Kfz-Versicherung: Rechtsstreit wegen 100 Euro

7.11.2018 – Ein Unfallgeschädigter muss sich in der Regel darauf verlassen können, dass die von einem Sachverständigen getroffenen Feststellungen zur Schadenshöhe und zum Umfang der Reparatur sowie möglicher Nebenleistungen den Notwendigkeiten entsprechen. Das geht aus einem Urteil des Amtsgerichts Coburg vom 25. April 2017 hervor (15 C 4/17).

WERBUNG

Der Kläger war mit seinem Personenkraftwagen in einen Unfall verwickelt worden. Zwischen ihm und dem Kraftfahrzeugs-Haftpflichtversicherer des Schädigers bestand Einigkeit darüber, dass dieser allein für den dabei entstandenen Schaden eintrittspflichtig war.

Zu teuer und überflüssig?

Streit gab es jedoch wegen Nebenkosten, die im Zusammenhang mit der Reparatur entstanden waren. So hielt der Versicherer die Verbringungskosten von der Werkstatt zur Lackiererei für überhöht. Er wollte sich daher nur zu einem Teil an den Kosten beteiligen.

Einwände erhob der Versicherer auch wegen Reinigungskosten, die die Werkstatt in Rechnung gestellt hatte. Die wollte er gar nicht übernehmen. Denn er hielt eine Reinigung des verunfallten Fahrzeugs nach den Lackierarbeiten für überflüssig.

Letztlich ging es um einen Betrag von nicht einmal 100 Euro, wegen dem der Fall hauptsächlich vor dem Coburger Amtsgericht landete. Das Gericht gab der Klage des Geschädigten in vollem Umfang statt. Eine Ausnahme bildeten hierbei in Rechnung gestellte Hilfeleistungen durch den Sachverständigen von knapp 40 Euro, die nicht ausreichend belegt worden waren.

Naheliegend

Nach den Feststellungen des Gerichts hatte der Sachverständige bereits in seinem Gutachten erklärt, dass die von der Werkstatt berechneten Verbringungskosten der Höhe nach ortsüblich seien. Da die Werkstatt über keine eigene Lackiererei verfügte, seien sie auch angefallen. Der beklagte Versicherer sei daher dazu verpflichtet, sie in vollem Umfang zu übernehmen.

Das gilt nach Ansicht des Coburger Amtsgerichts auch für die Reinigungskosten. Denn es sei naheliegend, dass bei den vorgenommenen Lackierarbeiten insbesondere auch der Innenbereich des Fahrzeugs durch Schleifarbeiten verunreinigt worden ist und gereinigt werden musste. Auch das habe der Sachverständige in seinem Gutachten unmissverständlich zum Ausdruck gebracht.

Sache des Schädigers

Nach Ansicht des Gerichts muss sich ein Unfallgeschädigter darauf verlassen können, dass er auf Grundlage des Gutachtens eines öffentlich vereidigten unabhängigen Sachverständigen eine Werkstatt damit beauftragen kann, sein Fahrzeug zu reparieren. Macht die Werkstatt einen Fehler, indem sie etwas falsch, zu lange oder überteuert repariert, gehe das sogenannte Werkstattrisiko zulasten des Schädigers beziehungsweise zulasten dessen Versicherers.

Als Korrektiv habe der Gesetzgeber in § 255 BGB die Möglichkeit zur Abtretung von Ersatzansprüchen geschaffen. Demnach könne sich der Eintrittspflichtige etwaige Regressansprüche des Auftraggebers, die aus dem Werkvertragsverhältnis des Reparaturauftrags entstehen, abtreten lassen, um diese gegenüber der Werkstatt geltend machen zu können.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Haftpflichtversicherung
 
WERBUNG
WERBUNG
Inserieren im Anzeigenmarkt

Das VersicherungsJournal ist eines der meistgelesenen Medien in der Branche, siehe Abrufzahlen.

So finden Sie zielsicher Ihre neuen Mitarbeiter, Arbeitgeber oder Geschäftspartner. Nutzen Sie die schnelle und direkte Zielgruppenansprache zu günstigen Konditionen. Gesuche werden kostenlos veröffentlicht.

Erteilen Sie hier Ihren Anzeigenauftrag für Angebote und Verschiedenes oder Gesuche, oder lassen sich persönlich beraten!

Beachten Sie auch die Seite Aktuelles für Stellenanbieter.

WERBUNG
VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
WERBUNG
Werben im Extrablatt

Mit einer Anzeige im Extrablatt erreichen Sie mehr als 14.000 Menschen im Versicherungsvertrieb, überwiegend ungebundene Vermittler. Über die Konditionen informieren die Mediadaten.

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Wie tickt Ihr Kunde?

In manchen Verkaufs-
gesprächen rennt man immer wieder gegen die Wand.

Woran es liegt und was Sie daran ändern können, erfahren Sie hier.

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
16.11.2018 – An fünf Gesellschaften hat die Ratingagentur Assekurata kürzlich die Bestnote im Unternehmensrating vergeben. Außerdem wurden vier weitere Versicherer analysiert. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
14.11.2018 – Über die neugefasste VersVermV entscheidet der Bundesrat am 23. November. Die beteiligten Ausschüsse der Länderkammer haben sich nach Informationen des VersicherungsJournals bereits auf eine Beschlussempfehlung festgelegt. (Bild: G, Pixabay CC0) mehr ...
 
13.11.2018 – Einem Fahrradfahrer war auf einem Radweg ein Fußgänger angeblich in die Quere gekommen, der kurz zuvor aus seinem Pkw ausgestiegen war. Daher machte der Radler seine Schadenersatz- und Schmerzensgeldforderung vor Gericht gegen die Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung des Autofahrers geltend. (Bild: Pixabay, CC0) mehr ...
 
12.11.2018 – Ein Vorführwagen eines Autohauses wurde in einen Unfall verwickelt. Der Händler beauftragte daraufhin einen Rechtsanwalt mit seiner Interessenvertretung. Das hielt der generische Versicherer für überflüssig, der Fall landete vor Gericht. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
8.11.2018 – Eine Studie analysiert das Serviceverhalten der Direktversicherer gegenüber ihren Kunden. Welche Gesellschaften sich die Gewinnerplätze sicherten und welche Anbieter auf den letzten Rängen landeten. (Bild: Meyer) mehr ...
 
8.11.2018 – Von welchen (Deckungskonzept-) Anbietern sich unabhängige Vermittler in der Schaden-/ Unfallversicherung vertrieblich am besten unterstützt fühlen, zeigt eine aktuelle Untersuchung. (Bild: Wichert) mehr ...
 
6.11.2018 – Neuerungen zum Schutz von Hab und Gut vermelden Signal Iduna, Domcura, IAS und Assona. Das Smartphone und Tablet versichert die Zurich künftig zum Einheitspreis, mit Selbstbehalt im Schadenfall und einem Reparaturpartner. (Bild: Fotolia/Kneschke) mehr ...
WERBUNG