Die Mieterin einer Wohnung hatte am Tag des Schadenereignisses ihren dreijährigen Sohn ins Bett gebracht und für ihn ein Hörspiel eingeschaltet. Nach ihren bisherigen Erfahrungen ging sie davon aus, dass ihr Kind zeitnah einschlafen wird.

Verstopfte Toilette

Kurz darauf nickte die Frau selber ein. Sie wachte erst durch das Klingeln einer Nachbarin auf, die unter ihr wohnt und in deren Wohnung Wasser durch die Decke tropfte. Der Grund hierfür war, dass der Dreijährige nach dem Zubettgehen unbemerkt auf die Toilette gegangen ist. Weil er dabei zu viel Toilettenpapier benutzt hatte, kam es zu einer Verstopfung des Abflusses.

Das allein hätte keine Überschwemmung ausgelöst. Dummerweise war jedoch die Spültaste des Toilettenkastens defekt, so dass nach deren Betätigung laufend Wasser nachfloss. Das trat schließlich über den Rand des Toilettenbeckens aus.

Ausgleichsanspruch?

Bei dem Ereignis entstand ein Gebäudeneuwertschaden in Höhe von fast 14.000 Euro. Der Zeitwertschaden betrug annähernd 11.000 Euro. Den machte der Gebäudeversicherer als Ausgleichsanspruch analog § 78 Absatz 2 Satz 2 VVG zur Hälfte gegenüber dem Privathaftpflicht-Versicherer der Mieterin geltend.

Das begründete er damit, dass die Frau fahrlässig ihre Aufsichtspflicht verletzt hätte, indem sie einen unbegleiteten Toilettengang ihres dreijährigen Sohns zugelassen hat. Denn sie habe in Kenntnis der defekten Spültaste und der Gewohnheit ihres Sohnes, allein die Toilette aufzusuchen, Vorkehrungen treffen müssen, um eine mögliche Verstopfung zu verhindern.

Klage abgewiesen

Doch dem wollten sich die Richter des Düsseldorfer Landgerichts nicht anschließen. Sie wiesen die Klage des Gebäudeversicherers als unbegründet zurück.

Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme musste zwar davon ausgegangen werden, dass der Mutter des Dreijährigen bekannt war, dass die Spültaste defekt war. Allein dieser Defekt ließ nach Ansicht der Richter jedoch nicht den Schluss zu, dass es zu einem Wasserschaden kommen wird. Hierzu sei vielmehr eine zeitgleiche Verstopfung des Toilettenbeckens kombiniert mit einer anhaltenden Wasserzufuhr erforderlich gewesen.

Keine lückenlose Überwachung

Der Schaden sei folglich nicht auf eine Handlung zurückzuführen gewesen, die ein Kind nur unter Aufsicht hätte ausführen dürfen.

„Liegt aber innerhalb der eigenen vier Wände keine lückenlose Überwachung der eigenen Kinder vor, so begründet dies nur dann einen Aufsichtspflichtverstoß, wenn erkennbar war, das bestimmte Gefahrenlagen in der Wohnung zu vorhersehbaren Schädigungshandlungen führen können“, so das Gericht in seiner Urteilsbegründung.

Im Übrigen sei eine lückenlose Überwachung eines Kindes, quasi „rund um die Uhr“ weder üblich noch geboten. Das gelte insbesondere innerhalb der eigenen Wohnung. Die Mieterin war nach Ansicht der Richter auch nicht dazu verpflichtet zu kontrollieren, ob ihr Sohn tatsächlich eingeschlafen ist. Der Gebäudeversicherer konnte seine Ausgleichsforderung daher nicht realisieren.

 
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