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Trotz Corona: BU-Tarife sind nachhaltig kalkuliert

23.2.2021 – Mitten in der Pandemie sind die Folgen einer Covid-19-Erkrankung für den Einzelnen noch nicht klar zu benennen. Die Auswirkungen von „Long-Covid“ werden jedoch in den Medien diskutiert. Dazu gehört auch die Frage, ob eine Infektion und ihre Ausprägung Einfluss auf biometrische Versicherungen haben werden. Deren Kalkulation scheint aber bereits auf eine Pandemie ausgerichtet zu sein, schreibt der Biometrie-Experte Philip Wenzel in seinem Gastbeitrag.

Für den Historiker müssen Ereignisse mindestens eine Generation zurückliegen, um vernünftig bewertet zu werden. Das ist in meinen Augen auch recht angemessen, da kurzfristige Erkenntnisse immer auch auf ungewöhnlichen Häufungen basieren können. Umgekehrt betrachtet bedeutet das bisherige Ausbleiben einer Katastrophe nicht, dass sie nicht kurz bevorsteht.

Philip Wenzel (Bild: Doris Köhler)
Philip Wenzel (Bild: Doris Köhler)

Deswegen gleicht sich die Schadenhäufigkeit im Kollektiv über die Masse und die Zeit auch immer wieder aus. Sofern es ein gut kalkuliertes Kollektiv ist.

Ungeklärte Langzeitfolgen

Auf der anderen Seite ist es aber auch verständlich, dass wir in dieser schnelllebigen Zeit immer wieder mal nach einer Wasserstandsmeldung verlangen. So berichtete kürzlich Der Spiegel über Probleme bei der Beantragung einer Berufsunfähigkeits- (BU-) Versicherung nach einer Corona-Infektion und in Zusammenhang mit den ungeklärten Langzeitfolgen.

Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass meine Einschätzungen zur Auswirkung von Corona auf die BU-Versicherung eher auf Beobachtungen basieren als auf tatsächlich belastbaren Zahlen. Das liegt in erster Linie aber daran, dass es eben noch keine wirklich belastbaren Zahlen gibt.

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Pandemie wohl schon in den Beiträgen beinhaltet

Anders als in der Unfallversicherung, bei der die Impfschäden kürzlich im Fokus standen, gibt es bei der Berufsunfähigkeits-Versicherung keine Diskussion. Das Coronavirus, Covid-19 und Sars-Cov-2 sind einschließlich aller Mutanten mitversichert.

Das liegt schlicht daran, dass ausnahmslos alle Krankheiten versichert sind. Und da Aktuare vorsichtige Menschen sind, scheint es, als ob eine Pandemie schon in den Beiträgen beinhaltet war. Es gibt ja auch keinen Zuschlag für Fußballspieler, obwohl deren Risiko durchaus beträchtlich ist. Tatsächlich ist ein Zuschlag einkalkuliert, der sich aber auf das ganze Kollektiv verteilt. So tut es dem Einzelnen nicht so sehr weh.

Außerdem hat die Versicherungsmathematik eben viel mit Statistiken zu tun. Und da ist es zurzeit so, dass grundsätzlich eher Menschen betroffen sind, die älter als 67 Jahre alt sind. Sie liegen also außerhalb der Versicherungsdauer. Auch gibt es glücklicherweise noch relativ wenige Fälle mit schweren Langzeitfolgen. Zumindest nicht genügend, um für die Kalkulation der BU-Versicherung relevant zu werden.

Mehr Leistungsfälle wegen psychischer Erkrankungen

Es wird eher keine Rolle spielen, dass es wegen des Lockdowns weniger Unfälle gibt, da Unfälle sowieso eher selten zu Leistungsfällen in der BU-Versicherung führen. Allerdings dürfte es im Moment vermehrt Leistungsfälle wegen psychischer Erkrankungen geben. Denn der Lockdown ist für uns alle herausfordernd.

Hier dürfte es zwar auch zum Teil zu Leistungsfällen kommen, die nun früher eintreten, weil die „Veranlagung“ zu einer Erkrankung schon vorher bestand. Aber es gibt auch sicher Leistungsfälle, die einzig und allein auf die besondere Stresssituation zurückzuführen sind.

Ob unsere Kinder in Zukunft eher anfälliger für psychische Erkrankungen sind oder sozusagen „abgehärtet“ aus der Herausforderung hervorgehen, wird sich noch zeigen.

Beiträge wurden nicht nach oben angepasst

Für mich ist ein starkes Indiz dafür, dass die Tarife nachhaltig kalkuliert sind, dass noch kein Versicherer im Bestand oder bei Neuabschlüssen die Beiträge nach oben angepasst hätte. Wie wir ja alle wissen, ist die finanzielle Lage bei Lebensversicherern derzeit eher angespannt und die Biometrie eines der wenigen ertragreichen Geschäftsfelder.

Nun wäre es ein Leichtes, mal die Beiträge anzupassen und es auf Corona zu schieben. Da wäre sicherlich Verständnis vorhanden. Trotzdem hat es noch keiner getan.

In der Annahmepolitik zeichnet sich ab, dass manche Versicherer beginnen, explizit auch nach Corona zu fragen. Am Ende ist eine Infektion aber eben immer anzugeben. Egal, ob es sich um eine Grippe oder Corona handelt. In der Regel steht der Annahme nichts im Weg, wenn die Infektion folgenlos ausgeheilt ist.

Ein Thema in der Grundfähigkeits-Versicherung

Interessant war ein Thema, dass die Grundfähigkeits-Versicherung betrifft. Hier gibt es derzeit zwei Versicherer, die vorletztes Jahr das Riechen und Schmecken als Grundfähigkeit versichert haben. Das Ganze war vor allem für Köche attraktiv. Weil aber recht schnell bekannt wurde, dass mit einer Covid-19-Infektion oft ein Verlust des Geruchssinns einhergeht, hat bisher kein weiterer Versicherer nachgezogen.

Aber auch aus diesem Auslöser gab es bisher keine oder kaum Fälle, da der Prognosezeitraum von sechs Monaten nicht erreicht wurde.

Kunden auch gegen neuartige Krankheiten versichert

Unterm Strich betrachtet zeigt sich, dass der offene Leistungsbegriff in der Berufsunfähigkeits-Versicherung nicht nur dafür sorgt, dass die Kunden auch gegen neuartige Krankheiten versichert sind. Die Kalkulation ist dem Anschein nach schon darauf ausgerichtet, dass eine Pandemie vielleicht auch mal mittelfristig für ein erhöhtes Leistungsaufkommen sorgt.

Dennoch bleibt zu beobachten, ob es unerwartete Langzeitfolgen geben wird. So könnten zum Beispiel vermehrt Leistungsfälle in der BU-Versicherung auftreten, weil Angstzustände, die im Lockdown entstanden sind, nicht aufgearbeitet wurden. Im Falle der Gastronomen würde sich das in einer bleibenden Angst vor der Selbstständigkeit und steigenden psychischen Belastung manifestieren. Aber darüber lässt sich im Moment nur spekulieren.

Philip Wenzel

Der Autor ist Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) und für das Maklerunternehmen Worksurance tätig.

Leserbriefe zum Artikel:

Peter Schramm - Es besteht kalkulatorisch noch kein akuter Handlungsbedarf . mehr ...

Schlagwörter zu diesem Artikel
Aktuar · Berufsunfähigkeit · Biometrisches Risiko · Coronavirus · ePa · Grundfähigkeitsversicherung
 
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