Für Millionen Autos wird die Versicherung teurer

21.9.2018 – Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hat ein aktualisiertes Typklassen-Verzeichnis veröffentlicht. Für die meisten Automodelle bleibt die Einstufung gleich. Aber allein in der Kfz-Haftpflichtversicherung rangieren zukünftig 5,7 Millionen Typen schlechter. In den Kasko-Deckungen überwiegen die Verbesserungen. Die größten Sprünge umfassen fünf Stufen.

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Jedes Jahr im Spätsommer veröffentlicht der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) neben der neuen Regionalstatistik (VersicherungsJournal 31.8.2018) auch eine neue Typklassenstatistik. In die am Donnerstag veröffentlichten Daten flossen die Schadenbilanzen der Jahre 2015 bis 2017 von etwa 29.000 verschiedenen Fahrzeugmodellen ein.

Typklassen-Einteilung

Ein unabhängiger Treuhänder überprüft jedes Jahr die Schadenverläufe der aktuell rund 29.000 Fahrzeugmodelle. Auf dieser Basis wird eine Neueinstufung in die Typklassen vorgenommen, die für die Versicherungs-Unternehmen unverbindlich ist und ab sofort für Neuverträge und für bestehende Verträge zur Hauptfälligkeit angewendet werden kann. In der Regel ist dies der 1. Januar 2019, so der GDV.

Die Typklassen spiegeln nach Angaben des Versichererverbandes demnach „die Schaden- und Unfallbilanzen eines jeden in Deutschland zugelassenen Automodells wider“. Ein Modell wird in eine niedrigere Typklasse eingestuft, wenn mit diesem Autotyp weniger Schäden gegenüber den Vorjahren gemeldet und entschädigt wurden – und umgekehrt.

In Kasko werden darüber hinaus örtliche Besonderheiten (wie etwa Diebstahlhäufigkeit, Sturm- und Hagel- sowie Glasschäden, Fahrzeugbrände oder die Anzahl der Wildunfälle) berücksichtigt. Zudem spielt auch der Wert des versicherten Fahrzeugs eine Rolle.

16 Typklassen gibt es für die Kfz-Haftpflicht-, 25 für die Vollkasko- und 24 für die Teilkaskoversicherung, jeweils beginnend mit Klasse zehn.

Erneut nur wenige Umstufungen in Kfz-Haftpflicht

In der Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung bleibt nach Angaben des Versichererverbandes bei der Typklassen-Einstufung wie im Vorjahr für fast drei von vier Fahrzeugen alles beim Alten. In konkreten Zahlen: Bei etwa 29,5 Millionen Autofahrern ändert sich die Typklasse nicht.

Von den verbleibenden rund 11,1 Millionen Autos werden fast 5,7 Millionen Fahrzeuge in eine teurere Klasse eingeteilt, für etwa 5,4 Millionen Autofahrer wird es günstiger.

Auch in diesem Jahr wurden laut GDV nur wenige Fahrzeugmodelle um mehr eine Klasse umgestuft. Als Beispiel für eine besonders große Verschlechterung nennt der Verband den „Renault Kadjar 1.2“, der drei Ränge auf Typklasse 20 abgerutscht ist. Um zwei Klassen verschlechtert hat sich unter anderem der „Kia Niro 1.6 Hybrid“.

Andererseits wird der „VW Tiguan 2.0 TSI 4Motion“ um drei Stufen besser mit der zweitniedrigsten Typklasse elf eingestuft. Zwei Ränge vergünstigt haben sich unter anderem „Seat Ateca 1.4 TSI“, „Honda HR-V 1.5“ sowie „BMW 218i Active Tourer“. Diese finden sich künftig in den Typklassen 14, 15 beziehungsweise 16 wieder.

Typklassenveränderung (Bild: GDV)

Gewinner und Verlierer in Vollkasko

Deutlich höher lag der Anteil der Umstufungen in der Vollkaskoversicherung. Hier blieb aber immerhin auch noch für 53 Prozent (rund 11,7 Millionen Autos) alles beim Alten, teilte der GDV dem VersicherungsJournal auf Nachfrage mit.

Dabei überwogen die positiven Veränderungen. In Vollkasko werden etwa 9,9 Millionen Fahrzeuge in eine bessere Typklasse eingestuft, das sind 44 Prozent der insgesamt vollkaskoversicherten Fahrzeuge. Nur rund 0,7 Millionen Autos wurden zurückgestuft (Anteil: drei Prozent).

Nach Angaben des Verbandes blieb es bei nur einer Stufe. Als Beispiele für besonders große Herunterstufungen nennt der GDV den „VW Tiguan 2.0 TSI 4Motion“ (von Typklasse 21 in 18), den „Mercedes GLA 180“ (von 24 in 22) und den „Toyota Verso 1.6“ (von 21 in 19).

Gleich um vier Klassen schlechter eingestuft wurden der „BMW X4 xDrive 20D“ (künftig in Typklasse 28) sowie der „Toyota RAV4 Hybrid 2,5“ (künftig in 29). Von Typklasse 28 in 31 herabgestuft wurde der „Audi Q7 3.0 TDI“.

Typklassen Veränderung (Bild: GDV)

Gewinner und Verlierer in Teilkasko

In Teilkasko bleiben nach den GDV-Daten 61 Prozent der Fahrzeuge – das sind rund 7,8 Millionen – in der bisherigen Typklasse. Etwa 0,2 Millionen Autos rutschten in eine höhere, rund 4,7 Millionen Fahrzeuge in eine niedrigere Typklasse. Damit hat sich die Einstufung für 37 Prozent der teilkaskoversicherten Autos verbessert und für zwei Prozent verschlechtert.

Besonders betroffen sind der „BMW X4 xDrive 20D“ (verschlechtert von Typklasse 25 in 30) sowie der „Toyota RAV4 Hybrid 2,5“ (von Klasse 27 in Typklasse 32). Um gleich vier Typklassen besser wird der „Toyota Verso 1.6“ (künftig Klasse 17) eingeordnet. Der „Mercedes GLA 180“ stieg von Typklasse 20 in 17 auf.

Im vergangenen Jahr hatte es in der Teilkaskoversicherung ausnahmsweise deutlich mehr Hoch- als Herunterstufungen gegeben. Dies lag laut GDV darin begründet, dass die Berechnungsmethodik geändert wurde. So wurden seinerzeit erstmals sämtliche Teilkaskoschäden in die Typklassen-Einstufung mit einbezogen, auch für die Fahrzeuge, die vollkaskoversichert sind (VersicherungsJournal 7.9.2017).

Die Typklassen können im Internet abgefragt werden.

Zahlreiche Tarifmerkmale

Wie der GDV weiter erläutert, „lässt allein die Veränderung bei der Typklasse „keine Aussage über die Entwicklung des gesamten Kfz-Versicherungsbeitrages zu“, da es noch diverse weitere Tarifmerkmale gibt. Diese können sich von Versicherer zu Versicherer zum Teil erheblich unterscheiden.

Dass allein eine neue Typklasseneinstufung im Extremfall zu einer erheblichen Preisdifferenz beim Kfz-Versicherungsbeitrag führen kann, hat der Versicherungsmakler Check24 Vergleichsportal GmbH in Beispielrechnungen herausgefunden (VersicherungsJournal 21.9.2018).

 
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