WERBUNG
WERBUNG

GDV nennt die häufigsten BU-Ablehnungsgründe

25.9.2020 – Nach Angaben des Versichererverbands wurden 2018 vier von fünf Leistungsanträgen in der Berufsunfähigkeits-Versicherung bewilligt. Dass es nicht zu einer Auszahlung gekommen ist, lag in fast der Hälfte der Fälle daran, dass der vereinbarte BU-Grad nicht erreicht wurde. Der Leistungsprozess dauerte im Schnitt 106 Tage.

Am Donnerstag hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) neue Zahlen zum Markt der Berufsunfähigkeits- (BU-) Versicherung veröffentlicht. Diese beruhen auf den Angaben von Mitgliedsunternehmen, die 79 Prozent des Gesamtmarkts repräsentieren, so der Verband auf Nachfrage.

Demnach lag die Leistungsquote 2018 – aktuellere Daten liegen nicht vor – bei 80 Prozent. Das liegt einen Prozentpunkt über dem Vorjahreswert (VersicherungsJournal 18.11.2019). Auch damals war die Quote um einen Prozentpunkt angestiegen (26.11.2018, 16.3.2018). Dies bedeutet andersherum aber auch weiterhin, dass es bei rund jedem fünften Leistungsantrag zu keiner Zahlung kommt.

Darum werden Leistungsanträge abgelehnt

Den Daten der Versicherungswirtschaft zufolge haben Ablehnungen von BU-Leistungsanträgen vielfältige Gründe. Am häufigsten – und zwar bei fast jeder zweiten Ablehnung – kommt es nicht zur Zahlung einer vereinbarten Leistung, weil die Berufsunfähigkeit den vereinbarten Grad von in der Regel 50 Prozent nicht übersteigt. Basis für die Ablehnungsgründe sind Angaben von Mitgliedsunternehmen, die für 83 Prozent des Marktes stehen.

Etwa jedes siebte „Nein“ der Assekuranz beruht darauf, dass die vorvertragliche Anzeigepflicht verletzt wurde. Weil der Kunde sich für einen längeren Zeitraum – auch auf Nachfrage – nicht mehr bei der Versicherung gemeldet hat, kommt es in rund jedem achten Fall nicht zur Auszahlung.

Als möglichen Grund für dieses Kundenverhalten führt der GDV an, dass sich der Gesundheitszustand entgegen erster Erwartungen schnell wieder verbessert habe.

Circa jede zwölfte Ablehnung ist auf eine Anfechtung beziehungsweise einen Betrugsfall zurückzuführen. Kaum ins Gewicht fallen Ausschlussklauseln beziehungsweise konkrete oder abstrakte Verweisungen. Die Anteile beziffert der GDV auf zwischen drei und 0,3 Prozent.

Ablehungsgründe (Bild: Wichert)

Einige Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr

Im Vergleich zu den Zahlen für 2016 und 2017 fällt auf, dass sich der Anteil der vorvertraglichen Anzeigepflicht-Verletzungen kontinuierlich leicht erhöht. Genau andersherum verhält es sich bei den Anfechtungen beziehungsweise Betrugsfällen.

Deutlich weniger Gewicht hat im Vergleich zum Jahr zuvor, dass Kunden nicht mehr reagiert haben (minus fünf Prozentpunkte). Im Gegenzug ist der Anteil für den Ablehnungsgrund „Versicherter BU-Grad nicht erreicht“ um vier Prozentpunkte angestiegen.

Kritik an GDV-Veröffentlichungspraxis

Eine absolute Zahl der BU-Leistungsfälle nannte der Versichererverband übrigens auch bei der aktuellen Veröffentlichung nicht. Dies hatte der Versicherungsmakler und BU-Spezialist Matthias Helberg vor einiger Zeit für „wahrlich kein gutes Zeichen“ gehalten.

„Dabei geht es nicht darum, die Quoten in Frage zu stellen, sondern sie mit nachvollziehbarem Zahlenmaterial so zu unterfüttern, das echtes Vertrauen entstehen kann“, so Helberg (Medienspiegel 22.3.2018).

In diesem Frühjahr legte der BU-Spezialist nach. Welche Angaben eine transparente und nachvollziehbare Verbandsstatistik beinhalten sollte beziehungsweise könnte, hat Helberg in dem Blogbeitrag „Zahlen-Streik beim GDV in Sachen BU-Versicherung“ dargelegt.

Andere Studie, andere Ergebnisse

Zu zum Teil deutlich von den GDV-Zahlen abweichenden Ergebnissen ist die Franke und Bornberg GmbH in ihrer aktuellen Auflage der Studie „Analyse der Regulierungspraxis Berufsunfähigkeits-Versicherungen gekommen (7.8.2020).

Diese beruht auf den Schadendaten von fünf großen BU-Anbietern mit 3,9 Millionen BU-Versicherten und einem Leistungsbestand von rund 73.500 Fällen. Die Zahl der BU-Leistungsfall-Neuanmeldung im Berichtsjahr 2018 wird mit etwa 21.700 angegeben.

Da das Analysehaus in diesem Jahr nicht mitgeteilt hat, wie hoch der Anteil der berücksichtigten Gesellschaften am BU-Markt ist, lassen sich aktuell, anders als im Vorjahr, keine annäherungsweisen Hochrechnungen auf den Gesamtmarkt anstellen.

Zur Repräsentativität führen die Analysten in einem Blog-Beitrag aus: „Die Studie basiert auf einer aussagekräftigen und umfangreichen Analyse vieler Leistungsfälle. Größe, Marktrelevanz und die unterschiedlichen Ausrichtungen der untersuchten Gesellschaften lassen Schlussfolgerungen für die gesamte Branche zu. Dennoch ist die Anzahl der Unternehmen, die freiwillig Transparenz zeigen, noch immer niedrig. Das schränkt die Allgemeingültigkeit dieser Studie ein.“

GDV: 110 Tage durchschnittliche Bearbeitungszeit

Nach Angaben des Versichererverbands dauert der Leistungsprozess vom ersten Anruf beim Versicherer bis zur bewilligten Leistung durchschnittlich 106 (Vorjahr: 110) Tage. Für die eigentliche Entscheidung benötigten die Anbieter nur neun (Vorjahr zehn) Tage.

„Die meiste Zeit verstreicht, weil medizinische Beurteilungen eingeholt werden müssen oder der Antragsteller erst alle erforderlichen Unterlagen sammeln muss“, so der Verband weiter. Eine genaue Aufschlüsselung gab der GDV, anders als im Vorjahr, nicht bekannt.

2017 vergingen laut Versichererverband im Schnitt 65 der 110 Tage, bis die versicherte Person alle erforderlichen Unterlagen gesammelt und an den Versicherer geschickt hat. Weitere 22 Tage dauerte es von der Anforderung bis zur Einreichung eines ärztlichen Befunds.

 
WERBUNG
WERBUNG
Mit der Autoversicherung Geld verdienen

Viel Arbeit, wenig Lohn:
Die Kfz-Versicherung steht bei Vermittlern nicht hoch im Kurs. Dennoch gibt es Entwicklungen, die die Sparte wieder interessant machen.
Ein Dossier mit vielen Praxisbeispielen und Tipps zeigt, wie es geht.

WERBUNG
VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
WERBUNG
Mehr Umsatz durch professionelle Kundenpflege

Ob Kundenzeitung, Homepage oder Newsletter – durch regelmäßige Fachinformationen bieten Sie Ihren Kunden echten Nutzen.
Sie haben keine Zeit dafür? Die Autoren des VersicherungsJournals nehmen Ihnen das Schreiben ab.

Jetzt auch für Ihren Social Media Auftritt.

Eine Leseprobe und mehr Informationen finden Sie hier...

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Wie erklär‘ ich‘s meinem Kunden?

Kunden gewinnen mit Vorträgen

Gesetze und Fachchinesisch gibt es genug.

Ein neuer Ratgeber zeigt, wie Sie in Kundenveranstaltungen durch Vorträge überzeugen.

Mehr Informationen erhalten Sie unter diesem Link...

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
18.11.2019 – Der GDV hat ausgewählte Daten zur Regulierungspraxis herausgegeben. Darunter sind die Bearbeitungsdauer, die Anerkenntnisquote, die Bedeutung der verschiedenen Ablehnungsgründe und die durchschnittliche Rentenhöhe. (Bild: Wichert) mehr ...
 
26.11.2018 – Der Versichererverband hat neue Daten zur Leistungsquote, zu den Ablehnungsgründen und zur durchschnittlichen Rentenhöhe in der Berufsunfähigkeits- (BU-) Versicherung publiziert. Die Zahlen geben nur bedingt Aufschluss über die tatsächliche Marktentwicklung. (Bild: GDV) mehr ...
 
25.3.2020 – Obwohl Deutschland aufgrund der Pandemie noch voll im Krisenmodus ist, gibt es bereits Ärger bei der Regulierung von Schäden. Das berichten Versicherungsmakler. Einige Versicherer haben sich klar – und teilweise gegensätzlich positioniert. (Bild: BDVM) mehr ...
 
6.2.2020 – Der Versicherer bietet Verbrauchern ein Erklärvideo an, das das Beantragen einer Berufsunfähigkeitsrente in der Praxis beschreibt. (Bild: Universa) mehr ...
 
17.10.2019 – Für die Kunden bleibt die Berufsunfähigkeits-Versicherung ein komplexes Thema. Wem sie bei der Beratung vertrauen, was sie vom Produkt erwarten und in welchem Alter sie am ehesten zum Abschluss bereit sind, zeigt eine aktuelle Studie. (Bild: Nordlight Research) mehr ...
 
13.8.2019 – Eine Untersuchung der Leistungsakten von sechs Lebensversicherern zeigt unter anderem, wie hoch die Anerkenntnisquote bei Berufsunfähigkeits-Renten ist, welche Ablehnungsgründe am häufigsten und wie alt die meisten Betroffenen sind. (Bild: Franke und Bornberg) mehr ...
 
1.8.2019 – Das Infinma-Institut hat 461 Berufsunfähigkeits-Versicherungen analysiert. Davon wurden nur noch 40 Prozent zertifiziert, viel weniger als im Vorjahr. Dabei gab es unter den Lebensversicherern zwei Gewinner und 18 Verlierer. (Bild: Meyer) mehr ...
WERBUNG