Klare Absage an die Riester-Förderung in der bAV

1.3.2019 – In der betrieblichen Altersversorgung bleibt die Entgeltumwandlung der beliebteste Förderweg. Riester spielt in keinem Durchführungsweg eine große Rolle. Die gezahlten Beiträge der aktiv Versicherten steigen dagegen leicht an. Was die künftige Einführung reiner Beitragszusagen angeht, liegen die Planungen der Anbieter noch weit auseinander. Das zeigt die achte Trägerbefragung zur „BAV 2017“ des Bundes-Arbeitsministeriums.

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Bei den Trägern der betrieblichen Altersversorgung (bAV) gingen im Dezember 2017 Beiträge für über 20,8 Millionen aktiv Versicherte ein. Von diesen Versicherten kommen knapp 15,1 Millionen aus der Privatwirtschaft und 5,8 Millionen aus dem öffentlichen Sektor (VersicherungsJournal 28.2.2019).

Das ist das Ergebnis einer aktuellen Befragung der bAV-Träger durch Kantar Public (ehemals TNS Infratest Sozialforschung) im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS).

Die Methodik des Forschungsberichts

Der Forschungsbericht „Trägerbefragung zur betrieblichen Altersversorgung 2017“ („BAV 2017“, PDF, 410 KB) ist eine empirische Untersuchung zur Situation und Entwicklung der betrieblichen Altersversorgung. Das BMAS wertet die Daten seit 2003 aus, mit der vorliegenden Studie „BAV 2017“ zum achten Mal.

Für den aktuellen Forschungsbericht befragten die Sozialforscher Pensionskassen, Pensionsfonds, Lebensversicherungen, die betriebliche Direktversicherungen anbieten, und öffentliche Zusatzversorgungsträger. Die Daten zu Direktzusagen und Unterstützungskassen basieren auf Geschäftsstatistiken des Pensions-Sicherungs-Verein VVaG (PSVaG).

Zusätzlich flossen Geschäfts- und Verbandsstatistiken der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) und des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) in die Auswertung ein.

Durchführungswege unterschiedlich stark

Gegenüber Dezember 2015, dem Referenzzeitpunkt der Vorgängeruntersuchung „BAV 2015“, ist die Zahl der aktiv Versicherten in der bAV um rund 560.000 beziehungsweise um 2,8 Prozent gestiegen (VersicherungsJournal 15.1.2015).

Die bAV-Anwartschaften im öffentlichen Dienst legten zu. In der Privatwirtschaft waren die Durchführungswege unterschiedlich stark. Pensionskassen überholten erstmals die Direktversicherungen, die Entwicklung bei Direktzusagen und Unterstützungskassen war dagegen leicht rückläufig.

Förderung in der bAV

Im aktuellen Forschungsbericht nahmen die Sozialforscher auch die Förderwege in den verschiedenen Durchführungswegen unter die Lupe.

Die Förderung im Erhebungszeitraum Dezember 2017, vor in Kraft treten des Betriebsrenten-Stärkungsgesetzes, eröffnete folgende Möglichkeiten: Jährlich konnte bis Ende 2017 ein Betrag bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungs-Grenze der gesetzlichen Rentenversicherung durch Entgeltumwandlung in eine Pensionskasse, einen Pensionsfonds oder eine betriebliche Direktversicherung (seit 1. Januar 2005) eingezahlt werden.

In den alten Bundesländern waren das im Erhebungszeitraum 3.048 Euro, die steuer- und sozialversicherungsfrei in eine bAV einfließen konnten. Für Neuzusagen ab dem 1. Januar 2005 waren unter bestimmten Voraussetzungen bis zu 1.800 Euro zusätzlich steuerfrei.

Bei den Durchführungswegen Pensionskasse, Pensionsfonds und Direktversicherung war es unter bestimmten Voraussetzungen möglich, dass verschiedene Förderwege gleichzeitig genutzt wurden, schreiben die Autoren.

Pensionskassen: Förderung über Entgeltumwandlung

Von den über fünf Millionen Arbeitnehmern, die im Dezember 2017 Anwartschaften bei einer Pensionskasse erworben hatten, machten 48 Prozent von der Möglichkeit einer Entgeltumwandlung Gebrauch. Bei Frauen lag der Anteil mit 54 Prozent deutlich höher als bei Männern mit 45 Prozent.

Nach Angaben des Forschungsberichts wurden in Summe 98 Prozent der über Entgeltumwandlungen bedienten aktiven Anwartschaften bei Pensionskassen gefördert.

Die Riester-Förderung spielte im Zusammenhang mit Pensionskassen nur eine geringe Rolle, so die Autoren. Im Dezember 2017 machten nur drei Prozent der bei Pensionskassen aktiv Versicherten von diesem Förderweg Gebrauch. Der Anteil der Männer, deren Pensionskassenvertrag Riester-gefördert wurde (drei Prozent), war etwas höher als bei den Frauen (zwei Prozent).

Durchschnittlich beliefen sich die monatlichen Beiträge zu Pensionskassen im Dezember 2017 auf 95 Euro. Frauen liegen mit 77 Euro unter, Männer mit 107 Euro über diesem Durchschnitt. Die durchschnittlichen Beiträge zu Pensionskassen bei Entgeltumwandlung beziffern die Autoren auf 107 Euro.

Wie bei den Beiträgen aller Versicherten, sind auch hier die Altersvorsorgebeiträge der Männer mit 111 Euro höher als die der Frauen mit 99 Euro. Dennoch lagen die Beiträge bei Entgeltumwandlung im Schnitt etwas höher als die für alle aktiv Versicherten.

Pensionsfonds: hoher Förderanteil

Für den überwiegenden Teil der aktiv Versicherten beruhten die Anwartschaften bei Pensionsfonds auf einer Entgeltumwandlung. Im Dezember 2017 betraf das insgesamt 61 Prozent der Versicherten. Nennenswerte Unterschiede zwischen Männern (60 Prozent) und Frauen (62 Prozent) bestanden im Erhebungszeitraum nicht, führen die Autoren aus.

Wie bei den Pensionskassen, ist die Zahl der Arbeitnehmer mit Riester-Förderung niedrig. Lediglich ein Prozent der männlichen wie der weiblichen aktiv Versicherten machten davon Gebrauch, stellten die Sozialforscher fest.

Die durchschnittlichen Beiträge bezifferte der Forschungsbericht 2017 auf insgesamt 103 Euro im Monat. Damit lagen sie auf fast dem gleichen Niveau wie 2015 (104 Euro). Die Beiträge zu den Pensionsfonds lagen damit zudem etwas höher als die in „BAV 2017“ ermittelten entsprechenden Beiträge zu Pensionskassen von 95 Euro.

Die durchschnittlichen monatlichen Beiträge bei Entgeltumwandlung lagen, bei Männern und Frauen zusammengefasst, mit 81 Euro deutlich niedriger als für die aktiv Versicherten insgesamt (103 Euro). „Der starke Rückgang der Beiträge zu Entgeltumwandlungen im Vergleich zu den Jahren vor 2016 liegt wesentlich an einem Träger, der die Beitragszahlen ab 2015 deutlich nach unten korrigiert hat“, so der Forschungsbericht.

Anwartschaften (Bild: BMAS)
Anwartschaften auf Leistungen von Direktversicherungen nach Art der staatlichen Förderung. Zum Vergrößern Bild klicken (Bild: BMAS, „BAV 2017“)

Direktversicherungen: Riester spielt keine Rolle

Von den rund acht Millionen im Dezember 2017 aktiv bedienten Direktversicherungs-Verträgen basierten 61 Prozent auf einer Entgeltumwandlung. Dieser Anteil sei gegenüber 2015 um einen Prozentpunkt gesunken, so die Sozialforscher in ihrer Auswertung. Der Anteil der Männer lag mit 62 Prozent etwas höher als der der Frauen mit 60 Prozent.

Die Riester-Förderung spielte in der Direktversicherung „eine noch geringere Rolle als bei den übrigen Durchführungswegen der betrieblichen Altersversorgung“, heißt es im Forschungsbericht. Im Dezember 2017 wurden nur 0,1 Prozent der Direktversicherungen über diesen Weg gefördert.

Die ausgewiesene Höhe der Beiträge zu Direktversicherungs-Verträgen insgesamt stieg im Zeitraum 2015 bis 2017 von durchschnittlich 95 Euro im Monat auf 98 Euro. Bei Männern betrug der Anstieg durchschnittlich zwei Euro auf 100 Euro und bei den Frauen ebenfalls zwei Euro auf 93 Euro.

Damit lagen die Beiträge zu Direktversicherungen in etwa auf dem Niveau der Beiträge zu den Pensionskassen, aber etwas niedriger als bei den Pensionsfonds.

Perspektiven für die neue bAV

Im Rahmen des Forschungsberichts zur „BAV 2017“ befragten die Sozialforscher die Träger der Privatwirtschaft abschließend nach dem Stand ihrer Planungen, was die Durchführung reiner Beitragszusagen oder Zielrenten angeht (VersicherungsJournal 19.3.2018). Verschiedene Anbieter brachten sich dafür bereits 2018 in Stellung (VersicherungsJournal 25.10.2018, 27.7.2018).

Die Möglichkeit der Einführung solcher Zielrenten ist eine der Neuerungen des zum 1. Januar 2018 in Kraft getretenen BRSG. „Zum Zeitpunkt der Untersuchung gab es in keinem Tarifvertrag konkrete Zielrentenvereinbarungen“, schreiben die Autoren in ihrer Abschlussbetrachtung.

Hier die im Bericht veröffentlichen Aussagen: Zwölf Prozent der Träger gaben an, derzeit zwar noch keine bAV mit reinen Beitragszusagen durchzuführen, diese aber in Kürze mit in das Produktportfolio aufnehmen zu wollen.

Weitere 16 Prozent der Trägerunternehmen bieten zwar ebenfalls noch keine bAV mit reinen Beitragszusagen an, wären aber auf Nachfrage bereit, hierzu ein Modell zu entwickeln. Mehr als ein Drittel (36 Prozent) der Träger plane derzeit kein Angebot reiner Beitragszusagen, ein ähnlich großer Anteil (31 Prozent) hat die Überlegungen dazu noch nicht abgeschlossen.

Geteilte Meinung zu reinen Beitragszusagen

Bei einer Betrachtung der Überlegungen nach einzelnen Trägertypen fiel den Autoren der Studie auf, dass die Pensionskassen besonders häufig keine reinen Beitragszusagen planen. Mit 46 Prozent traf diese Aussage auf fast die Hälfte der Pensionskassen zu.

Auch der Anteil der Pensionskassen, die sich grundsätzlich offen gegenüber der Einführung zeigten und diese entweder in Kürze oder auf Nachfrage anbieten wollen, war mit 23 Prozent vergleichsweise gering.

Unter den Pensionsfonds war dagegen knapp die Hälfte (46 Prozent) grundsätzlich offen gegenüber einer Einführung reiner Beitragszusagen. Ebenso viele Pensionsfonds (46 Prozent) hatten dazu noch keine abschließende Position entwickelt. Der Anteil der Pensionsfonds, die die Einführung aktuell nicht planen, war mit acht Prozent unter den Pensionsfonds geringer als unter allen anderen Trägergruppen.

Bei den Lebensversicherern waren laut Forschungsbericht alle drei Planungsstände ähnlich stark vertreten. Während sich 26 Prozent offen zeigten, reine Beitragszusagen in Kürze oder bei Nachfrage einzuführen, plant ein Drittel (33 Prozent) derzeit kein entsprechendes Angebot. Ein weiteres Drittel hat die Überlegungen hierzu noch nicht abgeschlossen.

 
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