Elips Life bringt BU-Markt ins Wanken

18.12.2018 – Der Liechtensteiner Versicherer Elips Life bietet über seine deutsche Niederlassung eine betriebliche Arbeitsunfähigkeits- und Einkommensicherungs-Rente mit optionalem Todesfallschutz an. Versicherungsnehmer ist der Arbeitgeber. Der Tarif wird einjährig kalkuliert. Auffällig darin ist die Definition der Arbeitskraftminderung. Der Versicherer kann nicht verweisen, aber maximal das erzielbare Einkommen anrechnen. Positiv fallen die mit dem Angebot verbundenen Hilfen zur Prävention und Reintegration ins Auge, schreibt Makler Philip Wenzel.

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Mitte der Neunziger Jahre veröffentlichte die Hamburger Band Tocotronic das Lied „Die Idee ist gut, aber die Welt noch nicht bereit“. An die Melodie kann ich mich zugegebenermaßen nicht mehr erinnern. Dennoch kommt mir der Titel oft in den Sinn, wenn ein neues Produkt so innovativ ist, dass von vornherein sicher ist, dass der Markt es nicht annehmen wird.

Philip Wenzel (Bild: Privat)
Philip Wenzel (Bild: Privat)

Weil die Elips Life AG, Triesen, Zweigniederlassung Deutschland dieses Problem wohl erkannt hat, gibt es bei ihrer Arbeitsunfähigkeits- und Einkommenssicherungs-Rente neben der Innovation auch eine Leistung bei der guten, alten Berufsunfähigkeit (BU).

Neuer Auslöser wird definiert

Das Produkt hat aus zwei Gründen das Potenzial, die Absicherung des Einkommens rundum zu ändern. Erstens, weil es in erster Linie nur über den Arbeitgeber abzuschließen ist und sich auch im Marketing auf den Arbeitgeber konzentriert. Und zweitens, weil es einen neuen Auslöser definiert, der näher am Bedarf ist als der Begriff der Berufsunfähigkeit.

Versichert sind alle Mitarbeiter des Versicherungsnehmers, die das volle arbeitsvertraglich vereinbarte Gehalt beziehen, die im Arbeitsvertrag beschriebene Tätigkeit für die vereinbarte Arbeitszeit ausüben, grundsätzlich dem deutschen Sozialversicherungs-System unterliegen und noch keine 67 Jahre alt sind.

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Sonderfall Elternzeit oder Sabbatical

Wer in Elternzeit ist, hat hier das Nachsehen. Für die versicherte Person ist das ärgerlich. Aber aus Sicht des Arbeitgebers, der den Vertrag bezahlt, ist dieser Ausschluss vollkommen nachvollziehbar, wenn er nicht die Absicherung eines Arbeitnehmers zahlen will, der ihm überhaupt nicht zur Verfügung steht.

Hier zeigt sich deutlich, dass es der Elips Life darum geht, eine sinnvolle Absicherung aus Sicht des Versicherungsnehmers, also des Arbeitgebers, anzubieten. Die versicherten Personen sind nicht die Zielgruppe des Versicherers.

Gegen Mehrprämie wären aber auch alle sich in Elternzeit oder einem Sabbatical befindenden Mitarbeiter versicherbar, falls ihr Arbeitgeber das so will. Wer während der Vertragslaufzeit in Elternzeit geht, hat auch für drei Monate nach Ausscheiden aus dem Arbeitsverhältnis Versicherungsschutz.

Neue Mitarbeiter automatisch versichert

Wer bei Vertragsabschluss eine gesetzliche Lohnfortzahlung erhält, ist auch versicherbar. Allerdings ist die Krankheit, die zur Krankschreibung führt, aus der Leistung ausgeschlossen. Aber sobald die versicherte Person wieder mehr als 30 Tage ununterbrochen arbeitet, besteht voller Versicherungsschutz.

Während der Vertragslaufzeit ist jeder neue Mitarbeiter automatisch mitversichert, auch derjenige, der ein Sabbatical oder die Elternzeit beendet. Erst, wenn sich die Anzahl der Mitarbeiter um 20 Prozent verändert, muss das sofort der Elips Life gemeldet werden.

Als Leistung ist eine Rente bis zu 200.000 Euro oder Kapital bis zu 1.000.000 Euro zu versichern. Wer will, kann auch einen Todesfallschutz einbauen.

Ein Jahr mit Verlängerungsoption

Die Elips Life schützt ihren Bestand, indem sie die vereinbarten Berechnungssätze für das Kollektiv für maximal fünf Jahre garantiert. Grundsätzlich ist der Tarif einjährig kalkuliert. Der Vertrag läuft auch immer nur für ein Jahr mit Verlängerungsoption. Fristen starten aber nicht neu.

Für ein Kollektiv ist die einjährige Kalkulation attraktiv, da sich hier nichts stark ändern sollte, sofern immer wieder neue Mitarbeiter nachkommen. Denn die neuen und meist jungen Auszubildenden gleichen das gestiegene Alter des Kollektivs wieder aus. Und der Arbeitgeber zahlt keine Rückstellungen für das Alter, die vielleicht nie gebraucht werden.

Definition der Arbeitskraftminderung

Der spannendste Teil ist bei der betrieblichen Einkommenssicherung der Elipse Life sicherlich die Definition der sogenannten Arbeitskraftminderung.

Wenn man für 18 Monate (vollständige Arbeitsunfähigkeit) oder wahlweise sechs Monate aufgrund von Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechenden Kräfteverfalls zu mindestens 25 Prozent außerstande war, seiner zuletzt ausgeübten beruflichen Tätigkeit nachzugehen, gilt die Arbeitskraft als gemindert.

Bis zu 75 Prozent ist sie teilweise gemindert, darüber vollständig. Prämienneutral kann auch eine 50-Prozent-Staffel oder 33-Prozent/66-Prozent-Staffel gewählt werden.

Negativ daran ist, dass jede Verschlechterung einen neuen Leistungsfall darstellt und damit die Beweislast für den neuen Grad der Arbeitskraftminderung wieder beim Versicherungsnehmer liegt. Das ist aber ein allgemeines Problem der Staffelregelungen.

Unterstützung bei Umorientierung

Im Sinne des Arbeitgebers, der ja Vertragspartner der Elips Life ist, unterstützt der Versicherer bei der Suche nach einem sinnvollen Aufgabengebiet innerhalb der Firma. Das klingt zunächst nach einer Taktik, um die Leistung zu vermeiden. Es sollte aber auch im Sinne des Arbeitnehmers sein, so lange wie möglich eigenständig und durch Arbeit sein Einkommen zu erzielen.

Dieses Vorgehen ist nicht als abstrakte Verweisung zu verstehen, eine „Unterstützung zur konkreten Verweisung“ könnte man es jedoch nennen. Es gelten auch die gleichen Maßstäbe wie bei der konkreten Verweisung. Es werden also berufliche Kenntnisse und Fähigkeiten sowie das bisherige Gehaltsniveau berücksichtigt.

Etwas erklärungsbedürftig ist, dass die Elips Life dann doch quasi abstrakt verweist, weil sie auch prüft, was der Arbeitnehmer noch am allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten könnte. Das bringt dem Arbeitgeber eher nichts und zieht die Leistungsfall-Bearbeitung in die Länge.

Anrechnung des erzielbaren Einkommens

Was das Produkt von Elips Life dann doch von der gewöhnlichen BU-Versicherung unterscheidet, ist der Grad der Auswirkung. Die Elips Life kann nicht verweisen und damit die Leistung verhindern. Sie kann maximal das erzielbare Einkommen anrechnen und die Leistung entsprechend kürzen.

Die Höhe der Leistung bei Arbeitskraftminderung wird dann aus der Höhe des Gehalts in gesunden Tagen im Verhältnis zu einem möglicherweise noch erzielbaren Invalideneinkommen berechnet. Hat der versicherte Mitarbeiter vorher 2.000 Euro verdient und verdient jetzt noch 1.000 Euro oder könnte noch 1.000 Euro verdienen, wird das im Verhältnis angerechnet.

Wer Rente wegen voller Erwerbsminderung bezieht, gilt auch als vollständig arbeitsgemindert.

Abhängig vom versicherten Gehalt

Sollte der Arbeitnehmer mit seinem Hinzuverdienst und der Rente der Elips Life mehr verdienen als vorher, würde die Rente entsprechend gekürzt werden. Ob die Rente der Elips Life als Summenversicherung zu sehen und somit eine Kürzung nicht möglich ist, sollten dann besser Richter prüfen. Bedarfsgerecht ist diese Lösung allemal.

Die Höhe der Leistung bemisst sich nämlich entweder abhängig vom versicherten Gehalt oder sie wird als feste Summe vereinbart. Die Leistung an das Gehalt zu koppeln, erscheint mir der interessantere Wege zu sein, weil es in den allermeisten Fällen bedarfsgerechter wäre.

Was dann wieder im Sinne der Arbeitnehmer ist: Die Elips Life zahlt unter Umständen schon vor Ablauf der 18 Monate, wenn der Versicherte kein Krankengeld oder Krankentagegeld mehr erhält. Und wer mit dem Begriff der Arbeitskraftminderung nichts anfangen kann, der kann auch eine Leistung bei Berufsunfähigkeit mit oder ohne abstrakte Verweisung vereinbaren.

Hilfen zur Prävention und Reintegration

Das Beste an der Versicherung der Elips Life ist aber das Care Management, das die versicherten Personen in den Bereichen Prävention und Reintegration sowohl gesundheitlich als auch betrieblich unterstützt.

Dieses Angebot sollten auch Berufsunfähigkeits-Versicherer aufnehmen. Denn Reintegration hilft, lange Leistungsdauern zu vermeiden, was dem Versicherer gefällt, und ermöglicht dem Kunden, wieder eigenständig für seinen Lebensunterhalt zu sorgen. Das gefällt dem Kunden sicher auch gut.

Unterm Strich betrachtet, ist die betriebliche Einkommenssicherung der Elips Life eine willkommene Alternative zu den gängigen Lösungen am Markt. Durch die Hinwendung zum eigentlichen Bedarf und zum Arbeitgeber hat das Produkt das Potenzial, zumindest die Absicherung des Einkommens über die betriebliche Altersversorgung (bAV) nachhaltig zu verändern.

Philip Wenzel

Der Autor ist Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) und für die Freche Versicherungsmakler GmbH & Co. KG tätig.

Leserbriefe zum Artikel:

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