Naturkatastrophen: Drittteuerstes Jahr aller Zeiten

21.12.2017 – Sowohl die versicherten als auch die gesamtwirtschaftlichen Schäden durch Natur- und von Menschen verursachte Katastrophen weltweit sind in diesem Jahr nach vorläufigen Swiss Re-Zahlen im Vergleich zum Vorjahr massiv gestiegen. Teurer war es in den vergangenen knapp 50 Jahren nur 2005 und 2011. In Deutschland fiel das Schadengeschehen deutlich moderater aus als im Jahr zuvor.

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Natur- und von Menschen verursachte Katastrophen haben 2017 zu versicherten Schäden von voraussichtlich umgerechnet insgesamt knapp 115 Milliarden Euro geführt. Dies stellt die Swiss Re nach vorläufigen Zahlen (bis Ende November) und im Vorgriff auf die im Frühjahr 2018 erscheinende Sigma-Studie „Natural and man-made catastrophes in 2017“ fest.

Drittteuerstes Schadenjahr für die Assekuranz

Dies ist mehr als doppelt so viel wie im vergangenen Jahr (VersicherungsJournal 16.12.2016, 29.3.2017) – und das drittteuerste Jahr für die Assekuranz in der bis ins Jahr 1970 zurückgehenden Sigma-Statistik, wie der Schweizer Rückversicherer weiter mitteilte.

Noch höher waren die versicherten Schäden nur in den Jahren 2011 und 2005. 2011 gab es eine außergewöhnliche Häufung von schweren Erdbeben (VersicherungsJournal 12.1.2012).

Das Jahr 2005 stand im Zeichen von „Katrina“. Der Hurrikan, der in der Spitze Stufe 5 auf der Saffir-Simpson-Hurrikan-Skala – mit Windgeschwindigkeiten von über 251 km/h – erreichte, forderte im Südosten der Vereinigten Staaten fast 2.000 Todesopfer (VersicherungsJournal 1.9.2005, 13.9.2015).

Schäden durch Naturkatastrophen dominieren

Mit gut vier Milliarden Euro wurde 2017 nur ein verschwindend geringer Anteil der versicherten Schäden durch Man-made-Katastrophen verursacht. Der Löwenanteil ging wie üblich auf Naturkatastrophen zurück – 2017 waren es voraussichtlich umgerechnet gut 110 Milliarden Euro.

Zum Vergleich: 2016 waren es etwa 47 Milliarden Euro – und der durchschnittliche Schaden der letzten zehn Jahre liegt nach Angaben des Schweizer Rückversicherers umgerechnet bei rund 43 Milliarden Euro.

Als versicherte Schäden werden Sach- und Betriebsunterbrechungs-Schäden verstanden, etwaige Schadenersatzzahlungen aus Haftpflicht- oder Lebensversicherungen sind in den genannten Beträgen nicht enthalten.

Wenn es der Branche gelingt, ihre Reichweite zu vergrößern, können viel mehr Menschen und Unternehmen die Folgen von Katastrophenereignissen besser verkraften.

Martin Bertogg, Leiter Naturgefahren bei Swiss Re

Der gesamtwirtschaftliche Schaden wird von der Swiss Re auf umgerechnet etwa 258 Milliarden Euro beziffert, das sind rund zwei Drittel mehr als im letzten Jahr. Die riesige Lücke zwischen Gesamtschaden und versichertem Schaden lässt darauf schließen, dass sich im vergangenen Jahr 2016 viele (Natur-) Katastrophen in Regionen mit geringer Versicherungsdeckung ereignet haben.

Die teuersten Katastrophen

Im laufenden Jahr trieben wie auch schon 2005 Hurrikane die versicherten Schäden in die Höhe. „Harvey“, „Irma“ und „Maria“ fegten im Rahmen der atlantischen Hurrikansaison 2017 zwischen August und September von der Karibik über die texanische Küste bis ins westliche Florida.

Das Volumen an versicherten Schäden taxiert die Swiss Re schätzungsweise auf umgerechnet rund 78,5 Milliarden Euro. Dies verhagelte zahlreichen Versicherern die Bilanzen (Trefferanzeige VersicherungsJournal-Archiv).

Da die Hurrikane in kurzer Folge verschiedene Orte heimsuchten, großflächig verwüsteten und verschiedene Geschäftssparten betrafen, könne derzeit noch keine vollständige Bewertung der versicherten Schäden abgegeben werden. Aus diesem Grund wird auch – im Gegensatz zu früheren Jahren – keine Rangliste der für die Assekuranz teuersten Schäden veröffentlicht.

Weitere – geschätzte – gut sechs Milliarden Euro versicherte Schäden verursachte eine Reihe von Waldbränden in Kalifornien. Über zwei Milliarden Euro an versicherten Schäden ging im Mai auf das Konto eines viertägigen Unwetters im Süden und in der Mitte der Vereinigten Staaten. Versicherte Milliardenschäden gab es der Swiss Re zufolge ferner durch zwei starke Erdbeben in Mexiko (Mitte September) sowie durch den Zyklon Debbie in Australien (Ende März).

Deutschland ist vergleichsweise glimpflich davongekommen

Für die deutsche Versicherungswirtschaft verlief das Jahr 2017 vergleichsweise glimpflich, was die Schäden aus Naturkatastrophen betrifft. So haben die Sturmtiefs „Xavier“ im Oktober und „Herwart“ im November nach Schätzung der Meyerthole Siems Kohlruss Gesellschaft für aktuarielle Beratung mbH zusammen für 400 bis 450 Millionen Euro versicherte Schäden gesorgt (VersicherungsJournal 9.10.2017, 1.11.2017).

Zusammen mit etwa 600 Millionen Euro versicherten Schäden durch eine Serie schwerer Unwetter (insbesondere die Unwetterfronten „Paul“ und „Rasmund“) zwischen Ende Juni und Anfang Juli (VersicherungsJournal 7.8.2017) dürften Schäden durch Naturgefahren auch in diesem Jahr weit über der Milliarden-Marke liegen.

Allerdings musste die Assekuranz hierzulande im Jahr zuvor über 2,5 Milliarden Euro an Versicherungsleistungen für über 900.000 Schäden durch Naturgefahren erbringen, heißt es im „Naturgefahrenreport 2017“ des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) (VersicherungsJournal 6.10.2017).

 
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