Überraschende Entwicklung bei den Sozialversicherungs-Grenzwerten

9.9.2021 – Der Entwurf für die Sozialversicherungs-Grenzwerte für 2022 liegt vor. Demnach steigt in der allgemeinen Rentenversicherung im Osten die Beitragsbemessungs-Grenze auf 81.000 Euro, während sie im Westen auf 84.600 sinkt. Für die gesetzliche Krankenversicherung gilt unverändert 58.050 Euro. Die Versicherungspflicht-Grenze bleibt bei 64.350 Euro.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat am Mittwoch den Referentenentwurf zur Sozialversicherungs-Rechengrößenverordnung 2022 (PDF, 372 KB) veröffentlicht. Anders als in den letzten Jahren üblich, werden viele der Rechengrößen nicht erhöht.

In der Krankenversicherung bleibt alles beim Alten

So liegt die bundesweit einheitliche Versicherungspflicht-Grenze in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im kommenden Jahr unverändert bei 64.350 Euro. Damit bleibt der Wechsel in die private Krankenversicherung (PKV) ab einem monatlichen Bruttoeinkommen von mehr als 5.362,50 Euro möglich. Der Zugang zur PKV wird hier also nicht weiter erschwert.

In diesem Jahrtausend ist diese Jahresarbeitsentgelt-Grenze bis auf eine weitere Ausnahme (VersicherungsJournal 14.10.2010) kontinuierlich angehoben worden. Allein zwischen 2013 und 2021 erhöhte sie sich um über ein Viertel.

Was beim Überschreiten dieser Grenze zu beachten ist, um tatsächlich in die private Krankenversicherung wechseln zu können, hat der Versicherungsmakler Sven Hennig in einem Blogbeitrag erläutert (Medienspiegel 5.9.2019).

Auch die ebenfalls bundesweit einheitliche Beitragsbemessungs-Grenze (BBG) in der GKV steigt nicht und beträgt weiterhin 58.050 Euro jährlich beziehungsweise 4.837,50 Euro monatlich. Über diesen Grenzbetrag hinausgehende Einkünfte sind beitragsfrei.

BBG Rentenversicherung: im Osten rauf, im Westen runter

In der allgemeinen Rentenversicherung und in der Arbeitslosen-Versicherung sinkt dem Entwurf zufolge die BBG in den alten Bundesländern von 7.100 auf 7.050 Euro im Monat beziehungsweise von 85.200 auf 84.600 im Jahr. Die Grenze war zuvor kontinuierlich angestiegen. Der aktuelle Betrag liegt um etwa ein Fünftel höher als vor zehn Jahren.

In den neuen Ländern wächst die BBG hingegen von 6.700 auf 6.750 im Monat beziehungsweise von 80.400 auf 81.000 Euro im Jahr an. Zuvor hatte es seit 2009 immer eine Erhöhung zwischen 50 und 300 Euro im Monat beziehungsweise 600 und 3.600 Euro im Jahr gegeben.

Bezugsgröße steigt nur in den neuen Ländern

Die Bezugsgröße in der Sozialversicherung wird nur im Osten angehoben, und zwar von 3.115 auf 3.150 Euro im Monat beziehungsweise von auf 37.380 auf 37.800 Euro im Jahr. Im Westen beträgt sie 2022 weiterhin 3.290 Euro im Monat beziehungsweise 39.480 im Jahr.

Die Bezugsgröße bildet nach BMAS-Angaben eine wichtige Grundlage in der Sozialversicherung. Sie gilt etwa für die Beitragsberechnung von versicherungs-pflichtigen Selbstständigen in der Rentenversicherung oder für die Festsetzung der Mindestbeitrags-Bemessungsgrundlagen für freiwillige Mitglieder in der GKV.

Rechengrößen der Sozialversicherung 2022* in Euro

Jahr

Monat

Versicherungspflicht-Grenze Kranken- und Pflegeversicherung

64.350 (64.350)

5.362,50 (5.362,50)

Beitragsbemessungs-Grenze Kranken- und Pflegeversicherung

58.050 (58.050)

4.837,50 (4.837,50)

Beitragsbemessungs-Grenze allgemeine Rentenversicherung und Arbeitslosen-Versicherung West

84.600 (85.200)

7.050 (7.100)

Beitragsbemessungs-Grenze allgemeine Rentenversicherung und Arbeitslosen-Versicherung Ost

81.000 (80.400)

6.750 (6.700)

Bezugsgröße (West)

39.480 (39.480)**

3.290 (3.290)**

Bezugsgröße (Ost)

37.800 (37.380)

3.150 (3.115)

Zwei Stufen zum Inkrafttreten

Das vorläufige sogenannte Durchschnittsentgelt (durchschnittlicher Brutto-Lohn und -Gehalt eines beschäftigten Arbeitnehmers) in der gesetzlichen Rentenversicherung wird laut BMAS für das Jahr 2022 bundeseinheitlich auf 38.901 Euro festgesetzt.

Die vorgenannten Werte wurden entsprechend der Lohn- und Gehaltsentwicklung in 2020 im Vergleich zu 2019 angepasst. Nach Ministeriumsangaben sanken die Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer ohne Personen in Arbeitsgelegenheiten mit Entschädigung für Mehraufwendungen im Bundesgebiet um 0,15 Prozent und in den alten Bundesländern um 0,34 Prozent.

Der Entwurf der „Verordnung über maßgebende Rechengrößen der Sozialversicherung für 2022 (Sozialversicherungs-Rechengrößenverordnung 2022)“ wird erfahrungsgemäß im Oktober vom Bundeskabinett verabschiedet werden. Anschließend muss noch der Bundesrat zustimmen.

 
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