Renten- und Krankenversicherung werden für Gutverdiener teurer

5.12.2018 – Die Sozialversicherungs-Rechengrößenverordnung 2019 wurde jetzt im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Die Beitragsbemessungs-Grenzen in der Renten- sowie in der Kranken- und Pflegeversicherung werden weiter erhöht. Gleiches gilt auch für die Versicherungspflicht-Grenze in der Krankenversicherung. Der Höchstbeitrag in der allgemeinen Rentenversicherung steigt für Arbeitnehmer wie auch für Arbeitgeber um rund 15 (etwa 32,50) Euro auf je 623,10 (571,95) Euro im Westen (Osten). In der Krankenversicherung nimmt der hälftige Höchstbetrag bundeseinheitlich um 8,21 Euro auf 331,24 Euro zu.

Für das nächste Jahr steigen die für das Versicherungs-, Beitrags- und Leistungsrecht in der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung bedeutenden Rechengrößen ein weiteres Mal an.

Dies ist der „Verordnung über maßgebende Rechengrößen der Sozialversicherung für 2018 (Sozialversicherungs-Rechengrößenverordnung 2018) zu entnehmen. Diese wurde am 4. Dezember im Bundesgesetzblatt (PDF-Datei, 24 KB) veröffentlicht.

Im September hatte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) einen Referentenentwurf der Verordnung veröffentlicht (VersicherungsJournal 10.9.2018). Rund einen Monat später hatte dann das Bundeskabinett die Verordnung in der Form des Entwurfs verabschiedet (VersicherungsJournal 11.10.2018). Ende November hatte dann auch der Bundesrat der Verordnung zugestimmt.

BBMG in der Rentenversicherung steigt erneut

Für 2019 werden die Werte entsprechend der Lohn- und Gehaltsentwicklung in 2017 im Vergleich zu 2016 angepasst. Nach Angaben des BMAS betrugen die Steigerungsraten 2,46 Prozent in den alten und 2,83 Prozent in den neuen Bundesländern. Im Jahr zuvor waren es 2,30 und 3,11 Prozent (VersicherungsJournal 11.9.2017).

Dementsprechend erhöht sich die Beitragsbemessungs-Grenze (BBMG) in der allgemeinen gesetzlichen Rentenversicherung bezogen auf das monatliche Bruttoeinkommen 2019 im Westen um 200 Euro auf 6.700 Euro. Im Osten geht es um 250 Euro auf 6.150 Euro aufwärts.

Damit müssen im kommenden Jahr bis zu einem Jahreseinkommen von 80.400 Euro (West) beziehungsweise 73.800 Euro (Ost) Beiträge zur Rentenversicherung geleistet werden. Über diesen Grenzbetrag hinausgehende Einkünfte sind beitragsfrei.

Für die Arbeitslosen-Versicherung gelten die gleichen Grenzen wie für die Rentenversicherung.

Höhere Grenzwerte auch in der Krankenversicherung

Die bundesweite Versicherungspflicht-Grenze in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wird um 1.350 Euro beziehungsweise 2,3 Prozent auf 60.750 Euro angehoben. Dies erschwert die Möglichkeit, in die private Krankenversicherung (PKV) zu wechseln. Dies ist im kommenden Jahr erst ab einem monatlichen Bruttoeinkommen von mehr als 5.062,50 (aktuell: 4.950) Euro möglich.

Zum 1. Januar 2019 wird die ebenfalls bundeseinheitlich geltende BBMG in der GKV der Verordnung zufolge um 112,50 Euro auf 4.537,50 Euro pro Monat angehoben. Pro Jahr liegt die Grenze bei 54.450 (53.100) Euro.

Rechengrößen der Sozialversicherung 2019*

Jahr

Monat

Versicherungspflicht-Grenze Kranken- und Pflegeversicherung

60.750 (59.400)

5.062,50 (4.950)

Beitragsbemessungs-Grenze Kranken- und Pflegeversicherung

54.450 (53.100)

4.537,50 (4.425)

Beitragsbemessungs-Grenze allgemeine Rentenversicherung und Arbeitslosen-Versicherung West

80.400 (78.000)

6.700 (6.500)

Beitragsbemessungs-Grenze allgemeine Rentenversicherung und Arbeitslosen-Versicherung Ost

73.800 (69.600)

6.150 (5.800)

Bei der Rente wird es für Gutverdiener teurer

Im kommenden Jahr erhöhen sich die Monatsbeiträge für gut verdienenden Arbeitnehmer, deren Einkommen auch 2019 oberhalb der (erhöhten) Beitragsbemessungs-Grenze liegt. In den alten Ländern steigt der Höchstbeitrag um über 30 Euro auf 1.246,20 Euro.

Um über 65 Euro auf 1.143,90 Euro klettert der Höchstbeitrag in den neuen Ländern. Da Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu gleichen Teilen belastet werden, müssen beide Parteien im Westen (Osten) im Extremfall etwa 15 (32,50) Euro mehr abführen.

In der Arbeitslosen-Versicherung verringert sich der Höchstbeitrag trotz der höheren Bemessungsgrenze wegen der Absenkung des Beitragssatzes (VersicherungsJournal 30.8.2018). In den alten Ländern beträgt das Minus maximal 27,50 (Arbeitnehmeranteil: 13,75) Euro. In den neuen Bundesländern liegt die monatliche Ersparnis bestenfalls bei 20,25 (10,13) Euro.

Auch GKV wird für Gutverdiener teurer

In der Krankenversicherung erhöht sich der hälftige monatliche Höchstbeitrag zur GKV mit Anspruch auf Krankengeld ohne Zusatzbeitrag um 8,21 Euro auf 331,24 Euro.

Je nach Höhe des kassenindividuellen Zusatzbeitrags, der ab dem kommenden Jahr hälftig von den Arbeitgebern bezuschusst werden soll (VersicherungsJournal 4.6.2018), kann sich darüber hinaus eine Entlastung von bis zu 39 Euro ergeben.

In der Pflegeversicherung steigt der Höchstbeitrag durch die höhere BBMG und den um 0,5 Prozentpunkte erhöhten Beitragssatz (VersicherungsJournal 27.11.2018) im Monat um 11,06 Euro für Eltern und um 14,49 Euro für Kinderlose. Davon übernimmt bei Angestellten der Arbeitgeber die Hälfte.

Monatliche Höchstbeiträge der Sozialversicherung 2019*

Gesamt

Arbeitnehmer-Anteil

Krankenversicherung **

662,48 (646,05)

331,24 (323,03)

Pflegeversicherung ***

123,90/138,39 (112,84/123,90)

61,95/69,20 (56,42/61,95)

Allg. Rentenversicherung – West

1.246,20 (1.209,00)

623,10 (607,75)

Allg. Rentenversicherung – Ost

1.143,90 (1.078,80)

571,95 (539,40)

Arbeitslosen-Versicherung – West

167,50 (195,00)

83,75 (97,50)

Arbeitslosen-Versicherung – Ost

153,75 (174,00)

76,88 (87,00)

Je nach Krankenkasse, Region und Kinderzahl ergeben sich für Arbeitnehmer insgesamt entweder Ersparnisse bis 11,63 Euro netto oder Mehrbelastungen bis 84,18 Euro pro Monat.

Vorläufiges Durchschnittsentgelt steigt auf fast 39.000 Euro

Das vorläufige sogenannte Durchschnittsentgelt (durchschnittlicher Brutto-Lohn eines beschäftigten Arbeitnehmers) in der gesetzlichen Rentenversicherung wird für das Jahr 2019 in der Verordnung bundeseinheitlich auf 38.901 (2017: 37.077) Euro festgesetzt.

Unter anderem ist das Durchschnittsentgelt laut BMAS „dafür relevant, welcher Jahresverdienst erzielt werden muss, um einen Entgeltpunkt in der Rentenversicherung zu erhalten. Dieser Entgeltpunkt spielt bei der späteren Berechnung der Höhe einer Rente eine wesentliche Rolle.“

Bezugsgröße erhöht sich ebenfalls

Auch die Bezugsgröße in der Sozialversicherung steigt – und zwar im Westen auf monatlich 3.115 (aktuell: 3.045) Euro. In den neuen Ländern erhöht sich dieser Wert auf 2.870 (2.695) Euro, wie der Verordnung zu entnehmen ist.

Nach Ministeriumsangaben bildet die Bezugsgröße eine wichtige Grundlage in der Sozialversicherung, etwa für die Beitragsberechnung von versicherungs-pflichtigen Selbstständigen in der Rentenversicherung oder für die Festsetzung der Mindestbeitrags-Bemessungsgrundlagen für freiwillige Mitglieder in der GKV.

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