Neue Nürnberger-BU: mehr Klarheit und einige Verbesserungen

12.1.2018 – Der Lebensversicherer hat seine Berufsunfähigkeits-Versicherung erneuert. Die damit einhergehenden Änderungen schaffen zum einem mehr Klarheit und damit Sicherheit für den Kunden, zum anderen gibt es einige echte Verbesserungen, etwa bei der Arbeitsunfähigkeits-Klausel und bei der konkreten Verweisung. Für seine Analyse hat sich Versicherungsmakler Philip Wenzel die „Premium“-Variante des Schutzes näher angeschaut.

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Die Berufsunfähigkeits- (BU-) Versicherung, so wie wir sie kennen, hat es in das Jahr 2018 geschafft und ist weiterhin bestrebt, noch besser zu werden. So auch die neue selbstständige BU-Versicherung (SBU) der Nürnberger Lebensversicherung AG, die sich nun genug auf vergangenen Lorbeeren und Höchstnoten im Rating (VersicherungsJournal 11.5.2017, 23.2.2017) ausgeruht hat und mit einigen Verbesserungen wieder in die Top Fünf der Berufsunfähigkeits-Versicherer drängt.

Philip Wenzel (Bild: privat)
Philip Wenzel (Bild: privat)

In der Gunst der unabhängigen Vermittler rangiert der BU-Anbieter seit einiger Zeit knapp in dieser Region (VersicherungsJournal 10.10.2017, 4.5.2017). Die Verbesserungen, auf die sie sich jetzt einstellen können, sind – wie es immer so ist – mal eher klarstellend, mal eher vertrieblich, aber es finden sich auch einige echte Verbesserungen.

Bereits zu Beginn 2017 hatte die Nürnberger eine Überarbeitung ihres Berufsunfähigkeits-Schutzes präsentiert. Damals gehörten eine geänderte Tarifkalkulation in Zusammenhang mit der Berufsgruppen-Differenzierung und der Verzicht auf abstrakte Verweisung zu den augenfälligen Merkmalen des Updates (VersicherungsJournal 19.1.2017).

„Premium“-Variante mit AU-Leistung

Die „Premium-BU“ der Nürnberger hat alles, was eine gute Berufsunfähigkeits-Versicherung braucht. Darüber hinaus enthält dieser Schutz eine Arbeitsunfähigkeits- (AU-) Klausel, die 24 Monate Leistung verspricht. Sie kann bereits nach vier Monaten beantragt werden, wenn eine weitere Krankschreibung vorliegt, die den Sechs-Monatszeitraum übersteigt.

Es muss nicht zeitgleich ein Antrag wegen Berufsunfähigkeit gestellt werden. Das erscheint vor allem bei psychischen Erkrankungen sinnvoll, da es einem psychisch Kranken in der Regel kaum zumutbar ist, die Antragsformulare eines Versicherers korrekt auszufüllen. Für Gesunde ist dies meist schon herausfordernd genug.

Um sich die Leistung bis zum Vertragsende zu ermöglichen und damit diese nicht nach 24 Monaten eingestellt wird, empfiehlt es sich dennoch, die Rente wegen Berufsunfähigkeit so schnell wie möglich zu beantragen.

Leistung bei Pflegebedürftigkeit

Die AU-Klausel ist damit auf dem Niveau der besten sieben Klauseln am Markt, die vergleichbar stark formuliert sind. Außerdem leistet die „Premium“-Variante bei Pflegebedürftigkeit, wenn diese innerhalb der Versicherungsdauer eintritt, lebenslang.

Eher merkwürdig mutet die bei „speziellen Beeinträchtigungen“ vorgesehene Leistung an. Hier wird bis zu 24 Monaten geleistet, wenn der Versicherte ständig auf einen Rollstuhl angewiesen oder vollständig taub oder blind ist. Hierzu fallen einem kaum Beispiele ein, die nicht auch eine AU oder BU umfassen würden. Zumindest die Beantragung wäre aber wohl einfacher als die normale Beantragung von Leistung wegen Berufsunfähigkeit.

Klare Definition bei der konkreten Verweisung

(Zahn-/Tier-) Ärzte, Apotheker, Rechtsanwälte, Notare, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer werden nur auf eine in diesem bestimmten Beruf zulässige Tätigkeit verwiesen. Das ist für den Vertrieb interessant, aber wohl eher klarstellend. Denn eine konkrete Verweisung wäre sowieso nur dann möglich, wenn der neue Beruf der alten Lebensstellung entspräche. Und diese wäre bei den genannten honorablen Berufen mit einer neuen Tätigkeit nur schwer zu erreichen.

Für alle Berufe nützlicher ist die allgemeine Definition der konkreten Verweisung und der damit verbundenen zumutbaren Einkommenseinbuße. Hier ist explizit klargestellt, dass die bei der 20-Prozent-Marke liegende Einbuße im Einzelfall auch geringer ausfallen könne – und trotzdem nicht verwiesen werden kann.

Bemerkenswert ist dabei der Hinweis, dass die Nürnberger einen niedrigeren Prozentsatz anwendet, wenn der Bundesgerichtshof dauerhaft einen geringeren Satz als 20 Prozent festlegt.

Verzicht auf Melde- und Mitwirkungspflichten

Für den Versicherten ebenfalls nützlich ist der Verzicht auf die Meldepflicht bei gesundheitlicher Verbesserung. Der Kunde läuft so nicht Gefahr, einen Teil der Rente zurückzahlen zu müssen. Wie sollte er auch wissen, ob eine gesundheitliche Verbesserung zu einer 49-Prozent-BU führt oder ob weiterhin eine Berufsunfähigkeit von 50 Prozent besteht?

Ebenso gefällt ein Verzicht bei den Mitwirkungspflichten. Es sind vom Versicherten weder Diäten einzuhalten, noch ein Suchtentzug vorzunehmen, selbst wenn das vom Arzt angeordnet wurde. Im Interesse der eigenen Gesundheit sollte wahrscheinlich jeder dem ärztlichen Rat folgen. Aber für den Kunden ist es von Vorteil, dass der Versicherer es nicht verlangen kann.

Für einige dürfte es zudem interessant sein, dass eine Untersuchung im Leistungsfall nicht zwingend in Deutschland stattfinden muss. Innerhalb von EU, Großbritannien, Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz würde die Nürnberger auf Wunsch prüfen, ob eine gleichwertige Untersuchung auch vor Ort möglich wäre.

Möglichkeit der Nachversicherung

Für den Kunden und den Vermittler gleichermaßen wertvoll ist die Möglichkeit, eine Nachversicherung bei einem bestimmten Ereignis innerhalb von zwölf Monaten nach dem Ereignis abzurufen. Somit sind alle Hochzeiten, Geburten, Scheidungen und dergleichen in den Jahresgesprächen für eine Erhöhung ohne erneute Gesundheitsprüfung nutzbar.

Unterm Strich betrachtet ist es der Nürnberger gelungen, wieder Boden gut zu machen und zur Spitze der BU-Versicherer aufzuschließen. Vor allem die vielen Klarstellungen machen den Tarif deutlich kundenfreundlicher.

Der 38-Jährige Bürokaufmann zahlt für die „Premium“-BU mit 1.000 Euro Rente bis zum Endalter 67 monatlich 77,64 Euro (brutto 114,17 Euro). Der Mechatroniker zahlt 96,08 Euro (141,29 Brutto).

Philip Wenzel

Der Autor ist Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) und für die Freche Versicherungsmakler GmbH & Co. KG tätig.

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