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Lebensversicherung: Zinszusatzreserve wird teurer

27.10.2020 – Auch für die bis 2015 verkaufte Tarifgeneration mit 1,75 Prozent Rechnungszins müssen die Anbieter nun zusätzliche Rücklagen bilden, um die garantierten Leistungen darstellen zu können. „Die Strategie, mittels neuartiger Tarife der Zinsfalle zu entgehen, ist damit gescheitert“, meint der Bund der Versicherten. Der Verband habe sich verschätzt, erwidert der GDV.

Der Referenzzins der Zinszusatzreserve (ZZR) wird von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) von jetzt 1,92 Prozent auf 1,73 Prozent abgesenkt. Das teilte der Bund der Versicherten e.V. (BdV) mit.

Das sei die stärkste Verringerung seit drei Jahren und lasse für 2021 eine stärkere Erhöhung der ZZR erwarten als in den letzten beiden Jahren. Gerechnet wird mit einem Anstieg von etwa 80 auf knapp 100 Milliarden Euro.

Auch „Neue Klassik“ ist betroffen

Axel Kleinlein (Archivbild: Schmidt-Kasparek)
Axel Kleinlein (Archivbild: Schmidt-Kasparek)

Der Verband erläutert: „Vom neuen Referenzzins sind damit erstmals auch solche Tarife betroffen, die mit einem Rechnungszins von 1,75 Prozent kalkuliert sind. Dieser Zins galt bis 2015. Die Versicherer müssen nun auch für Verträge zusätzliche Reserven bilden, die zwischen 2012 und 2014 abgeschlossen wurden.“

Die ZZR sorge dafür, trotz niedriger erwirtschafteter Zinsen die garantierten Leistungen darstellen zu können. Auch für viele Verträge der „Neuen Klassik" müssten Versicherer nun Gelder zurücklegen. „Die Strategie, mittels neuartiger Tarife der Zinsfalle zu entgehen, ist damit gescheitert“, kommentierte Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des BdV.

Er befürchtet: „Wenn überhaupt, werden einige Versicherer die zusätzliche Belastung nur durch das Verscherbeln des Tafelsilbers stemmen können. Ohnehin angezählten Versicherern kann die unerwartet hohe zusätzliche Belastung die Solvenz kosten. Wir reden bei der ZZR mittlerweile von einem Reservierungsbedarf von heute knapp 100 Milliarden, der bis 2025 auf etwa 150 Milliarden steigt. Das ist ein Fass ohne Boden.“

GDV widerspricht

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) hat dieser Darstellung widersprochen. Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen erklärte: „Die Schätzungen des BdV sind falsch. Richtig gerechnet ergibt sich für das laufende Jahr eine Zuführung zur Zinszusatzreserve von rund elf Milliarden Euro. Insgesamt beläuft sich die Reserve damit auf 87 Milliarden Euro.

Die ZZR ist auch ‚kein Fass ohne Boden‘, wie der BdV behauptet, denn ab 2021 werden die Unternehmen Jahr für Jahr weniger in die Reserve einzahlen, sofern es beim historisch niedrigen Zinsniveau bleibt.“

Schlagwörter zu diesem Artikel
Neue Klassik · Rechnungszins · Strategie · Verbraucherschutz · Verkauf · Versicherungsaufsicht · Zinszusatzreserve
 
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