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Posttraumatische Belastungsstörung – eine Berufskrankheit?

11.10.2019 – Mangels wissenschaftlicher Erkenntnisse, dass Ersthelfer mit traumatischen Erlebnissen an einer posttraumatischen Belastungsstörung erkranken können, haben sie keinen Anspruch darauf, dass eine derartige Störung als Berufskrankheit anerkannt wird. Das geht aus einem gestern veröffentlichten Urteil des Hessischen Landessozialgerichts vom 13. August 2019 hervor (L 3 U 145/14).

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Der im Jahr 1960 geborene Kläger war während seines gesamten Berufslebens als Straßenwärter tätig. Zu seinen Aufgaben gehörte es unter anderem, Verkehrsunfälle aufzunehmen. Dazu musste er an den Unfallorten verbleiben, bis die Notärzte, die Feuerwehr und die Polizei ihre Arbeit beendet hatten.

Der Mann hatte eine schwere psychische Erkrankung in Form einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) erlitten. Seit dem Jahr 2013 bezog er deswegen eine Rente der gesetzlichen Rentenversicherung.

Schwere psychische Erkrankung

Mit der Behauptung, durch die vielen Unfälle mit Verletzten und Toten traumatisiert worden zu sein, beantragte der Kläger bei der Berufsgenossenschaft, seine Erkrankung als Berufskrankheit anzuerkennen.

Die lehnte den Antrag mit der Begründung ab, dass die Krankheit nicht in der Rechtsverordnung der Berufskrankheiten aufgeführt sei. Der ehemalige Straßenwärter zog daher vor Gericht. Dort erlitt er eine Niederlage.

Das Hessische Landessozialgericht stellte zwar nicht in Abrede, dass Berufskrankheiten ebenso wie Arbeitsunfälle zur Leistungsverpflichtung der gesetzlichen Unfallversicherung gehörten. Die posttraumatische Belastungsstörung des Klägers könne jedoch weder als Berufskrankheit, noch als sogenannte „Wie-Berufskrankheit“ im Sinne von § 9 Absatz 1 und 2 SGB VII anerkannt werden.

Fehlende wissenschaftliche Erkenntnisse

Straßenanwärter würden als Ersthelfer zwar besonders mit traumatischen Ereignissen wie tatsächlichem oder drohendem Tod sowie schweren Verletzungen anderer Personen konfrontiert. „Für die Anerkennung einer PTBS durch das wiederholte Erleben dieser traumatischen Ereignisse fehlt es jedoch an einem nachgewiesenen generellen Ursachenzusammenhang zwischen dieser Erkrankung und den besonderen beruflichen Einwirkungen“, so das Gericht.

Denn nach dem aktuellen wissenschaftliche Kenntnisstand lägen keine gesicherten Belege dafür vor, dass allein das wiederholte Erleben von traumatischen Ereignissen anderer Personen generell dazu geeignet sei, eine Erkrankung wie die des Klägers auszulösen.

Die Klage wurde daher als unbegründet zurückgewiesen. Die Richter sahen auch keine Veranlassung, eine Revision gegen ihre Entscheidung zuzulassen.

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Schlagwörter zu diesem Artikel
Dienstunfall · Gesetzliche Unfallversicherung · Gesundheitsreform · Rente
 
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