Kritik an den „tickenden Zeitbomben“

18.9.2019 – Dass Axa und Basler Tausende Invaliditätspolicen gekündigt haben, die ihnen nicht mehr rentabel erschienen, haben einige Leser kommentiert. Darin kritisieren sie das Informationsverhalten und die Kalkulation der Versicherer, sorgen sich um die Vermittlerhaftung und wägen bei Personenversicherungen die Alternativen ohne Kündigungsrecht ab.

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Unter dem Titel „Invaliditätspolicen: Tickende Zeitbomben“ war das Vorgehen der Axa Versicherung AG und der Basler Versicherungen bei der Kündigung von unrentablen Beständen kommentiert worden (VersicherungsJournal 16.9.2019).

Das Thema berührt auch Vermittler, das zeigen einige Leserzuschriften.

Kritik an Schulungen

So weist Hans-Jürgen Kaschak in seinem Kommentar darauf hin, dass Berater schon seit jeher mit Kündigungen zu kämpfen hätten, das sie jedoch bei Personenversicherungen neu seien. Er empfiehlt, die Kunden auf das Kündigungsrecht des Versicherers schriftlich hinzuweisen.

Gleichzeitig kritisiert er das Informationsverhalten der Gesellschaften. Diese würden „im Bereich der ‚sogenannten‘ Weiterbildung über zum Beispiel ‚gut beraten‘“ in der Regel nicht über Kündigungsrechte informieren. Stattdessen würden Argumente für den Vertrieb der Produkte möglichst verkaufsoptimiert an die Beraterwelt gegeben.

Nachteile in den Bedingungen versteckt

Auch Thomas Oelmann kritisiert in seinem Leserbrief das Informationsverhalten der Versicherer.

Die Versicherungen gehören […] zur Erklärung genötigt!

Thomas Oelmann

Er fragt: „Wäre es nicht die Pflicht des Produktanbieters, die möglichen Kunden an gut sichtbarer Stelle im Antrag oder den Bedingungen auf der ersten Seite geschwärzt und unterstrichen auf solche gravierenden möglichen Ereignisse aufmerksam zu machen? Die Versicherungen gehören in diesem Fall zur Erklärung genötigt!“

Auch die Vermittler sieht er schlecht informiert: „Natürlich geraten die Vermittler in Erklärungsnot, weil sie auf Seite 112 links unten im Kleingedruckten diese Stelle nicht gefunden haben. Ist das vielleicht so gewollt, der Anbieter verdient und der Vermittler trägt das Risiko?“ Personenversicherungen mit Kündigungsrecht könne man nicht verkaufen.

Oftmals Abwägungssache

Dem wiederspricht Leser Andreas Reissaus in seiner Zuschrift. Das Kündigungsrecht sei „nicht neu, gesetzlich klar geregelt und sollte den Fachleuten bekannt sein“.

Wirklich schützen könne man sich als Vermittler nicht. Zum Fall der Basler schreibt er, dass das Produkt „seinerzeit als eine echte Innovation angesehen“ wurde. Es habe nie einen Versicherer gegeben, der bei Kinder-Invaliditäts-Versicherungen auf das Kündigungsrecht verzichtete.

Wer als Vermittler gleich die Finger von den Policen ließ, […] hat […] keinen guten Job gemacht.

Andreas Reissaus

Das ist für ihn aber kein Grund, von vornherein solche Policen auszuschließen: „Wer als Vermittler gleich die Finger von den Policen ließ, weil es eben auch eine Gesundheitsprüfung gab und weil sie teurer war als eine einfache Kinderpolice, hat jetzt keinen Stress. Dennoch hat er keinen guten Job gemacht und die Kunden hatten gegebenenfalls nur Glück, dass bislang nichts passiert war. Oder der Vermittler ein Haftungsproblem, wenn doch etwas passiert ist.“

Der Kunde müssten aber auf die Risiken hingewiesen werden, auch wenn ein Versicherer mit teils sehr günstigen Prämien einsteige.

Es hapert oft mit der Wahrnehmung kostenpflichtiger Weiterbildung.

Thorulf Müller

Alternativen ohne Kündigungsrecht

Thorulf Müller weist in seinem Kommentar darauf hin, dass es Versicherer gibt, „die auf das ordentliche Kündigungsrecht verzichtet haben und auch auf das des ganzen Bestandes (kollektive Kündigung). Barmenia/ Adcuri („opti5Rente“) und die Bayerische („multiProtect“) sind zum Beispiel ohne diese Falle aufgestellt und können daher bedenkenlos angeboten werden.“

Zu den Informations-Möglichkeiten merkt er an: „Es gab genügend Angebote, sich damit fachlich zu beschäftigen – kostenpflichtige Angebote. Da hapert es aber oft im Markt, also mit der Wahrnehmung kostenpflichtiger Weiterbildung.“

Axa und Basler haben eindeutig falsch kalkuliert.

Jürgen Waibel

Keine unvorhersehbare Entwicklung

Leser Jürgen Waibel sucht in seinem Leserbrief nach den Ursachen der Kündigungen: „An der Risikosituation hat sich seit Vertriebsstart nichts Wesentliches geändert. Es gab glücklicherweise keinen Krieg oder sonstige, nicht vorhersehbare Entwicklungen.

Demnach haben Axa und Basler eindeutig falsch kalkuliert. Also sind die Versicherer in der Verantwortung und sollten sich auch verantwortlich fühlen.“

Er gibt zu bedenken: „Wäre das Kündigungsrecht ausgeschlossen (darüber sollen Juristen streiten), wären die Versicherer gezwungen, nur ordentlich kalkulierte Produkte auf den Markt zu bringen und nicht irgendwelche untertarifierte Billigpolicen, so wie es leider auch in der privaten Krankenversicherung geschieht.“

Leserbriefe zum Artikel:

+Peter Schramm - Versicherer werden nicht auf ihr Kündigungsrecht verzichten. mehr ...

Thomas Oelmann - So macht Versichern keine Freude. mehr ...

Schlagwörter zu diesem Artikel
Fortbildung · Gesundheitsreform · Gewerbeordnung · Invalidität · Rente · Verkauf
 
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