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Kfz-Versicherung: Heftige Preisausschläge bei Gespannen

23.7.2020 – Für Anhänger und Trailer wird die Kfz-Haftpflichtprämie extrem sinken, denn ihre Haftung wird gesetzlich beschränkt. Dadurch steigt die Prämie für Zugmaschinen. Versicherungsmakler und Flottenkunden müssen nun darauf achten, dass das neue Recht von den Kfz-Versicherern fair in Prämien umgemünzt wird. Daher steigt der Beratungs- und Verhandlungsbedarf deutlich an. Es gibt einen „heißen“ Herbst in der Kfz-Flottenversicherung.

Die Haftung für Kfz-Anhänger ist seit dem 17. Juli 2020 gesetzlich auf ein Minimum begrenzt. Unfallschäden bei Gespannen zahlen jetzt in der Regel die Besitzer von Zugfahrzeugen. Damit wird eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2010 vom Gesetzgeber korrigiert.

Bis zum Stichtag galt, dass der Versicherer des Zugfahrzeuges die Unfallopfer entschädigt und für den sogenannten Innenausgleich die Hälfte der Entschädigung vom Versicherer des Anhängers zurückfordert. Dadurch sinken die Prämien für Anhänger. Dies haben verschiedene Versicherer bereits angekündigt (VersicherungsJournal 17.2.2020).

Beiträge für Anhänger sinken auf unter 100 Euro

Anton Knitsch (Archivbild: Schmidt-Kasparek)
Anton Knitsch
(Archivbild: Schmidt-Kasparek)

Im Kfz-Transportgewerbe sind oft Anhänger nur gemietet. Der Innenausgleich führte nach 2010 zu hohen Verwaltungskosten und extremen Prämiensteigerungen bei Anhängern. „Heute liegen die Prämien für Anhänger, abhängig von Schadenquote, Nutzung und Branche, zwischen 400 und 1.500 Euro pro Jahr“, sagt Anton Knitsch vom Versicherungsmakler Funk Gruppe GmbH.

Nun dürften „die Prämien für Anhänger oder Trailer wieder unter 100 Euro pro Jahr sinken“, schätzt Flottenexperte Knitsch. Regresse würden zu 99,9 Prozent wegfallen.

Nur wenn ein Unfallschaden allein vom Anhänger ausgeht, beispielsweise wegen eines technischen Defekts oder weil sich ein abgestellter Anhänger auf abschüssiger Straße selbstständig macht, muss die Anhängerversicherung für den Schaden aufkommen.

Höhere Prämie für Zugfahrzeuge

Da die Prämie im Gespann gleichbleiben wird, komme es zu einer Prämienerhöhung bei Zugmaschinen. Betroffen sind Flotten, bei denen fremde Auflieger gezogen werden. Große Gewinner sind nun Fuhrparks mit Anhängern, vor allem Unternehmen mit Selbstfahrervermiet-Fahrzeugen.

Kaum betroffen sind Fahrzeughalter, die nur eigene Zugfahrzeuge und Anhänger im Einsatz haben. Hier wird die Prämie lediglich anders verteilt.

Flotten-Versicherungsmakler warnen aber davor, dass Kfz-Versicherer nun die Situation ausnutzen könnten und für Zugmaschinen überproportional die Prämien erhöhen, sie bei Anhänger aber nicht ausreichend senken.

Flottenversicherung wird insgesamt günstiger

Kristin Russow (Bild: Oskar Schunck)
Kristin Russow (Bild: Oskar Schunck)

„Während für kleine Flotten bei vielen Versicherern ein Standardtarif gilt und hier Prämiensenkungen automatisch erfolgen, müssen alle großen Flotten individuell verhandelt werden“, erläutert Kristin Russow, Leiterin Mobility Services bei der Oskar Schunck Assekuranz-Makler GmbH.

Solche Verhandlungen könnten hart werden. Denn laut Russow sind vor allem viele Unternehmen im Speditionsbereich aufgrund der Corona-Krise sehr preissensibel.

Insgesamt geht der Gewerbemakler wegen der Pandemie 2020 von leicht sinkenden Prämien im Flottengeschäft aus. Grund: Der allgemeine Rückgang der Unfallschäden werde oft durch deutlich höhere Schadenkosten weitgehend kompensiert.

„Um Prämienerhöhungen zu vermeiden, könnten betroffene Unternehmer künftig verstärkt eigene Anhänger einsetzen“, rät Russow.

Aon: Wettbewerb zieht an

Nach Einschätzung der Aon Versicherungsmakler Deutschland GmbH & Co. KG zieht der Wettbewerb in der Flottenversicherung aufgrund der Pandemie bereits an. Daher rät der Makler, frühzeitig mit den Versicherern Gespräche zu führen.

„Aufgrund unsere Echtzeitunfallanalyse können wir für jede Flotte den Aufwand für den Innenausgleich für Anhänger genau ermitteln“, erläutert Melanie Frömming, Head of Motor Fleet bei Aon.

Für Unfälle vor der Gesetzesänderung gäbe es einen langen Nachlauf der Ausgleichszahlungen. „Erst wenn der Haftpflichtversicherer des Anhängers Kenntnis vom Schaden erhält, startet die Verjährungszeit“, so Frömming. Ein Unfall der sich Anfang 2020 ereignet hat und 2021 angezeigt wird, könnte also noch bis zum Jahre 2024 abgewickelt werden.

Versicherungsnehmer in guter Verhandlungsposition

Damit erhalten manche Flottenunternehmen eine historisch einmalig gute Verhandlungsposition. „Sind noch viele Anhängerregresse zu erwarten und gibt es keine Einigung über die Prämie, könnte der Kunde zu einem günstigeren Flottenversicherer wechseln“, sagt Knitsch.

Dann müsste der Altversicherer ohne die Prämien seines bisherigen Kunden weiterhin dessen Anhängerschäden abwickeln. Ein doppelter Verlust.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Coronavirus · Haftpflichtversicherung · Kfz-Flotten · Standardtarif · Versicherungsmakler
 
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