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Firmenversicherungen: Noch höhere Prämiensteigerungen

11.11.2020 – Die Corona-Krise wirkt sich in der Gewerbe- und Industrieversicherung besonders negativ aus. Diesen Eindruck vermittelte der Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler bei einem Pressegespräch. Die Assekuranzen wollten keine Verluste mehr hinnehmen. Im Streit um Entschädigung aus Betriebsschließungen aufgrund des Corona-Lockdowns sieht es für die Versicherer immer düsterer aus. Zum Imageverlust kommen Niederlagen vor Gericht.

Firmen müssen deutlich mehr für ihre Versicherung zahlen. Das zeigt eine Auswertung des Versicherungsmaklers Marsh GmbH für das dritte Quartal 2020. Für die gesamte Kompositversicherung verlangen die Assekuranzen mittlerweile für 2021 im Schnitt ein Fünftel mehr Prämie.

Für die Schadenversicherung sind es 21 Prozent mehr und für die Financial-Lines, die die Directors & Officers (D&O)- oder die Cyber-Versicherung enthält, sind es sogar 40 Prozent. Die Prämienmehrforderungen erhöhten sich damit in diesen Sparten gegenüber dem zweiten Quartal 2020 um drei Prozentpunkte und in der Schadenversicherung um einen Prozentpunkt. Auch insgesamt beträgt die erneute Steigerung gegenüber dem zweiten Quartal einen Prozentpunkt.

Schlechte Aussichten für Firmenkunden

Thomas Olaynig (Archivbild: Schmidt-Kasparek)
Thomas Olaynig (Archivbild: Schmidt-Kasparek)

„Der Markt ist hart und wird es auch längerfristig bleiben“, sagte Thomas Olaynig, Vorstand des Bundesverbandes Deutscher Versicherungsmakler e.V. (BDVM) und Geschäftsführer von Marsh, anlässlich der digitalen Jahrespressekonferenz.

Preissteigerungen sind nach Einschätzung des BDVM-Präsidenten Thomas Haukje, gleichzeitig geschäftsführender Gesellschafter der Nordwest Assekuranzmakler GmbH & Co. KG, noch ein geringeres Übel in der „schwierigsten Marktsituation seit 30 Jahren“.

Es gebe nämlich auch Reduzierung von Kapazitäten, Einstellung von Neugeschäft, komplette Geschäftsaufgabe, eine strenge Zeichnungspolitik und proaktive Insolvenz- sowie Cyber- und Pandemieausschlüsse.

Der Verband will für 2021 seinen Firmenkunden Alternativen zur Gestaltung ihres Versicherungsschutzes aufzeigen. Dabei soll das Risikomanagement eine größere Rolle spielen. „Doch dieses Investment muss sich über die Zeit für die Kunden auszahlen“, forderte Haukje.

Schutzschirm der Kreditversicherung wird verlängert

Thomas Haukje (Bild: BDVM)
Thomas Haukje (Bild: BDVM)

Entwarnung gibt der BDVM-Präsident für die Kreditversicherung. „Die Bundesregierung hat den festen Willen den sogenannten Schutzschirm zu verlängern.“ Es fehle derzeit nur noch eine Freigabe durch die Europäische Union (VersicherungsJournal 17.4.2020).

Neue Betriebsschließungs-Versicherungen (BSV) würden nun Pandemien vollkommen ausschließen. „Auch der HDI hat derzeit die Zeichnung seiner neuen BSV-Police eingestellt“, sagte Haukje. Das Unternehmen warte ab, wie sich regional die Corona-Infektionszahlen entwickeln würden.

Die neue BSV-Versicherungsdeckung der HDI Versicherung AG sieht vor, dass Betriebsschließungen aufgrund einer Corona-Infektion versichert sind, wenn sie im Betrieb auftreten und aufgrund einer staatlichen Einzelverfügung ergehen.

Nachfrage nach neuen BSV-Corona-Schutz läuft leer

Laut BDVM würde der BSV-Schutz mit Corona-Einschluss von ganz vielen Unternehmen nachgefragt.

Er sei aber bei keinem Versicherer am Markt mehr erhältlich. Die Interessenten kämen nicht nur aus der Hotel- und Nahrungsmittelbranche. „Auch Architekten sind mittlerweile an einer Corona-Deckung für ihren Betrieb interessiert, weil sie Angst haben, dass bei einer Mitarbeiterinfektion das Unternehmen aufgrund von Quarantänemaßnahmen komplett stillgelegt werden könnte“, so Haukje.

Makler und Kunden schlagen Pandemieversicherung vor

Hans-Georg Jenssen (Archivbild: Schmidt-Kasparek)
Hans-Georg Jenssen (Archivbild: Schmidt-Kasparek)

Gemeinsam mit dem Gesamtverband der versicherungsnehmenden Wirtschaft e.V. (GVNW) hat der BDVM das Modell einer Pandemieversicherung für flächendeckende Ereignisse entwickelt (18.8.2020).

Im Rahmen einer sogenannten „Public-Private Partnership“ sollte nach Forderung der Makler der Staat sich bei der Finanzierung einer solchen Pandemie-Abdeckung angemessen beteiligen. Die -Absicherung sollte eine freiwillige Lösung sein und keinem Abschlusszwang unterliegen.

„Es muss jedoch jedem Unternehmer klar sein, dass zur guten Unternehmensführung und zur Risikovorsorge eine Beschäftigung mit dem Abschluss einer solchen Pandemie-Absicherung selbstverständlich sein sollte“, sagte Dr. Hans-Georg Jenssen Geschäftsführender Vorstand des BDVM.

Leistungen aus „alten“ BSV-Policen einfordern

Im aktuellen Streit aus „alten“ BSV-Policen schätzt der Jurist, dass sich die Urteile zu Gunsten der Kunden durchsetzen werden.

Er verwies auf die Entscheidungen des Landgerichts München, bei dem die Versicherungskammer Bayern und die Haftpflichtkasse VVaG unterlagen (23.10.2020), sowie des Landgerichts Hamburg (KG Hamburg, vom 4. November 2020, 412 HKO 91/20), bei dem die Helvetia Versicherungen verloren haben.

„Diese Urteile sind im Gegensatz zu Entscheidungen, die für die Assekuranzen positiv ausgingen, umfangreich begründet“, so Jenssen. Alle Kunden, die eine „alte“ BSV-Policen habe und noch keine Ansprüche angemeldet oder einen Vergleich akzeptiert haben, sollten jetzt aktiv werden. „Dazu raten alle unsere Mitglieder ihren Kunden“, sagte Jenssen.

Unsicherheit bei der betrieblichen Altersversorgung

Für die betriebliche Altersvorsorge (bAV) fordert der BDVM eine Wahlfreiheit beim Beitragserhalt für die Kunden. Die derzeitige Situation bedeute für Unternehmen und Kunden eine große Unsicherheit. So würden die Versicherer keinen vollen Beitragserhalt mehr bieten. Die Unternehmen müssten aber rechtlich dafür haften, dass bei Rentenstart mindestens die Beiträge zur Verfügung stehen würden.

Trotz der Corona-Krise haben sich BDVM-Makler im aktuellen Geschäftsjahr überwiegend gut behauptet, wie aus einer Umfrage von 265 Mitgliedsunternehmen hervorgeht. 95 Prozent geben an, dass sie ihre Geschäftslage in den ersten acht Monaten 2020 als gut oder befriedigend beurteilen. Im Vorjahr waren es 94,5 Prozent (30.10.2019).

BDVM-Makler kommen gut durch die Krise

56 (53,9) beurteilen die Situation „gut“ und 39 (40,6) Prozent mit „befriedigend“. Grund dafür sind steigende Courtage-Einnahmen bei 61,4 (54,7) Prozent der teilnehmenden Unternehmen. Im Schnitt stiegen die Prämien um sieben Prozent. Steigende Prämien – durch einen „harten“ Markt – sind für Firmenmakler, die überwiegende Courtagefinanzierung haben, somit positiv.

In der Lebensversicherung ist die Situation aber schlechter als im Allgemeinen. Dort haben 40 (32,8) Prozent der Makler gesunkene Courtageeinnahmen in den ersten acht Monaten gemeldet.

Bei 35 (37,5) Prozent sind die Courtageeinnahmen in der Lebenssparte konstant geblieben und nur bei 11 (19,9) Prozent der Makler gestiegen. Mit 14 (9,8) Prozent haben auch mehr Teilnehmer zur Lebensversicherung keine Angaben mehr gemacht.

 
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