Sturz beim Kaffee-Kauf als Arbeitsunfall?

17.6.2019 – Eine im mobilen Pflegedienst tätige Frau besuchte zwischen zwei Terminen eine Bäckerei. Dort stolperte sie und verletzte sich am Knie. Für die Folgen wollte die Berufsgenossenschaft nicht aufkommen. Daher musste das Thüringer Landessozialgericht entscheiden. (Bild: Pixabay, CC0)

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Die im mobilen Pflegedienst tätige Klägerin hatte zwischen zwei Patiententerminen eine Bäckerei aufgesucht, um einen Kaffee zum Mitnehmen zu kaufen. Den wollte sie nach der Verrichtung des nächsten Termins auf einem Parkplatz zu sich nehmen.

Knieverletzung

Doch konnte die Frau weder den nächsten Termin wahrnehmen noch den Kaffee trinken. Denn unmittelbar vor dem Betreten der Backstube stolperte sie und verletzte sich am Knie.

Als sie wegen der Folgen des Unfalls Leistungen der Berufsgenossenschaft in Anspruch nehmen wollte, erhielt sie eine Abfuhr. Denn obwohl sie sich die Verletzung auf einem Betriebsweg zugezogen hatte, wollte der gesetzliche Unfallversicherer das Malheur nicht als Arbeitsunfall anerkennen.

Zu Recht, urteilte das Thüringer Landessozialgericht. Es hielt, ebenso wie bereits die Vorinstanz, die Klage der Versicherten für unbegründet.

Die Richter schlossen sich der Meinung der Versicherung an, dass die konkrete Verrichtung der Kaffeeliebhaberin zum Zeitpunkt ihres Unfalls nicht in einem sachlichen Zusammenhang mit ihrer versicherten Tätigkeit als Pflegekraft gestanden hat.

Fehlender sachlicher Zusammenhang

Das Gericht stellte zwar nicht in Abrede, dass das Zurücklegen des Weges von einem Klienten zum nächsten grundsätzlich als versicherter Betriebsweg anzusehen war.

Die Absicht, in dem Bäckerladen einzukaufen, habe diesen Weg jedoch nicht nur geringfügig unterbrochen. Sie sei vielmehr als höchstpersönliche Verrichtung und somit als eine eigenwirtschaftliche Handlung anzusehen, die nicht versichert sei.

Anhaltspunkte dafür, dass der beabsichtigte Erwerb eines Getränks zum Mitnehmen zu einer spezifischen und damit versicherten Gefahr der Berufsausübung der Frau gehörte, erkannte das Gericht ebenfalls nicht. Die Klage der Pflegekraft wurde daher als unbegründet zurückgewiesen.

Die Richter sahen keine Veranlassung, eine Revision gegen ihre Entscheidung zuzulassen. Das Urteil kann von der Verletzten daher allenfalls mit einer sogenannten Nichtzulassungs-Beschwerde angefochten werden.

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Cover Dossier (Bild: VersicherungsJournal)

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Schlagwörter zu diesem Artikel
Beschwerde · Gesetzliche Unfallversicherung · Gesundheitsreform
 
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