WERBUNG

Kritik am Ende der Beitragsgarantie in der Lebensversicherung

6.2.2020 – Für den Fall des Absinkens des Rechnungszinssatzes in der Lebensversicherung hatte der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft gefordert, bei Riester-Renten und in der bAV die Garantien auf 80 Prozent der Beiträge abzusenken. Der Bund der Versicherten sieht darin eine Bankrotterklärung der Versicherungswirtschaft. Das will der Verband nicht so stehen lassen. Die Leser des VersicherungsJournals sehen die Lage differenziert.

WERBUNG

Angesichts weiterhin niedriger Zinsen rechnet die Versicherungswirtschaft mit dem Absinken des Rechnungszinssatzes in der Lebensversicherung (VersicherungsJournal 4.2.2020).

Die Deutsche Aktuarvereinigung e.V. (DAV) hatte 0,5 Prozent ab dem kommenden Jahr empfohlen (11.12.2019). Festgelegt wird der Zinssatz durch das Bundesfinanzministerium (BMF) nach den Vorgaben des § 5 DeckRV. Auch der Bundesrat muss zustimmen.

GDV hatte Absenken der Garantie auf 80 Prozent der Beiträge gefordert

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) findet den Vorschlag der Aktuare „nachvollziehbar“ und fordert ebenfalls, die Beitragsgarantie für neue abgeschlossene Riester-Rentenversicherungen zu lockern (11.12.2019).

Das hat der Verband in einem Rundschreiben bekräftigt, aus dem Infinma zitiert. „Bei einer Absenkung des Höchstrechnungszinses auf 0,25 Prozent oder 0,5 Prozent ist der einkalkulierbare Zinsertrag zu gering, um eine Bruttobeitragsgarantie zu Rentenbeginn geben zu können.

Künftig sollen Produkte mit einer einheitlichen gesetzlichen Mindestgarantie von 80 Prozent der Beiträge in der bAV/BZML und 80 Prozent der Beiträge und Zuzahlungen bei Riester-Renten jeweils zu Rentenbeginn zum Einsatz kommen können.“

Versicherer weisen Kritik der Verbraucherschützer zurück

Den Bund der Versicherten e.V. (BdV) sieht darin „eine Bankrotterklärung der Versicherungswirtschaft“. Mit dem Senken des garantierten Beitragserhalts werde nur noch ein Verlust garantiert. Die Versicherer höhlten damit ein ohnehin schon angeschlagenes Produkt und das Vertrauen ihrer Versicherten weiter aus.

GDV-Geschäftsführer Dr. Peter Schwark kontert: „Die heutige Zusage der 100 Prozent-Garantie der Brutto-Beiträge erschwert eine chancenreiche Kapitalanlage. Es ist daher erforderlich, die gesetzlich vorgeschriebene Garantie passend zu den aktuellen Kapitalmärkten neu zu justieren, ohne die Sicherheitsbedürfnisse der Kunden aufzugeben.

Insbesondere Standardprodukte müssen Kunden auch bei gelockerten Garantien weiter ein ausreichendes Maß an Sicherheit garantieren. […] Auch künftig können die Kunden erwarten, dass deutlich mehr als der Beitragserhalt erwirtschaftet wird. Eine Absenkung der Garantieanforderungen ist allerdings die Voraussetzung dafür.“

Lebensversicherer sind fast die einzigen Anbieter, die noch Garantien zusagen.

Dietmar Neuleuf

Zukünftige Angebote müssen die Rahmenbedingungen berücksichtigen

Leser Dietmar Neuleuf zeigt sich in seinem Kommentar überzeugt, dass zukünftige Angebote die Rahmenbedingungen berücksichtigen müssen. Es zeuge von Verantwortungs-Bewusstsein, keine unsicheren Zusagen zu machen.

Auch andere Anlagen seien von der Zinsentwicklung betroffen. Als Unterschied nennt Neuleuf: „Lebensversicherer sind fast die einzigen Anbieter, die noch Garantien zusagen.“

Nikolaus Caesar schreibt: „Die deutsche Sparbuchdenke sollte wenigstens beim Verbraucherschützer mal überdacht werden. Es wird ziemlich sicher zu einem Ende der klassischen Tarifformen kommen.“

Frank Peters gibt in seinem Leserbrief dem BdV Recht, dass das Ende der Beitragsgarantie eine „Bankrotterklärung“ sei: „Wenn jetzt noch selbst bei Riester nicht mal die Beiträge garantiert werden, müssen wir uns nicht wundern, wenn der Staat – so wie kürzlich – nach ‚staatlichen‘ Alternativen sucht. Stichwort: kapitalgedeckte Zusatzrente.“

Leserbriefe zum Artikel:

Peter Schramm - Andere Riester-Formen bieten 100 Prozent Garantie. mehr ...

Thomas Oelmann - Für wie dumm hält man den Kunden? mehr ...

Christian Deckarm - Lasst den Menschen doch die freie Wahl. mehr ...

Schlagwörter zu diesem Artikel
Aktuar · Betriebliche Altersversorgung · Lebensversicherung · Rechnungszins · Rente · Riester · Verbraucherschutz
 
WERBUNG
Sie sind gefragt!
Bild: Pixabay, CC0

Warum schließen Hausbesitzer mehrheitlich keine Elementarschadendeckung ab?

Schildern Sie uns Ihre Erfahrungen aus Ihrem Vermittleralltag in der aktuellen Leser-Umfrage, die Sie über diesen Link erreichen.

Die Umfrage ist kurz und anonym. Die Ergebnisse finden Sie im VersicherungsJournal-Extrablatt 1|2020, das an 23. März erscheint.

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
WERBUNG
Werben im Extrablatt

Mit einer Anzeige im Extrablatt erreichen Sie mehr als 13.000 Menschen im Versicherungsvertrieb, überwiegend ungebundene Vermittler. Über die Konditionen informieren die Mediadaten.

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Wie erklär‘ ich’s meinem Kunden?

Kunden gewinnen mit Vorträgen

Gesetze und Fachchinesisch gibt es genug. Ein neuer Ratgeber zeigt, wie Sie in Kundenveranstaltungen durch Vorträge überzeugen.

Mehr Informationen erhalten Sie unter diesem Link...

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
4.2.2020 – Das bevorstehende Absenken des Rechnungszinses bedroht das Geschäft mit Riester-Renten und Teilen der betrieblichen Altersversorgung, weil gesetzliche Anforderungen nicht mehr erfüllt werden können. Der GDV schlägt eine Lösung vor. Der BdV sieht darin eine „Bankrotterklärung“. (Bild: Hans, Pixabay, CC0) mehr ...
 
16.10.2018 – Der Absatz der staatlich geförderten Vorsorge ist kräftig ins Stocken geraten. Bei den Versicherern ist der Bestand sogar schon länger rückläufig – nur die Eigenheimrenten wachsen nennenswert. Dies hat in der Leserschaft sehr unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. (Bild: Brüss) mehr ...
 
9.8.2016 – Diverse Lebensversicherer haben sich mittlerweile von der Klassik verabschiedet. Ganz auf Vertriebskenntnisse über traditionelle Produkte verzichten sollten Versicherungsexperten aber nicht, so Folge 72 des Wissensquiz. (Bild: Nikolae, Fotolia.com / Pieloth) mehr ...
 
30.10.2019 – Die Zukunft der Altersvorsorge war ein zentrales Thema bei einer Diskussion beim Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler. Der Verband will mit der staatlichen geförderten Rente auch die Wohnungsnot lindern. (Bild: Schmidt-Kasparek) mehr ...
 
29.8.2019 – Das Thema Deckelung in der Lebensversicherung ist offenbar kein Papiertiger. Dies zeigte sich am Mittwoch auf einer Fachkonferenz in Köln. Dort zeichneten sich aber auch neue Möglichkeiten ab, etwa ein neuer Riester-Standard. (Bild: Lier) mehr ...
 
15.11.2018 – BDVM-Vorstand Oliver Fellmann sieht die Sparte Leben am Scheideweg. Wo die Gesellschaften ihre Strategie korrigieren müssen und welche Faktoren ein gutes Kundengespräch heute ausmachen, erklärt der Makler im Interview des VersicherungsJournal-Extrablatts. (Bild: Schmidt-Kasparek) mehr ...
WERBUNG