Merkwürdiger Wildschaden

6.12.2018 – Ein Fahrzeugführer der behauptet, wegen eines Wildwechsels ausgewichen zu sein, um nicht mit dem Tier zusammenzustoßen, muss dafür handfeste Beweise erbringen, wenn er wegen einer Beschädigung seines Fahrzeugs eine Entschädigung von seinem Teilkaskoversicherer verlangt. Das geht aus einem Urteil des Landgerichts Kleve vom 30. August 2018 hervor (6 O 97/16).

Der Entscheidung lag die Klage einer Frau zugrunde, deren Freund nach dessen Angaben mit ihrem Personenkraftwagen in einen Wildunfall verwickelt gewesen war.

Großes Tier

Der Freund hatte behauptet, dass auf einer Autobahnabfahrt in den Niederlanden von rechts plötzlich ein großes Wildtier – vermutlich ein Reh – auf die Fahrbahn gelaufen sei. Er sei dort mit 25 km/h gefahren.

Um einen Zusammenstoß zu vermeiden, sei er nach links ausgewichen. Dabei sei das Fahrzeug gegen eine Bordsteinkante gestoßen, habe sich gedreht und sei anschließend gegen eine Leitplanke geprallt. Zu einem Kontakt mit dem Tier sei es nicht gekommen. Es sei auch keine polizeiliche Unfallaufnahme erfolgt.

Nach Angaben der Fahrzeughalterin war die von ihrem Freund vorgenommene „Rettungshandlung“ in Form des Ausweichens objektiv geboten gewesen, um einen drohenden Schaden von dem Fahrzeug und seinen Insassen abzuwenden. Mit diesem Argument machte sie den bei dem Unfall entstandenen Schaden in Höhe von 7.000 Euro gegenüber ihrem Teilkaskoversicherer geltend.

Der lehnte eine Schadenregulierung ab. Das begründete er damit, dass die an dem Fahrzeug festgestellten Schäden nicht mit der Schilderung des Hergangs in Einklang zu bringen seien. Der Unfall könne sich unmöglich so abgespielt haben, wie von dem Freund der Klägerin behauptet.

Fehlender Beweis

Weil man sich nicht einigen konnte, landete der Fall vor Gericht. Dort erlitt die Versicherte eine Niederlage.

Die Richter stellten zwar nicht in Abrede, dass die Beschädigung des Fahrzeugs der Klägerin im Rahmen der behaupteten Rettungshandlung grundsätzlich Gegenstand ihres Teilkasko-Versicherungs-Vertrages hätte sein können. Dazu hätte die Frau aber beweisen müssen, dass der Unfall durch einen Wildwechsel verursacht worden war. Dieser Nachweis sei ihr jedoch nicht gelungen.

Im Rahmen seiner gerichtlichen Vernehmung hatte der Fahrer des Fahrzeugs den Vorgang zwar so geschildert, wie bereits im Fragebogen des Versicherers. Er hatte jedoch widersprüchliche Angaben zu der Frage gemacht, woher er gekommen und was der Grund für die Fahrt war.

Möglicher Fahrfehler

Sein Beifahrer hatte außerdem ausgesagt, kein Tier gesehen zu haben. Das Fahrzeug sei vielmehr bereits vor dem Unfall etwas gerutscht und hinten ausgebrochen. Man habe sich im Rahmen einer „Schwarzarbeit“ in den Niederlanden auf dem Weg nach Hause befunden und vor dem Unfall einen Coffeeshop besucht, in welchem er Betäubungsmittel konsumiert und eingekauft habe.

Angesichts dieser Aussage hielten es die Richter nicht für erwiesen, dass die Fahrzeugschäden, wie von dem Fahrer des Fahrzeugs behauptet, durch ein Ausweichmanöver infolge eines Wildwechsels entstanden waren. Es würden vielmehr weitere Unfallursachen in Betracht kommen. Denkbar seien zum Beispiel ein Fahrfehler infolge eines Drogenkonsums des Fahrers oder auch technische Mängel des Fahrzeugs.

Die Klage wurde daher mangels Beweisen als unbegründet zurückgewiesen.

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Kfz-Versicherung · Schadenregulierung
 
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