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Nachweis von Sturmschaden scheitert an Beweislage

20.7.2021 – Dass ein Sturm der Windstärke 8 und mehr für Schäden an versicherten Sachen mit ursächlich ist, ist bereits nachgewiesen, wenn feststeht, dass am Schadensort ein Wind derartiger Stärke geweht hat und der Schaden in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang damit eingetreten ist. Das hat das Oberlandesgericht Zweibrücken mit Beschluss vom 24. November 2020 entschieden (1 U 181/19).

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Geklagt hatte ein Gebäudebesitzer, dessen Gartenzaun bei einem Sturm zerstört worden war. Nach dem Wortlaut der Versicherungs-Bedingungen gehörte der Zaun zu den in seinem Gebäudeversicherungs-Vertrag mit versicherten Sachen.

Versicherer bestritt seine Eintrittspflicht

Zwischen dem Kläger und dem Versicherer war unstreitig, dass der Sturm die zeitlich letzte Ursache für den Sachschaden war. Auch die bedingungsgemäß geforderte Windstärke von mindestens acht Beaufort (Bft) wurde am Schadentag erreicht.

Der Versicherer bestritt dennoch seine Eintrittspflicht. Er behauptete nämlich, dass der Zaun so marode gewesen sei, dass er bereits durch den sich aufbauenden Sturm – und zwar spätestens bei einer Windstärke von sieben Bft – in die Brüche gegangen wäre.

Weil man sich nicht einigen konnte, landete der Fall vor Gericht. Dort erlitt der Besitzer des Wohngebäudes eine Niederlage.

Schaden schon bei niedriger Windstärke eingetreten

Nach Überzeugung des Gerichts ist zwar der Nachweis, dass ein Sturm der Windstärke 8 für Schäden an versicherten Sachen mit ursächlich ist, bereits dann erbracht, wenn feststeht, dass am Schadensort ein Wind solcher Stärke geweht hat und der Schaden in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang damit eingetreten ist.

Könne ein Versicherer jedoch beweisen, dass der Schaden wegen schon zuvor vorhandener Substanzschäden bereits bei einer Windstärke von sieben Bft oder weniger eingetreten ist, so sei er nicht zur Regulierung des Schadens verpflichtet.

Denn andernfalls könne allein die zufällige Tatsache, dass ein Schaden bei einem Sturm der Windstärke 8 eintritt, die Leistungspflicht auslösen, auch wenn der Schaden aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes der versicherten Sache womöglich schon in der Anlaufphase bei weit geringeren Windstärken eintritt.

Pfosten des Zauns mehr oder weniger vollständig verrottet

In dem entschiedenen Fall hatte Sachverständiger, der vom Gericht bestellt worden war, bei einer Ortsbesichtigung festgestellt, dass die aus Rundholz bestehenden Pfosten des Zauns mehr oder weniger vollständig verrottet waren. Der Gutachter konnte einen vergleichsweise weichen Meterstab quer durch die relativ dicken Pfosten schieben, ohne dass ein tragfähiger Kern zu erkennen war.

Er kam zu dem Schluss, dass die Pfosten nicht mehr dazu in der Lage waren, einer Windbelastung der Stärke sieben Bft und höher standzuhalten. Das Gericht ging daher davon aus, dass der Zaun bereits umgekippt war, bevor der Wind die bedingungsgemäße Stärke von mindestens acht Bft erreicht hatte. Das aber schließe eine Entschädigungspflicht durch den Versicherer aus.

Schlagwörter zu diesem Artikel
AVB · Elementarschaden · Gebäudeversicherung · Regulierung
 
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