Kein Geld für Schulterverletzung

19.8.2019 – Dass eine durch die gesetzliche Unfallversicherung versicherte Tätigkeit und das Auftreten von Gesundheitsstörungen zeitlich zusammentreffen, ist für sich genommen nicht dazu geeignet, einen ursächlichen Zusammenhang wahrscheinlich werden zu lassen. Das hat das Sozialgericht Karlsruhe mit Urteil vom 27. Juni 2019 entschieden (S 1 U 3580/18).

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Geklagt hatte ein Versicherter, der als Maler und Lackierer beschäftigt ist. Auf einer Baustelle hatte er eine 30 Kilogramm schwere Leiter von einer Gerüstebene auf die nächste befördern wollen. Dazu hob er die Leiter mit nach vorn angewinkelten Armen langsam nach oben an.

Dabei verspürte der Mann plötzlich einen stichartigen Schmerz und einen Kraftverlust in seinem rechten Schultergelenk. Die Beschwerden waren so heftig, dass er die Leiter nicht mehr halten konnte. Sie fiel auf ihn zurück und traf seine rechte Hüfte.

Defekte Sehne

Der Kläger erlitt dabei eine Prellung, die schnell und folgenlos ausheilte. Nicht so jedoch die Schulterbeschwerden, unter denen der Maler seitdem litt. Bei einer Röntgenuntersuchung sowie einer Gelenkspiegelung stellte sich heraus, dass eine Sehne der Schulter defekt war.

Das führte der Maler auf den Unfall zurück. Denn schließlich seien die Schmerzen und die Kraftlosigkeit erstmals in einem unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit dem Zwischenfall aufgetreten. Er verlangte daher, den Vorfall als Berufsunfall anzuerkennen.

Fehlender Nachweis

Zu Unrecht, meinten sowohl die Berufsgenossenschaft als auch das von dem Kläger angerufene Karlsruher Sozialgericht.

Nach Ansicht des Gerichts hat der Kläger nicht nachweisen können, dass seine Gesundheitsstörung tatsächlich Folge des Unfalls war. Denn eine traumatische Verletzung der betroffenen Schultergelenkssehne setze nach medizinisch-wissenschaftlichen Kenntnissen voraus, dass der Unfallablauf auf einer unnatürlichen Zugbelastung der Sehne beruhe.

Von einem derartigen Ablauf könne in dem entschiedenen Fall jedoch nicht ausgegangen werden. Denn beim Anheben der Leiter habe es sich um ein inneres und durch die Willensbildung und Kraftanstrengung des Klägers kontrolliertes Geschehen gehandelt, das von ihm gesteuert worden sei.

Es müsse daher davon ausgegangen werden, dass es sich bei der Schädigung der Sehne um eine, wie von den Ärzten vermutet, degenerative Veränderung und nicht um die Folge des Unfalls handele.

Ablehnung rechtens

Es sei zwar unstreitig, dass die Gesundheitsstörung zeitlich mit einer durch die gesetzliche Unfallversicherung versicherten Tätigkeit zusammengetroffen sei und sich bemerkbar gemacht habe. Das sei für sich gesehen jedoch nicht dazu geeignet, einen ursächlichen Zusammenhang wahrscheinlich werden zu lassen.

Manche Gesundheitsstörungen würden lange Zeit klinisch stumm verlaufen. Die Berufsgenossenschaft habe es zu Recht abgelehnt, die Schulterbeschwerden des Klägers als Folge eines Arbeitsunfalls anzuerkennen.

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Schlagwörter zu diesem Artikel
Beschwerde · Dienstunfall · Gesetzliche Unfallversicherung · Gesundheitsreform
 
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