Neuer Prognosezeitraum und BU-Option im Grundfähigkeits-Tarif

14.10.2019 – Die überarbeitete Grundfähigkeits-Versicherung des Volkswohl Bunds weist einige Änderungen bei den Leistungsauslösern aus. Neu ist etwa der Auslöser „Fingerfertigkeit“. Die Leistung bei Führerscheinverlust wurde eingeschränkt, insgesamt gibt es aber Verbesserungen, meint der Biometrie-Experte Philip Wenzel. Hervorzuheben seien der verkürzte Prognosezeitraum, eine Infektionsklausel und eine BU-Umtauschoption.

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Es ist sicherlich nicht zu abwegig, zu behaupten, dass die Volkswohl Bund Lebensversicherung a.G. (VWB) mit dem „Existenz“-Schutz die Grundfähigkeits- (GF-) Versicherung in Deutschland überhaupt erst salonfähig gemacht hat. Dabei gehörte die GF-Versicherung des VWB sicher nicht zu den Top-Produkten am Markt (VersicherungsJournal 10.2.2014). Aber der Versicherer verstand es, dem Vermittler über verständliche Verkaufshilfen die Angst vor der Haftung zu nehmen.

Philip Wenzel (Bild: Doris Köhler)
Philip Wenzel (Bild: Doris Köhler)

Mit der ersten großen Überarbeitung des Tarifes will der Volkswohl Bund nun auch bedingungsseitig zur Spitzengruppe aufschließen.

Prognosezeitraum von sechs Monaten

Der erste und auch wichtigste Schritt dazu ist auch schon auf den ersten Blick zu sehen. Der Tarif leistet bereits bei einem vorübergehenden Verlust einer Grundfähigkeit von sechs Monaten. Das ist dann hiermit auch als Marktstandard anzusehen, da jetzt mehr als die Hälfte der GF-Anbieter nicht erst bei zwölf Monaten Verlust einer Grundfähigkeit leistet.

Es ist zwar grundsätzlich davon auszugehen, dass viele Erkrankungen, die zum Verlust einer Grundfähigkeit führen, eher dauerhaft sind, aber es lassen sich auch Beispiele für die sechs Monate finden. Ein Herzinfarkt, Schlaganfall, eine Krebserkrankung oder gegebenenfalls auch der Oberschenkelhalsbruch könnten zum Verlust einer Grundfähigkeit führen, der zwischen sechs und zwölf Monaten andauert.

Die Verkürzung des Prognosezeitraums ist also im Kundensinne zu begrüßen.

Änderungen bei Leistungsauslösern

Beim Hörsinn geht der Volkswohl Bund über den Marktstandard von 80 Prozent Hörverlust hinaus und verlangt nur 75 Prozent. Wie sehr sich dadurch die Leistung verbessert, vermag ein Ohrenarzt besser einzuschätzen.

Außerdem leistet der Tarif beim Auslöser „Gebrauch der Hände“ nun nicht mehr, wenn der Versicherte laut Definition einen Wasserhahn auf- und zudrehen kann. Geleistet wird bereits, wenn man ein Wasserglas nicht mehr vom Tisch anheben und umgedreht auf dem Tisch abstellen kann oder nicht mehr in der Lage ist, ein leeres Glas fünf Minuten zu halten.

Außerdem kommt der Leistungsauslöser „Fingerfertigkeit“ hinzu. Hier wird verlangt, eine passende Mutter auf ein Zehnmillimeter-Gewinde zu schrauben oder eine Haustür mit Zylinderschloss aufzuschließen.

Eine Klarstellung beim Auslöser „Gehen“ führt in meinen Augen zu einer Verschlechterung. Der Volkswohl Bund hält die Benutzung von Unterarmstützen für angemessen. Andere Versicherer schließen gerade diese als Hilfsmittel aus.

Verbesserungen überwiegen

Interessant ist auch, dass die Leistung bei Führerscheinverlust eingeschränkt wurde. Wenn der Kunde 20 Jahre älter als das gesetzlich festgelegte Alter für den erstmaligen Führerscheinerwerb ist und bis dahin noch keinen Führerschein hat, greift die Klausel nicht.

Warum das so ist, lässt sich schwer sagen. Tatsache ist aber, dass der Versicherungsschutz während der Vertragslaufzeit ganz nebenbei abnimmt. Ob das angemessen ist, ohne dass der Kunde dann darauf hingewiesen wird, dürfen andere entscheiden.

Andererseits wird in der Neuauflage beim Sprachverlust auf den unbeteiligten Dritten abgestellt, der den Versicherten verstehen soll. Dies ist wieder als kundenfreundlich einzuordnen. Auch sonst überwiegen eindeutig die Verbesserungen. So gibt es jetzt optional eine Leistung bei schweren Depressionen oder Schizophrenie.

Neue Infektionsklausel und BU-Option

Für die Zielgruppen Gastrogewerbe und Krankenpfleger ist die neue Infektionsklausel sehr interessant. Während diese Klausel in der Berufsunfähigkeits- (BU-) Versicherung eher überflüssig ist, bietet sie in der Grundfähigkeits-Versicherung einen echten Mehrwert. Und in jedem Fall ein gutes Argument für den Vertrieb bei allen Berufen, in denen ein Berufsverbot aufgrund einer Infektionsgefahr realistisch erscheint.

Neben dem verkürzten Prognosezeitraum ist das größte Highlight wahrscheinlich die neue BU-Option. So kann jeder, der nach einer Ausbildung oder einem Studium vor seinem 30. Geburtstag einen Beruf aufnimmt, innerhalb von zwölf Monaten die Grundfähigkeits- in eine Berufsunfähigkeits-Versicherung umtauschen. Solche Optionen bieten Flexibilität und sind unbedingt nachahmenswert.

Unterm Strich betrachtet hat es der Volkswohl Bund vor allem mit der BU-Option wieder ins Rampenlicht geschafft. Da gibt es noch zu wenig Konkurrenz in der GF-Versicherung. Der 39-jährige Bürokaufmann zahlt für 1.000 Euro Rente bis zum 67. Lebensjahr bei einem Prozent Leistungsdynamik 67,41 Euro (Brutto 93,63 Euro) monatlich. Der Dachdeckergehilfe zahlt 72,28 Euro (Brutto 100,39 Euro).

Philip Wenzel

Der Autor ist Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) und für das Maklerunternehmen BSC Neutrale Allfinanz-Vermittlungs-GmbH tätig.

 
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