Im Check: „First Class Pro+“ von Ottonova

14.5.2024 – Die neue Tarifvariante der Ottonova soll nach Unternehmensangaben die „beste Leistung“ bieten. Doch diesem Anspruch wird das Angebot nicht gerecht, meint Versicherungsmakler Sven Hennig in seiner Analyse.

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Die Ottonova Krankenversicherung AG hat im Februar einen neuen Vollversicherungstarif „First Class Pro+“ auf den Markt gebracht, der das bisherige Angebot ergänzt und nach Unternehmensangaben die „beste Leistung“ bietet. Sven Hennig, Geschäftsführer der S.H.C. GmbH, hat diese Aussage auf den Prüfstand gestellt.

In einem ausführlichen Blogbeitrag analysiert der auf private Krankenversicherung (PKV), Altersvorsorge und Berufsunfähigkeit spezialisierte Versicherungsmakler den neuen Tarif. Als Neuerungen gegenüber dem bisherigen Angebot nennt er unter anderem eine garantierte Beitragsrückerstattung, mehr Leistung bei Elterngeld und das Fehlen einer Variante mit Selbstbeteiligung.

Zahlreiche Kritikpunkte am „First Class Pro+“ von Ottonova

Sven Hennig (Bild: Tobias Koch)
Sven Hennig (Bild: Tobias Koch)

Bei der Begrenzung der Arzthonorare auf den fünffachen Satz der GOÄ beziehungsweise GOZ stellt Henning die Frage: „Was hat das mit ‚First Class Pro+‘ zu tun?“ Auch die Begrenzungen bei Psychotherapie und künstlicher Befruchtung enttäuschen den Versicherungsmakler.

Den Ausschluss von „Abnehm-Spritzen“, und dass Heilmittel im Leistungskatalog der Bundesbeihilfeverordnung enthalten sein müssen, findet er problematisch. Aus Kundensicht ungünstig ist nach Ansicht des Versicherungsmaklers, dass Eltern nur dann eine Beitragsbefreiung bekommen, wenn sie während der Babypause Anspruch auf Elterngeld haben.

Auch kritisiert er die Regelung bei Eintritt einer Versicherungspflicht, bei der die Versicherung enden müsse statt könne. Große Teile der Versicherungsbedingungen seien „schwer verständlich geschrieben“.

Die Beiträge scheinen auskömmlich kalkuliert

Zu den Beiträgen schreibt Hennig: „Im Vergleich zu anderen Mitbewerbern wie dem neuen Universatarif (VersicherungsJournal 2.5.2024) oder dem NK Select XL der Hallesche (19.11.2021, Medienspiegel 8.11.2022) scheinen die Prämien auf den ersten Blick auskömmlicher kalkuliert und damit teurer.“ Preisbeispiele nennt er für verschiedene Eintrittsalter im Wettbewerbsvergleich.

Gegenüber Mitbewerbern wie dem „NK Select“ der Hallesche Krankenversicherung a.G. oder dem „MedBest“ der Arag Krankenversicherungs-AG (15.10.2019) sei der neue Tarif teilweise sogar deutlich teurer bei teilweise weniger Leistungen.

Der „AZP ProFit“ der Hansemerkur Krankenversicherung AG sei in der klassischen Variante teilweise um 150 Euro, der Arag „MedBest“ sogar um 170 Euro billiger. Verglichen mit dem „MeinGesundheitsschutz Plus“ der Allianz Private Krankenversicherungs-AG (19.3.2024) sei die Kalkulation der Ottonova bei fast gleichen Prämien, aber deutlichen Leistungsdefiziten wiederum fraglich.

Kritisches Fazit

In seinem Fazit schreibt der Versicherungsmakler: „Die Ottonova hat hier geringfügig Kosmetik an einem alten Vertragsteil betrieben, eine Beitragsrückerstattung und mehr Leistung bei Elterngeld eingeführt und hier viele Chancen verpasst. Schon damals gab es viel zu kritisieren und nun hätte ich mir mehr Innovation und Verbesserung gewünscht.

Wer im Jahr 2024 einen Tarif neu herausbringen will, sollte auch das Thema Elterngeldbezug auf dem Schirm haben. Dazu kommen unsinnige oder unnütze Gängelungen und Beschränkungen, welche eines Tarifes auf dem (angestrebten) Niveau nicht gerecht werden.“

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