Gothaer Grundfähigkeitsschutz bringt neuen Auslöser

11.9.2018 – Die Gothaer hat zu Beginn der Woche eine neue Grundfähigkeits-Versicherung herausgebracht. Das Produkt gibt es in drei verschiedenen Paketen, die sich in der Zahl der Leistungsauslöser unterscheiden. Neu am Markt ist die Fähigkeit Bildschirmtätigkeit. Versicherte können zudem an einem Bonuspunkteprogramm teilnehmen. Interessant macht das Produkt, dass der Anbieter es mit dem Krankentagegeld verbindet, schreibt Makler Philip Wenzel in seinem Gastbeitrag.

WERBUNG

Die Grundfähigkeits-Versicherung wird immer beliebter bei den Versicherern. So verwundert es nicht, dass jetzt mit der Gothaer Lebensversicherung AG ein neuer Tarif am Markt platziert wird. Zuletzt hatten die Nürnberger Lebensversicherung AG, die DEVK Versicherungen und die Swiss Life AG, Niederlassung für Deutschland in Sachen Grundfähigkeitsschutz von sich reden gemacht (VersicherungsJournal 9.8.2018, 11.7.2018, 3.7.2018).

Philip Wenzel (Bild: privat)
Philip Wenzel (Bild: privat)

Als Ergänzung zum Krankentagegeld

Bei diesem Produkt ist das Marketing selbstverständlich wichtig und im Falle der Gothaer auch interessant. Die Grundfähigkeits- (GF-) Versicherung wird hier nämlich nicht als einzelne Absicherung empfohlen, sondern als Ergänzung zu einem Krankentagegeld (KTG). So sollen die Lücke eines kurzfristigen Ausfalls über das KTG und die langfristigen Ausfälle über den GF-Schutz abgedeckt werden.

Das ist zum einen im Kundensinne ein guter Gedanke, aber selbstverständlich auch ein guter Cross-Selling-Ansatz. Der Kunde sollte in der Beratung aber deutlich darauf hingewiesen werden, dass es sich bei KTG und GF-Versicherung um zwei grundsätzlich unterschiedliche Auslöser handelt, die mehr als nur der Prognosezeitraum trennt.

Wer die Idee der Verbindung der beiden Risiken nicht gut findet, darf das Produkt, so die Gothaer, aber auch alleine verkaufen.

Bedingungswerk

Die Bedingungen sind in einer Spalte verfasst, was sich am PC im PDF-Format deutlich einfacher lesen lässt als Mehrspaltiges. In Zeiten der Digitalisierung und des leichteren Lesens wegen sollten am besten alle Bedingungswerke nur noch einspaltig veröffentlicht werden.

Sprachlich sind die Allgemeinen Versicherungs-Bedingungen (AVB) der Gothaer gut lesbar. Durch den ausführlichen ersten Paragrafen (Was ist versichert?) kommt es anfangs zu einigen Wiederholungen, was den Leser auch mal unaufmerksam werden lässt. Dies kann zum Beispiel passieren, wenn es um den Prognosezeitraum und den fingierten Prognosezeitraum, die sogenannte Fiktion, geht.

Drei Varianten

Der Tarif ist in drei Paketen zu kaufen: „Basis“, „Plus“ und „Premium“. „Basis“ versichert die Sinne Sehen, Hören, Sprechen und die Fähigkeiten Gehen, Treppen steigen, Stehen, Knien/Bücken, Heben/Tragen, Intellekt und eigenverantwortliches Handeln. Durch die letzten beiden Fähigkeiten sind psychische Erkrankungen mitversichert, sofern sie zu Einschränkungen bei Intellekt oder dem eigenverantwortlichen Handeln führen.

Das „Plus“-Paket leistet auch beim Verlust der Fähigkeiten Armgebrauch, Händegebrauch, Sitzen und Gleichgewichtssinn. „Premium“ leistet zusätzlich beim Verlust der Fähigkeiten Schreiben, Tippen, Bildschirmtätigkeit und Autofahren.

Die Gothaer stundet die Beiträge im Leistungsfall automatisch und bietet eine Rückzahlung über 24 Monatsraten an. In den Bedingungen steht ausdrücklich, dass der Versicherer verhandlungsbereit ist, wenn die Rückzahlung auch innerhalb dieses Zeitraums schwierig wäre. Das ist zwar kein fester Anspruch, aber dennoch sehr entgegenkommend von der Gothaer.

Der Verlust einer Grundfähigkeit muss länger als zwölf Monate bestehen, um die Leistung auszulösen.

Definitionen der Leistungsauslöser

Positiv fällt auf, dass beim Überprüfen des Auslösers Sprachverlust ein unbeteiligter Dritter den Versicherten verstehen muss. Hilfreich ist auch, dass der Versicherer Beispiele für zur Bemessung erlaubte Hilfsmittel nennt und auch definiert, was nicht zumutbar wäre, um das Beherrschen einer Grundfähigkeit zu messen. Beim Gehen wäre zum Beispiel ein Gehstock oder eine Prothese ein mögliches Hilfsmittel, aber kein Rollator oder eine Unterarmstütze.

Auch liegen einige Fähigkeiten, betrachtet man die Objektivität der Definition, über dem Marktstandard. Die Treppenstufe beim Treppensteigen muss zum Beispiel baurechtlich nach DIN 18065 zugelassen sein.

Auch die Definition der Fähigkeit Tippen gefällt, weil hier ein zeitlicher Faktor eingebaut ist. Hier muss der Versicherte eine Minute lang ohne Pause eine vorgegebene Reihe von Buchstaben tippen können. Im Umfang wiederum entsprechen die Auslöser durchgehend dem gehobenen Marktstandard.

Neuer Auslöser eingeführt

Die Fähigkeit Bildschirmtätigkeit findet sich so noch nicht am Markt und eine Einordnung ist nicht einfach. Ein Verlust liegt vor, wenn die versicherte Person nicht mehr in der Lage ist, für einen Zeitraum von mehr als zwei Stunden Wörter und Symbole an einem Bildschirm zu erkennen.

Gefühlt ist das eine Verbesserung gegenüber der Definition des Sinnes Sehen, der eine Restsehschärfe von höchstens 0,05 verlangt. Der Zwei-Stunden-Zeitraum suggeriert aber, dass auch andere Krankheiten abgedeckt sein könnten, wie etwa eine schwere Migräne. Doch die kommt eher schubweise, lässt sich daher nicht in festen Zeiträumen bemessen. Allerdings schadet es sicher nicht, einen zusätzlichen Auslöser zu haben, den es so am Markt nicht gibt.

Der Auslöser psychische Erkrankungen leistet bei schweren Depressionen und Schizophrenie, der Auslöser schwere Krankheiten bei Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall und Multipler Sklerose.

Bonuspunkteprogramm

Mit der GF-Versicherung ist das Bonusprogramm „Govital“ verbunden, mit dem gesundheitsbewusstes Verhalten gefördert werden soll. Wer einen Fitness-Tracker benutzt, an einem Kurs teilnimmt, Blut spendet, ein Fahrsicherheitstraining macht oder andere Aktivitäten, die vorgegeben sind, kann Punkte sammeln und dabei Beiträge sparen.

Anders als bei Wettbewerbern mit ähnlichen Modellen, sieht „Govital“ keine negativen Konsequenzen für den Kunden vor. Logisch ist, dass die Gothaer hier auch Daten sammeln will. Aber es ist schließlich im Kundensinne, dass er sich bewegt und versucht, fit und gesund zu bleiben.

Unterm Strich betrachtet ist die neue Grundfähigkeits-Versicherung der Gothaer durchaus eine Alternative. Den Cross-Selling-Ansatz zum KTG sollte jeder Vermittler dankbar aufnehmen.

Der 38-jährige Mechatroniker zahlt für 1.000 Euro Rente bei einem Prozent Leistungsdynamik für die „Premium“-Variante 57,79 Euro (77,06 Euro brutto) monatlich. Für „Plus“ sind es 52,09 Euro (69,46 Euro brutto) und für „Basis“ 40,81 Euro (54,42 Euro brutto).

Philip Wenzel

Der Autor ist Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) und für die Freche Versicherungsmakler GmbH & Co. KG tätig.

 
WERBUNG
WERBUNG
Mehr Umsatz durch professionelle Kundenpflege

Ob Kundenzeitung, Homepage oder Newsletter – durch regelmäßige Fachinformationen bieten Sie Ihren Kunden echten Nutzen.
Sie haben keine Zeit dafür? Die Autoren des VersicherungsJournals nehmen Ihnen das Schreiben ab.

Jetzt auch für Ihren Social Media Auftritt.

Eine Leseprobe und mehr Informationen finden Sie hier...

WERBUNG
VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
WERBUNG
Wenn der Umweg statt zur Arbeit vors Gericht führt

Wegeunfälle sind oft Anlass für einen Streit mit der Berufsgenossenschaft. Dann entscheiden Richter über die Versicherungsleistung.

Über aktuelle Urteile und Lücken im gesetzlichen Unfallschutz berichtet ein neues Dossier...

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Erfolgreich Kundengespräche führen

Geraten Sie in Verkaufssituationen immer wieder an Grenzen?

Wie Sie unterschiedliche Persönlichkeitstypen zielgerichtet ansprechen, erfahren Sie hier.

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
20.7.2017 – Was tun mit Geld in der Niedrigzinsphase? Für ältere Kunden haben Ergo und Versicherungskammer Bayern gerade zwei neue Lösungen auf den Markt gebracht. Neue Tarife oder Updates gibt es ferner von Interrisk, Universa und WWK. mehr ...
 
4.4.2016 – Der Lebensversicherer hat seinen Berufsunfähigkeits- (BU-) Schutz überarbeitet und dabei ein für den Vermittler interessantes Service-Instrument eingeführt. Auch bei den Prämien tut sich einiges. Ein Gastbeitrag von Philip Wenzel. (Bild: Köhler) mehr ...
 
6.1.2016 – Das Attribut „neu“ gilt unter Marketing-Fachleuten meist als Verkaufsargument. Dass „neu“ aber nicht unbedingt den Markt auf den Kopf stellt, zeigt das Update einer Berufsunfähigkeits-Versicherung. Ein Gastbeitrag von Philip Wenzel. (Bild: Doris Köhler) mehr ...
 
31.8.2015 – Swiss Re hat eine BU-Studie veröffentlicht, die für 13 Länder eine Milliarden-Deckungslücke aufzeigt. Was zu tun ist, berichtet Swiss-Re-Experte Markus Unterkofler im Interview mit dem VersicherungsJournal Extrablatt, das heute erschienen ist. (Bild: Swiss Re) mehr ...
 
10.11.2010 – Auf der Fachmesse DKM nutzten zahlreiche Spezial- und Regionalanbieter sowie Servicegesellschaften die Chance, Vermittlern im direkten Kontakt ihre Besonderheiten und Produktneuheiten vorzustellen. mehr ...
 
7.9.2018 – Der Berufsunfähigkeits- (BU-) Schutz des Lebensversicherers ist solide gestaltet, schreibt Makler Philip Wenzel. Es gibt einige kundenfreundliche Definitionen, auch für Schüler und Studenten, und ein interessantes Produktinformations-Blatt. (Bild: privat) mehr ...
 
16.8.2018 – Die Axa hat Tausende „Unfall-Kombirenten“-Policen, bei denen die Kalkulation nicht mehr aufging, gekündigt. Die Verbraucherschützer wollen nun nicht anerkennen, dass sich der Versicherer auf eindeutige Versicherungs-Bedingungen beruft. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
WERBUNG