Reha-Management: Ärger mit Haftpflichtversicherern

25.4.2018 – Versicherer und Anwälte wollen das sogenannte Reha-Management verbessern. Damit sollen Schwerverletzte schneller speziell behandelt werden, um ihnen eine Rückkehr ins Berufsleben zu verschaffen. Auf einer Fachtagung am Dienstag diskutierten die Experten über noch vorhandene Hindernisse in der Zusammenarbeit zwischen Reha-Dienstleistern, Versicherern und Juristen.

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Ein erfolgreiches Reha-Management ist eine Win-Win-Situation für die Geschädigten und die Versicherer. Es hilft, Kosten zu sparen, und den Opfern in den Beruf zurück. Rehabilitations-Maßnahmen werden aber anwaltlich begleitet, damit die Unfallopfer trotzdem, oder wenn die berufliche Resozialisierung scheitert, geregelt zu einem Schadenersatz kommen.

Verschärfung des Regelwerks

Christian Janeczek (Bild: Janeczek )
Christian Janeczek (Bild: Janeczek)

Dafür gibt es bereits seit 16 Jahren ein Regelwerk, das die Arbeitsgemeinschaft Versicherungsrecht des DAV (Deutscher Anwaltverein) e.V. entwickelt hat. Ihm müssen sich Reha-Dienstleister, die in der Regel von Kfz-Haftpflichtversicherern beauftragt und bezahlt werden, unterwerfen, wenn sie vom DAV anerkannt werden wollen.

Die DAV-Verkehrsjuristen haben das Regelwerk nun verschärft. Den neuen „Code of Conduct des Reha-Managements“ stellte der DAV-Anwalt Christian Janeczek am Dienstag in Köln auf der Fachtagung „Aktives Personenschaden-Management 2018“ des Management Centers of Competence (MCC) vor. „Jeder Reha-Dienst muss künftig einen Beirat haben“, so Janeczek.

Der Beirat soll regelmäßig prüfen, ob die Dienstleister gegen den Code of Conduct (Verhaltenskodex) verstoßen. Solche Verstöße können zu einem Verlust der Anerkennung führen. Damit wollen die Anwälte die Qualität des Reha-Managements und die Position der anerkannten Dienste verbessern. Derzeit sind zwölf Reha-Dienste von der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht anerkannt.

Verärgerung über einige Versicherer

Die Verkehrsanwälte, zeigte die Tagung, sind aktuell über einige der beauftragenden Kfz-Versicherer verärgert. Problematisch sei etwa, dass es oft viel zu lange dauere, bis ein Versicherer davon überzeugt ist, dass im jeweiligen Fall ein Reha-Management sinnvoll ist. „Zudem sind einige Versicherer immer noch der Meinung, dass auch mit nicht anerkannten Reha-Dienstleistern gearbeitet werden kann“, kritisiert Janeczek.

„Dann besteht immer die Gefahr, dass die Interessen des Geschädigten erheblich eingeschränkt werden“, warnt der Anwalt. Andere Assekuranzen würden zwar mit anerkannten Diensten arbeiten, in Einzelfragen sich aber die Option offenhalten, auch nicht anerkannte Unternehmen zu involvieren. Der DAV rät Anwälten, ein Reha-Management abzulehnen, wenn nicht zu hundert Prozent anerkannte Dienstleister eingeschaltet werden.

Kritik am GDV

In diesem Zusammenhang kritisierte Janeczek massiv den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV). Bisher habe sich der Versichererverband nicht dazu durchringen können, seinen Mitgliedern zu empfehlen, nur mit anerkannten Dienstleistern zusammenzuarbeiten.

Der GDV bestätigt das. Eine solche Empfehlung sei „nicht Sache des Verbandes“. „Versicherungs-Unternehmen entscheiden frei, nach welchen Kriterien und mit wem sie ihre Dienstleistungsverträge abschließen“, stellte eine GDV-Sprecherin fest.

Gleichzeitig betont der GDV aber, dass er das Reha-Management und die notwendige Kooperation aller Beteiligten – vom Schwerverletzten selbst über seine pflegenden Angehörigen, Anwälte, Versicherer bis zu den beteiligten Fachleuten – weiter ausbauen möchte. Dazu stellte Dr. Klaus Weber von der Generali Deutschland Schadenmanagement GmbH auf der Tagung das GDV-Projekt „Unfallkliniken“ vor.

Einbindung des Traumanetzwerks

Forschungsergebnisse hätten bestätigt, dass bei allgemein sehr positiven Rehabilitations-Ergebnissen dennoch Defizite nach einem Polytrauma und anschließender Frührehabilitation verbleiben. Diese Defizite sind vor allem körperlicher Natur und an der unteren Extremität lokalisiert. Daher sollen künftig die 649 Unfallkliniken des sognannten Traumanetzwerks der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) in das moderne Reha-Management der Versicherer eingebunden werden.

Damit will man Unfallopfer, die für ein Reha-Management geeignet sind, schneller identifizieren. Laut Weber muss ein „Reha-Loch“ vermieden werden. Geplant ist eine zentrale Telefonhotline, über die die Reha-Ansprechpartner der Kfz-Haftpflichtversicherer direkt erreicht werden können. Zudem sollen die Unfallkliniken Patienten, Angehörige und Rechtsanwälte direkt auf die Möglichkeit des Reha-Managements hinweisen.

Unwissende Anwälte als Bremser

Unwissenheit auch in der Anwaltschaft ist immer noch eines der größten Hindernisse bei einem erfolgreichen Reha-Management, wie DAV-Jurist Janeczek zugibt. „Uns berichten immer wieder Reha-Dienste, dass Anwälte ein von den Kfz-Versicherern finanziertes Management aus Unwissenheit ablehnen“, so der Anwalt.

Dabei wird ein nach dem Code of Conduct durchgeführtes Reha-Management nicht vom Haftpflichtversicherer selbst durchgeführt, sondern liegt in der Hand eines anerkannten Rehabilitationsdienstes. Der Reha-Dienst muss personell und organisatorisch vom Haftpflichtversicherer unabhängig, weisungsfrei und neutral sein.

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Berufsverband · Haftpflichtversicherung · Schadenersatz
 
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