Kfz-Hersteller zur Datenöffnung zwingen

19.10.2018 – Autohersteller, Servicedienstleister und Versicherer sollten bei der Digitalisierung rund ums Auto zusammenarbeiten. Das würde für Kunden und Anbieter viel Win-Win-Geschäft ermöglichen. Gleichzeitig könnte eine gemeinsame Initiative amerikanische Plattformen ausschließen. Huk-Coburg macht bei Telematik nur eine „technische Pause“. Jede Art selbstfahrender Autos kann schon heute in vollem Umfang versichert werden. Dies waren Themen einer Fachtagung.

WERBUNG

Die Hoffnung, das Dritte ohne weiteres auf die Fahrzeugdaten der Hersteller aus dem Auto zugreifen können, haben Experten nicht mehr. Das wurde jetzt auf der Tagung „Mobilität, Telematik, Fahrerassistenzsysteme“ des Management Centers of Competence (MCC) deutlich.

Neofitos Arathymos (Bild: Schmidt-Kasparek)
Neofitos Arathymos (Bild: Schmidt-Kasparek)

„Man muss den Kfz-Herstellern sagen, dass sie ihre Schnittstellen öffnen müssen“, sagte Dr. Neofitos Arathymos, Geschäftsführer Technik, Sicherheit, Umwelt beim Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe e.V. (ZDK). „Möglich wäre es, dass eine solche Öffnung künftig Voraussetzung der Typgenehmigung jedes Fahrzeuges wird,“, so Arathymos.

Typgenehmigung verweigern

Sonst könne der Kfz-Hersteller sein Auto nicht mehr auf den Markt bringen. Gleichzeitig hofft der ZDK-Manager, dass Kfz-Hersteller, Servicedienstleister und Versicherer bei neuen digitalen Dienstleistungen eng zusammenarbeiten. Damit würden für viele Autokunden Win-Win-Situationen entstehen.

Scharf kritisierte der Techniker, dass Autohersteller über neuartige Systeme von Google und Apple immer mehr Daten zur Verfügung stellen würden. „Diese Unternehmen erhalten heute mehr Daten, als das Kraftfahrzeughandwerk, das seit Jahren mit den Kfz-Herstellern zusammenarbeitet.“ Mit einer gemeinsamen Initiative könnten Google und Apple vom Datenzugang ausgeschlossen werden.

WERBUNG

Schutz autonomer Fahrzeuge in den Bedingungen

Schon heute kann jede Art von autonomem Auto von deutschen Assekuranzen versichert werden. Sowohl in der Kfz-Haftpflichtversicherung als auch in der Kaskoversicherung erhielten die Opfer und Autobesitzer vollen Schutz, egal, ob es sich um einen Fahr- oder Produktfehler handelt, sagte eine Mitarbeiterin der Huk-Coburg-Versicherungsgruppe:

„Wir haben das aktuell als Klarstellung in die Einleitung unserer Bedingungen für die Autoversicherung 2019 geschrieben.“ Dieser Schutz gilt nach Aussage der Huk-Coburg für alle Kfz-Versicherer in Deutschland, auch wenn er nicht explizit in den Bedingungen stehe.

Huk-Coburg vorübergehend ohne Telematik-Tarif

Nach Recherchen des Internetportals Finanztip Verbraucherinformation gemeinnützige GmbH soll die Huk-Coburg den Vertrieb ihrer Telematik-Tarife eingestellt haben.

Tatsächlich sei diese Einstellung aber nur vorrübergehend. „Wir führen eine neue Technik ein und stehen weiter in vollem Umfang zur Telematik“, sagte eine Huk-Coburg Vertreterin. Dies sei auch die Meinung des Vorstands des fränkischen Versicherers. „In der aktuellen Wechselsaison wollten wir unseren Vertrieb nicht noch mit zusätzlicher Arbeit durch den Technikwechsel belasten“, stellte die Huk-Coburg Mitarbeiterin klar.

Einzelheiten des neuen Tarifs waren auf einer anderen Tagung bekannt geworden (VersicherungsJournal 12.10.2018).

Schon kleine Belohnung wirkt

Raphael Troitzsch (Bild: Schmidt-Kasparek)
Raphael Troitzsch (Bild: Schmidt-Kasparek)

Erfolgreiche Telematik-Tarife müssten bei den Kunden einen „Wow-Effekt“ auslösen. Das sagte Dr. Raphael Troitzsch, Head of Automotive Solutions & Smart Homes, Swiss Reinsurance Company Ltd. Grundsätzlich müssten die Tarife mit Belohnungen arbeiten. Dabei komme es aber nicht auf die Höhe der Belohnung an.

„Einen solchen Wow-Effekt hätte das Unternehmen Discovery in Südafrika ausgelöst.“ Die Vergünstigungen für die Überwachung des Fahrstils seien dort stark zielgruppenorientiert. Wer es schaffe, mit seinem Telematik-Tarif stark in soziale Netzwerke zu kommen, erreiche eine deutliche höhere Verbreitung.

Die wissenschaftliche Auswertung der Kundenkritik von 28 Telematik-Apps weltweit habe zudem gezeigt, dass die Anwendungen zuverlässig, fair und einfach sein müssten. „Zudem darf niemals die Batterie in Mitleidenschaft gezogen werden und die Privatsphäre muss geachtet werden“, so Troitzsch.

Viele Anbieter hätten übrigens auf die Kritik im Android- und Apple-Store reagiert und Fehler durch Updates abgestellt. „Einige haben das hingegen vollkommen verschlafen“, berichtete Troitzsch.

Schlagwörter zu diesem Artikel
App · Digitalisierung · ePa · Gewerbeordnung · Haftpflichtversicherung · Kfz-Versicherung · Mitarbeiter · Smart Home · Technik · Telematik · Zielgruppe
 
WERBUNG
WERBUNG
Inserieren im Anzeigenmarkt

Das VersicherungsJournal ist eines der meistgelesenen Medien in der Branche, siehe Abrufzahlen.

So finden Sie zielsicher Ihre neuen Mitarbeiter, Arbeitgeber oder Geschäftspartner. Nutzen Sie die schnelle und direkte Zielgruppenansprache zu günstigen Konditionen. Gesuche werden kostenlos veröffentlicht.

Erteilen Sie hier Ihren Anzeigenauftrag für Angebote und Verschiedenes oder Gesuche, oder lassen sich persönlich beraten!

Beachten Sie auch die Seite Aktuelles für Stellenanbieter.

WERBUNG
VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
WERBUNG
Werben im Extrablatt

Mit einer Anzeige im Extrablatt erreichen Sie mehr als 14.000 Menschen im Versicherungsvertrieb, überwiegend ungebundene Vermittler. Über die Konditionen informieren die Mediadaten.

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Wie tickt Ihr Kunde?

In manchen Verkaufs-
gesprächen rennt man immer wieder gegen die Wand.

Woran es liegt und was Sie daran ändern können, erfahren Sie hier.

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
23.10.2018 – Die Mobilität in der Gesellschaft steht vor einem großen Wandel. Erste Auswirkungen sind bereits deutlich spürbar. Versicherer sollten sie für neue Geschäftsmodelle nutzen, so die Empfehlung auf einer Tagung. (Bild: Schmidt-Kasparek) mehr ...
 
6.9.2018 – Welche Auto-Technik den Versicherern hilft und welche nicht, war Thema einer Expertentagung. Allianz und VW Autoversicherung gaben einen Ausblick auf zukünftige Versicherungsprodukte und Investments in die Elektromobilität. (Bild: Schmidt-Kasparek) mehr ...
 
8.4.2016 – Beim Allianz-Autotag 2016 wurden gleich mehrere Produkt-Neuheiten bei Telematik-Versicherungen präsentiert, darunter auch in Kooperation mit einem Autohersteller. Außerdem gab es klare Forderungen zu den politischen Rahmenbedingungen. (Bild: Müller) mehr ...
 
4.12.2015 – Mit Blick auf die wachsende Konkurrenz der Fintechs und der Herausforderungen durch die Digitalisierung stellt Vorstandschef Dr. Thomas Buberl das Geschäftsmodell auf den Prüfstand. mehr ...
 
12.10.2015 – Mit voller Wucht läutet die Branche Anfang 2016 das Telematik-Zeitalter in der Autoversicherung ein: Der Unfallmeldedienst des GDV startet. Wie der Stand der Dinge ist, was das System kann und warum es zum Erfolg verdammt ist. mehr ...
 
30.7.2013 – Das Geschäftsmodell der Assekuranz durch fremde Branchen bedroht sehen Unternehmensberater Volker P. Andelfinger sowie die Professoren Dr. Hans Jürgen Ott und Till Hänisch vom Imari Forschungszentrum. Im Interview zeigen sie Lösungsansätze auf. mehr ...
 
18.6.2013 – Mit welchen Maßnahmen die Versicherungsgruppe Millionenbeträge einsparen, die Produktpalette konkurrenzfähiger machen und den Vertrieb ausbauen will, erläutert Deutschland-Chef Jan De Meulder im Interview. mehr ...
 
8.11.2018 – Der Hype um die Digitalisierung klingt ab. Ob die Perspektiven für Kunden und Mitarbeiter immer noch so düster gesehen werden, war Thema auf einer Fachkonferenz in Köln. Diskutierte wurden die Folgen des Mix aus Mensch und Maschine. (Bild: Lier) mehr ...
WERBUNG