Mit Unternehmens-Gewinnen die Sozialversicherung mitfinanzieren?

5.12.2018 – Weil die Bedeutung der Löhne an der gesamten Wertschöpfung sinkt, hat das Deutsche Institut für Altersvorsorge die Berechnung für die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung nach den Löhnen hinterfragt. Alternativen wie Unternehmensgewinne und andere Kriterien wurden am Dienstag in Berlin vorgestellt.

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Im Auftrag der Deutsches Institut für Altersvorsorge GmbH (DIA) hat das Handelsblatt Research Institute unter Leitung von Professor Dr. Bert Rürup untersucht, wie die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung auf eine breitere Basis gestellt werden könnten, ohne selbst das Beitragsvolumen zu verändern.

Ausgangspunkt der Studie ist eine seit dem Jahr 1980 mehr oder weniger stetige Abnahme der Lohnquote (Arbeitnehmerentgelt in Prozent der Bruttowertschöpfung).

Entwicklung der Lohnquote (Bild: DIA)

Für DIA-Sprecher Klaus Morgenstern geht mit der voranschreitenden Digitalisierung ein Austausch von Arbeit durch Kapital einher, mit entsprechender Wirkung auf die Sozialsysteme.

Arbeitgeberanteile nicht nur vom Lohn

Bert Rürup (Bild: Brüss)
Bert Rürup (Bild: Brüss)

Dies führt zu Überlegungen, den Arbeitgeberanteil nicht nur auf die gezahlten Arbeitsentgelte abzustellen, sondern auch auf gezahlte Mieten und Pachten, entrichtete Fremdkapitalzinsen, erzielte Gewinne und verdiente Abschreibungen.

Eine solche Betrachtung habe nichts mit der in den 80er Jahren diskutierten und dann verworfenen Maschinensteuer zu tun, unterstrich Rürup.

Eine breitere Wertschöpfung bei den Arbeitgebern würde zwischen den beschäftigungs-intensiven und kapitalintensiven Branchen zu erheblichen Verwerfungen führen.

Realisierbar wäre die Umstellung daher nur, wenn diese durch eine deutliche Unternehmens-Steuerentlastung begleitet würde, räumte Rürup vor der Presse in Berlin ein.

Anregungen für die Rentenkommission

Morgenstern und Rürup hoffen, mit der Studie neue Diskussionen etwa im Arbeitgeberlager oder in der Rentenkommission „Verlässlicher Generationenvertrag“ auslösen zu können. Rürup sagte, es müsse die Frage beantwortet werden, „wie gehen wir langfristig mit der sinkenden Lohnquote um“. Für ihn wird die derzeitige demografische Pause definitiv ab 2025 zu Ende gehen.

Die Bedeutung der Lohnquote, an der sich nicht nur die Beiträge der Arbeitnehmer in die Sozialversicherungs-Systeme ausrichten, sondern auch die der Arbeitgeber, hat über die Jahre hinweg an Bedeutung verloren.

Man muss allerdings auch sehen, dass die Lohnquote ab 2012 wieder steigt, was an den hohen Wanderungsgewinnen aus dem Ausland liegen dürfte. Auch ohne Flüchtlinge gleichen die Wanderungsgewinne vor allem aus dem EU-Ausland das Geburtendefizit in Deutschland aus. Noch besteht ein hoher Fachkräftemangel.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Altersvorsorge · Beitragsrückerstattung · Digitalisierung · Rente · Rürup · Sozialversicherung
 
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