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Günstiger Gutachter ist nicht ohne weiteres durchsetzbar

12.10.2018 – Berechnet ein von einem Unfallgeschädigten beauftragter Sachverständiger für ein Gutachten die übliche Vergütung, so muss er sich in der Regel nicht auf einen vom Versicherer des Unfallverursachers benannten Gutachter verweisen lassen. Das gilt auch dann, wenn dieser deutlich preisgünstiger ist – so das Amtsgericht Rosenheim in einem Urteil vom 14. Mai 2018 (13 C 1969/17).

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Der Kläger war mit seinem Personenkraftwagen unverschuldet in einen Verkehrsunfall verwickelt worden.

Versicherer hat Gutachter vorgeschlagen

Einen Tag nach dem Unfall wurde er vom Versicherer des Schädigers darüber informiert, dass er über ein Online-Sachverständigen-Netzwerk einen Gutachter beauftragen könne. Dieser würde ein Gutachten zu einem Preis von 280 Euro erstellen.

Darauf ließ sich der Kläger nicht ein. Er beauftragte stattdessen einen örtlich ansässigen Sachverständigen. Der berechnete für sein Gutachten knapp 1.400 Euro.

Die wollte der Versicherer des Unfallverursachers nicht übernehmen. Er warf dem Kläger vor, gegen seine Schadenminderungs-Pflicht gemäß § 254 Absatz 2 BGB verstoßen zu haben und überwies ihm lediglich 280 Euro.

Zu Unrecht, urteilte das Rosenheimer Amtsgericht. Es gab der Klage des Geschädigten auf Erstattung des Differenzbetrages statt.

Kein Verstoß gegen Schadenminderungspflicht

Nach Ansicht des Gerichts liegt kein Verstoß des Klägers gegen seine Schadenminderungs-Pflicht vor. Denn der von ihm beauftragte Sachverständige habe für das Gutachten keine Gebühren berechnet, welche angesichts der Schadenshöhe unüblich gewesen wären.

Selbst wenn das der Fall gewesen wäre, hätte für einen Laien bei der Auftragserteilung erkennbar sein müssen, dass die Forderung überzogen ist. Davon ging das Gericht nicht aus.

Es habe dem beklagten Versicherer zwar freigestanden, den Kläger auf einen günstigeren Sachverständigen zu verweisen. Das habe aber vorausgesetzt, dass er den Kläger gleichzeitig in die Lage versetzt hätte, bereits im Vorfeld klären zu können, ob der vorgeschlagene Gutachter die gleiche Qualifikation hatte, wie der von ihm beauftragte Sachverständige.

Vergleichbarkeit fehlte

Diese Voraussetzung hat der Versicherer nach Meinung des Gerichts nicht erfüllt. Denn die Homepage des von ihm benannten Online-Sachverständigen-Netzwerks sei mehr als undurchsichtig.

Es bestehe nämlich keine Möglichkeit, sich direkt an einen Gutachter zu wenden. Man müsse vielmehr über eine überörtliche 0800er Telefonnummer mit irgendeiner Organisation telefonieren. So etwas sei einem Geschädigten nicht zumutbar, zumal für ihn nicht ersichtlich sei, dass es sich bei einem telefonisch vorgeschlagenen Sachverständigen um einen unparteiischen Gutachter handele.

Der Kläger musste sich daher nicht auf die günstigere Möglichkeit, ein Gutachten erstellen zu lassen, verweisen lassen.

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Haftpflichtversicherung
 
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