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Profihandball: Meniskusschaden als Berufskrankheit anerkannt

20.4.2021 – Für die Anerkennung eines Meniskusschadens von Profisportlern durch die gesetzliche Unfallversicherung bedarf es weder einer bestimmten in Stunden berechneten Mindesteinwirkungsdauer, noch einer prozentualen Mindestbelastung. Das hat das Landessozialgericht Baden-Württemberg mit einem gestern veröffentlichten Urteil vom 19. März 2021 entschieden (L 8 U 1828/19).

Der im Jahr 1980 geborene Kläger spielt seit seinem elften Lebensjahr Handball und zwar zunächst als Jugendspieler und seit Juni 2001 als Profi in der Handballbundesliga. Bis zu seinem Karriereende Mitte 2015 kamen so wöchentlich rund 20 Trainings- und Spielstunden zusammen.

Bei einer im Juli 2004 durchgeführten Kernspinntomographie wurde erstmals eine Schädigung seines Innenminiskus im rechten Knie diagnostiziert. Sein schließlich im September 2016 gestellter Antrag, den Meniskusschaden als Berufskrankheit anzuerkennen, wurde jedoch von seiner Berufsgenossenschaft abgelehnt.

Mindesteinwirkungsdauer durch sportliche Tätigkeit nicht ausreichend?

Das begründete der gesetzliche Unfallversicherer damit, dass der Kläger keine Mindesteinwirkungsdauer durch seine sportliche Tätigkeit auf den Meniskus von 3.200 Stunden habe nachweisen können. Das sei aber bei Personen wie dem Versicherten, der mit 20 Wochenstunden eine Teilzeittätigkeit ausgeübt habe, erforderlich.

Für die Beurteilung erheblich seien versicherte Zeiten bis zur ersten gesicherten Diagnose des Meniskusschadens, hier also der Zeitraum Juni 2001 bis zum Auftreten der ersten degenerativen Veränderungen im Bereich des rechten Kniegelenks im Juli 2004. In diesem Zeitraum habe der Kläger aber lediglich versicherte Trainings- und Wettkampfzeiten im Umfang von 1.776 Stunden absolviert.

Überdurchschnittliche Belastung beim Handballsport

Mit seiner daraufhin gegen die Berufsgenossenschaft beim Sozialgericht Reutlingen eingereichten Klage hatte der Profihandballer keinen Erfolg. Er legte daher Berufung beim Landessozialgericht Baden-Württemberg ein. Das hielt seine Klage für ausreichend begründet und gab dem Rechtsmittel statt.

Nach Ansicht des Berufungsgerichts ist es unstreitig, dass beim Handballsport die Kniegelenke durch schnelle Richtungsänderungen bei hohem Tempo, häufig auch mit unkontrolliertem Aufkommen auf dem Hallenboden bei Sprungwürfen, überdurchschnittlich belastet werden. Der Kläger sei zum Zeitpunkt der erstmalig nachgewiesenen Schädigung seines Innenmeniskus am rechten Knie bereits drei Jahre überdurchschnittlich meniskusbelastend als Profihandballer tätig gewesen.

Meniskusschaden als Berufskrankheit anzuerkennen

Die Forderung der Berufsgenossenschaft nach einem Nachweis einer Mindestbelastungsdauer von 3.200 Stunden entbehre daher sowohl einer gesetzlichen als auch einer wissenschaftlichen Grundlage. Zu berücksichtigen sei nämlich, dass professionell betriebener Handballsport durch die Intensität der Trainings- und Spielbelastung auf Profiniveau zu deutlich höheren Belastungsspitzen führe als eine Vielzahl anderer Knie-belastender beruflicher Tätigkeiten.

Die Belastungsdauer dürfe folglich nicht mit einer Vollzeitbeschäftigung in anderen Berufen in Relation gesetzt werden. Die Berufsgenossenschaft müsse den Meniskusschaden des Klägers daher als Berufskrankheit anerkennen.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Dienstunfall · Gesetzliche Unfallversicherung
 
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