PKV-Verband: soziale Pflegeversicherung in der Finanzklemme

14.5.2019 – Der Beitragssatz der soziale Pflegeversicherung (SPV) könnte nach Einschätzung des PKV-Verbands bis zum Jahr 2040 auf 4,1 bis 7,9 Prozent steigen. Um untragbare Beiträge zu verhindern, müsse das Umlageverfahren durch mehr Kapitaldeckung ergänzt werden.

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Das Wissenschaftlich Institut der PKV (WIP) hat am Montag in Berlin die Studien „Szenarien zur zukünftigen Finanzentwicklung der sozialen Pflegeversicherung“ (PDF – 879 KB) und „Die versteckte Verschuldung der sozialen Pflegeversicherung“ präsentiert.

Beiträge könnten auf 7,9 Prozent steigen

Christine Arentz (Bild: Brüss)
Christine Arentz (Bild: Brüss)

Projektleiterin Dr. Christine Arentz erläuterte die maßgeblich von ihr erarbeiteten Studien.

Der Beitragssatz zur sozialen Pflegeversicherung (SPV) beträgt derzeit 3,05 (3,3 Kinderlose) Prozent.

Allein die demografische Entwicklung werde bis 2040 zu Beitragserhöhungen bis auf 4,1 Prozent führen. Die Baby-Boomer-Jahrgänge, die jetzt noch das System stützten, stünden schon bald vor der Pflege-Tür.

In weiteren Szenarien rechnet Arentz vor, wie sich Ausgabesteigerungen zusätzlich auswirken könnten. Im Ergebnis wäre ein Beitragsanstieg auf bis zu 7,9 Prozent im Jahr 2040 zu erwarten. Diese Größenordnung erscheine allerdings nicht mehr tragbar.

Nach dem „Horror“-Szenario beträgt die versteckte Schuld in der SPV nach den Berechnungen des WIP etwa 435 Milliarden Euro.

„Bei diesem Betrag handelt es sich um die zukünftigen Leistungsversprechen, die durch heutige Beitragszahlungen nicht gedeckt sind“, erläuterte Arentz.

Ein 1989 Geborener heute 30-jähriger mit durchschnittlichen beitragspflichtigen Einkommen müsse über die gesamte Lebenszeit real mehr als 38.000 Euro in die SPV einzahlen. Dies seien 50 Prozent mehr als bei einem 1966 Geborenen.

Beitragsprognose SPV (Bild: WIP)

Versicherung am Scheideweg

Die gesetzliche Absicherung steht nach Einschätzung des Verbandes der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband) an einem finanziellen Scheideweg, wenn die Menschen nicht durch die zu erwartenden starken Beitragsanhebungen überfordert werden sollen.

Sinnvoll wäre es nach Einschätzung von PKV-Verbands-Geschäftsführer Dr. Timm Genett, die SPV über kapitalgedeckte Zusatzversicherungen zu ergänzen.

Alternativ dürfte die Politik vor Leistungskürzungen zurückschrecken, die beim Wähler wohl ganz schlecht ankommen dürften. Auch der Griff in den Staatshaushalt dürfte sich als Bumerang erweisen, sind sich PKV-Verband und WIP sicher.

Der für die politischen Kontakte des Verbandes verantwortliche Genett sagte, mögliche weitere Reformen in der Pflegeversicherung müssten auf ihre Nachhaltigkeit (finanzielle Tragfähigkeit), Generationen-Gerechtigkeit und Verteilungs-Gerechtigkeit hin überprüft werden.

WIP: mehr Kapitaldeckung statt Umlage

Um die nachfolgenden Generationen nicht noch weiter zu belasten, sollten zusätzlich Leistungen nicht im Umlageverfahren der SPV auferlegt, sondern durch kapitalgedeckte Vorsorge abgesichert werden, führte Arentz aus.

SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke haben da ganz andere Vorstellungen. Sie setzen auf die Pflege-Bürgerversicherung und schielen dabei auf die Alterungsrückstellungen von 34,5 Milliarden Euro in der privaten Pflege-Pflichtversicherung. Verfassungsrechtliche Bedenken haben die drei Parteien nicht.

 
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