So hoch ist der Eigenanteil in der stationären Pflege

4.6.2018 – Im Bundesdurchschnitt muss ein Pflegebedürftiger für die Pflege in einem stationären Pflegeheim rund 1.750 Euro monatlich aus der eigenen Tasche zahlen, wenn er neben der sozialen Pflegeversicherung keine weitere Pflegezusatz-Absicherung hat. Je nach Region kann dieser Eigenanteil noch deutlich höher sein. Zu diesen Ergebnissen kommt der PKV-Verband auf Basis einer Analyse von rund 11.400 Pflegeheimen in Deutschland.

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Pflegebedürftige, die stationär in einem Pflegeheim untergebracht sind, erhalten von der sozialen Pflegeversicherung bei Pflegegrad 2 770 Euro, bei Pflegegrad 3 1.262 Euro, bei Pflegegrad 4 1.775 Euro und bei Pflegegrad 5 2.005 Euro pro Monat (VersicherungsJournal 23.12.2016).

Wie viel ein Pflegebedürftiger noch zuzahlen müsste, wenn er die stationäre Pflege in Anspruch nimmt, hat kürzlich der Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband) untersucht. Dazu wurden die Daten von etwa 11.400 vollstationären Pflegeeinrichtungen in Deutschland (Stand 1. Januar 2018) – was laut PKV-Verband einer „nahezu vollständigen Abdeckung entspricht“ – analysiert.

Die PKV-Pflegedatenbank enthält die Vergütungs-Vereinbarungen zwischen Pflegekassen und Heimen. Ein Ergebnis der Analyse ist, dass ein Pflegebedürftiger – unabhängig, ob er in Pflegestufe 2 oder 5 eingestuft wurde –, bei einer stationären Pflege im Bundesdurchschnitt mit einer Eigenbeteiligung von 1.751 Euro monatlich rechnen muss.

Regionale Unterschiede

Je nach Region und Pflegeheim kann der Eigenanteil, den der Pflegebedürftige monatlich im Durchschnitt aus der eigenen Tasche zahlen muss, um einiges höher sein. So beträgt der Eigenanteil, den Pflegebedürftige in Pflegeheimen zahlen, in Nordrhein-Westfalen 2.263 Euro, im Saarland 2.111 Euro, in Baden-Württemberg 2.030 Euro, in Hamburg 1.924 Euro, in Rheinland-Pfalz 1.880 Euro, in Berlin 1.805 Euro und in Bayern 1.757 Euro.

Es gibt auch Bundesländer, die mit den monatlichen durchschnittlichen Eigenkosten für ein stationäres Pflegeheim unter dem Bundesdurchschnitt liegen. So beträgt der Eigenanteil eines stationär untergebrachten Pflegebedürftigen in Hessen 1.716 Euro, in Bremen 1.680 Euro, in Schleswig-Holstein 1.472 Euro, in Niedersachsen 1.423, in Brandenburg 1.420 Euro und in Thüringen 1.279 Euro.

Am niedrigsten ist die durchschnittliche Eigenbeteiligung pro Monat in Sachsen mit 1.170 Euro, in Mecklenburg-Vorpommern mit 1.162 Euro und in Sachsen-Anhalt mit 1.132 Euro.

Ähnliche Zahlen weist auch der Pflegereport 2017 der Barmer GEK aus, der Zahlen aus Mai 2017 analysiert hat. Hier ergab sich für den Pflegebedürftigen ein monatlicher Eigenanteil von im Bundesdurchschnitt 1.691 Euro. Den höchsten Anteil mussten hier Bewohner von Pflegeheimen in Nordrhein-Westfalen zahlen (2.252 Euro), den niedrigsten in Sachsen-Anhalt (1.107 Euro).

Wie sich der Eigenanteil bei der stationären Pflege berechnet

Grund dafür, dass der Eigenanteil für die stationäre Pflege in der Pflegestufe zwei bis fünf gleich bleibt, ist das zweite Pflegestärkungsgesetz. Mit der Pflegereform wurden nicht nur die Einstufung von drei Pflegestufen in nun fünf Pflegegrade sowie die entsprechenden Leistungen der sozialen Pflegeversicherung geändert, sondern auch die Berechnung des Eigenanteils.

„Seit dem 1. Januar 2017 gilt in jeder vollstationären Pflegeeinrichtung nun ein Einrichtungs-einheitlicher Eigenanteil für die Pflegegrade 2 bis 5. Das heißt, Betroffene im Pflegegrad 5 zahlen für die Pflege genauso viel zu wie Betroffene im Pflegegrad 2. Der Eigenanteil unterscheidet sich nur noch von Einrichtung zu Einrichtung“, wie im Webportal des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) zu lesen ist.

Lücken (Bild: PKV-Verband)
Zum Vergrößern Bild klicken (Bild: PKV-Verband)

Der Eigenanteil des Pflegebedürftigen setzt sich laut PKV-Verband aktuell „aus dem einrichtungs-einheitlichen Eigenanteil (EEE) für die pflegebedingten Kosten der Pflegerade 2 bis 5, den Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie den Investitionskosten“ zusammen.

Zu den Investitionskosten zählen die Kosten, die der Heimbetreiber für die Gebäudemiete oder -finanzierung hat, Instandhaltungskosten oder ähnliche Ausgaben, welche er auf die Heimbewohner umlegen darf.

Die Gründe für die regionalen Unterschiede

„Die Einrichtungen finanzieren also die rein pflegebedingten Aufwendungen mit den Zuschüssen der Pflegeversicherung und dem EEE. Diese Aufwendungen setzen sich zu 80 Prozent aus Personal- und zu 20 Prozent aus Sachkosten zusammen. Je höher also der Pflegegrad der Heimbewohner ist, desto höher ist der Zuschuss der Pflegeversicherung“, so der PKV-Verband.

„Welche Einnahmen eine Pflegeeinrichtung insgesamt aus den Zuschüssen der Versicherung erzielt, ist somit von der individuellen Zusammensetzung der Pflegegrade in der jeweiligen Einrichtung abhängig“, heißt es weiter.

Kostenfaktor Personalschlüssel

Nach der Zusammensetzung der Pflegegrade richtet sich auch die personelle Ausstattung eines Pflegeheims. Dieser Personalschlüssel wird je Bundesland in einem Rahmenvertrag auf Basis des elften Sozialgesetzbuches festgelegt und kann von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sein.

„So ist zum Beispiel in Berlin eine Vollkraft für durchschnittlich 3,9 Pflegebedürftige in Pflegegrad 2 zuständig, in Schleswig-Holstein aber für 5,4“, wie der PKV-Verband verdeutlicht. Hinzu kommen noch die zum Teil regional unterschiedlichen Personalkosten.

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Gesundheitsreform · Private Krankenversicherung
 
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