WERBUNG

Trotz Erblindungsgefahr: Keine Kostenzusage für Augenkranke

6.9.2019 – Eine drohende Erblindung steht wertungsgemäß einer lebensbedrohlichen Erkrankung gleich. Gesetzliche Krankenversicherer sind daher gegebenenfalls dazu verpflichtet, die Kosten für eine Therapie zu übernehmen, deren Nutzen wissenschaftlich noch nicht nachgewiesen ist. Dies erklärte das Sozialgericht Stuttgart in einem Urteil vom 18. Juni 2019 (S 9 KR 1689/18).

WERBUNG

Die Klägerin leidet unter einer Retinitis pigmentosa. Dabei handelt es sich um eine erblich bedingte Netzhauterkrankung, die unbehandelt im Endstadium zur Erblindung führt.

Eine neuartige Behandlungsmethode in Form einer transkornealen Elektrostimulations-Therapie schien die letzte Möglichkeit zu sein, der Frau ein Leben als Blinde zu ersparen beziehungsweise den Zeitpunkt einer Erblindung deutlich hinauszuzögern.

Weigerung des Versicherers

Der gesetzliche Krankenversicherer der Frau war nicht dazu bereit, die Kosten der Therapie zu übernehmen. Das begründete er damit, dass es sich bei einer Retinitis pigmentosa weder um eine akut lebensbedrohliche Erkrankung, noch um eine damit wertungsmäßig vergleichbare Erkrankung handle.

Im Übrigen würde eine positive Bewertung des Gemeinsamen Bundesausschusses zur neuartigen Behandlungsmethode, die die Versicherte als Therapie beantragt hatte, fehlen. Eine Übernahme der Kosten sei folglich auch nicht ausnahmsweise möglich.

Dieser Argumentation schloss sich das Stuttgarter Sozialgericht nicht an. Es verurteilte den Krankenversicherer dazu, der Klägerin die Kosten der Behandlung, die sie inzwischen selbst finanziert hatte, zu erstatten.

Ausreichende Indizien

Ihre Entscheidung begründeten die Richter damit, dass eine drohende Erblindung wertungsgemäß durchaus mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung vergleichbar sei.

Sie legten den Fall zugrunde, dass für die Behandlung einer zur Blindheit führenden Krankheit derzeit keine wissenschaftlich allgemein anerkannte Methode zur Verfügung steht. Hier sei eine Krankenkasse zumindest dann zur Erstattung der Kosten einer Alternativmethode verpflichtet, wenn eine nicht ganz fernliegende Aussicht darauf besteht, dass diese Behandlung positiv auf den Krankheitsverlauf einwirkt.

Davon bei der von der Klägerin gewählten Methode auszugehen. Denn es würde ausreichende Indizien für eine positive Einwirkung geben. Das ergebe sich aus den Anwendungs-Beobachtungen sowie kleineren Studien in Zusammenschau mit dem wissenschaftlichen Erklärungsmodell der Behandlungsmethode.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Gesetzliche Krankenversicherung
 
WERBUNG
WERBUNG
Treffen Sie das VersicherungsJournal ...

... auf der Hauptstadtmesse am 17. September (Stand 69). Wir freuen uns schon auf Ihren Besuch und zahlreiche interessante Gespräche.

Nehmen Sie vor Ort außerdem an unserem Quiz teil und gewinnen mit etwas Glück ein Buch aus dem Verlagsprogramm!

WERBUNG
Chatten Sie schon oder fahren Sie noch?
Bild: Pixabay, CC0

Wie kommen Sie zum Kunden? Und was kostet Sie dieser Kundenkontakt?

Das VersicherungsJournal-Extrablatt (21. Oktober) berichtet rund um die Mobilität. Lassen Sie uns an Ihren Erfahrungen als Vermittler teilhaben. Wie? Mit einer kurzen und anonymen Leser-Umfrage, die sie über diesen Link erreichen.

WERBUNG
Werben im Extrablatt

Mit einer Anzeige im Extrablatt erreichen Sie mehr als 14.000 Menschen im Versicherungsvertrieb, überwiegend ungebundene Vermittler. Über die Konditionen informieren die Mediadaten.

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Welcher Vertriebstyp sind Sie?

Das Spektrum der Persönlichkeitstypen reicht vom Krieger bis zum Verführer.

Was passiert, wenn sie im Kundengespräch aufeinandertreffen?

Weitere Informationen finden Sie hier...

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
16.9.2019 – Die Barmer GEK hat ihren aktuellen Krankenhausreport vorgelegt. Die Auswertung der Krankenkasse zeigt die größten Kostenblöcke auf und analysiert die Zahl und Dauer von Krankenhausfällen. Je nach Erkrankungsbereich unterscheiden sich die Entwicklungen stark. (Bild: Barmer) mehr ...
 
16.9.2019 – Die Auffindbarkeit von Websites, die Präsenz in den sozialen Medien und auf Vergleichsportalen wird für Versicherer immer wichtiger. Einige Unternehmen sind hier schon gut aufgestellt, andere könnten noch zulegen. (Bild: Research Tools) mehr ...
 
11.9.2019 – Mit der Digitalisierung tun sich Kunden, Vermittler und Versicherer schwer. Auf dem PKV-Forum der Continentalen ging es einmal mehr um Chancen und Risiken, aber auch um ein überraschendes Geschäftsmodell. (Bild: Lier) mehr ...
 
11.9.2019 – Der Verband der privaten Krankenversicherer investiert in die Entwicklung neuer Services für das Gesundheitswesen. Die beteiligten Unternehmen stellen dafür einen dreistelligen Millionenbetrag zur Verfügung. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
9.9.2019 – Die Grenzwerte der Sozialversicherung steigen zum Jahreswechsel spürbar. Damit werden auch die Höchstbeiträge in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosen-Versicherung teurer, in der Spitze um fast fünf Prozent. (Bild: Hans, Pixabay, CC0) mehr ...
 
26.8.2019 – Renten aufgrund privat geleisteter Pensionskassen-Beiträge sind bei der Krankenkasse beitragsfrei. Das wurde bereits im Juni 2018 entschieden. Doch zumindest die Versicherten einer Pensionskasse warten bislang vergeblich, dass sie ihr Recht bekommen. (Bild: Truthseeker08, Pixabay License) mehr ...
WERBUNG