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Doppelte Abschlusskosten bei vielen Riester-Renten

19.9.2019 – Wenn sich durch Kinderzulagen der Eigenanteil am Gesamtbeitrag einer Riester-Rentenversicherung ändert, löst das bei zahlreichen Lebensversicherern zusätzliche Vertriebskosten aus. Das zeigt eine Umfrage der Verbraucherzentrale Hamburg.

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„Bei Riester-Rentenversicherungen zahlen Verbraucher in bestimmten Konstellationen auf Teilbeiträge doppelte Abschluss- und Vertriebskosten“, hat die Verbraucherzentrale Hamburg e.V. kritisiert.

Die Marktwächter Finanzen (VersicherungsJournal 20.10.2014) berichteten Ende 2018 über einen ihnen vorliegenden Fall. Der Kunde der Württembergischen Lebensversicherung AG habe seinen Riester-Rentenvertrag mit dem Höchstbetrag von 1.946 Euro zuzüglich der Grundzulage von 154 Euro bespart.

Auf die Summe der Eigenbeiträge habe er in den ersten fünf Jahren die für die gesamte Laufzeit anfallenden Abschluss- und Vertriebskosten in Höhe von 4,5 Prozent bezahlt.

Durch Kinderzulage sinkt der Eigenbeitrag

Später wurde der Versicherte kinderzulagenberechtigt. Dadurch sank der Eigenbeitrag, während der Gesamtbeitrag gleich hoch geblieben sei.

Die Württembergische habe ihm auf Grund dieser Änderung erneut Abschluss- und Vertriebskosten auf die neue Kinderzulage berechnet – dieses Mal von vier Prozent. „Und das, obwohl der Verbraucher auf die durch die Kinderzulage wegfallenden Beiträge bereits Abschluss- und Vertriebskosten in voller Höhe gezahlt hatte“, schrieb die Verbraucherzentrale.

Zudem teilte ihm der Versicherer mit, dass er nach dem Wegfall der Kinderzulage mit weiteren Abschluss- und Vertriebskosten von 4,5 Prozent auf die Erhöhung des Eigenbetrags zu rechnen habe.

Abschlusskosten steigen auf 8,5 beziehungsweise neun Prozent

Damit erhebt die Württembergische 8,5 beziehungsweise neun Prozent Abschluss- und Vertriebskosten für die entsprechenden Summen und Zeiträume.

Obwohl sich im vorliegenden Fall der Gesamtbeitrag des Versicherten über den gesamten Zeitraum nicht verändert, zahlt er bei jeder zulagenbedingten Änderung des Eigenbeitrags erneut Abschluss- und Vertriebskosten (VersicherungsJournal 18.12.2018).

Das hat den betroffenen Versicherungsnehmer nach Angaben der Verbraucherschützer 360 Euro zusätzlich gekostet.

Ähnliche Doppelbelastungen ergäben sich auch für Riester-Sparer mit schwankenden Einkünften und sich entsprechend ändernden Riester-Eigenbeiträgen sowie für alle Riester-Sparer, sofern sie nach der jüngst erhöhten Grundzulage ihren Eigenbeitrag entsprechend abgesenkt haben.

Umfrage des Marktwächters

Sandra Klug (Bild: Verbraucherzentrale)
Sandra Klug (Bild: Verbraucherzentrale)

Zu diesem Sachverhalt erklärte Sandra Klug, Teamleiterin des für Versicherungen zuständigen Marktwächter-Teams in der Verbraucherzentrale Hamburg, in einer Pressemitteilung am Mittwoch:

„Wir befürchten, dass auch andere Versicherer für jede Form von Zulagenerhöhung die Abschluss- und Vertriebskosten erneut berechnen – zum Beispiel bei der jüngsten Erhöhung der Riester-Grundzulage um 21 Euro. Dies lässt sich aber weder in den Verträgen noch in den Standmitteilungen eindeutig erkennen.“

Deshalb seien im Dezember 2018 die unter der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) stehenden 85 Lebensversicherungs-Unternehmen zu dem Themenkomplex befragt worden. Zwei Gesellschaften hätten die Auskunft verweigert und zehn angegeben, kein Riester-Produkt im Bestand oder im Vertrieb zu haben.

15 von 34 Versicherern kassieren doppelt

Auskunft zu ihrer Kalkulation haben 34 Versicherer den Verbraucherschützern vorgelegt. Von denen hätten 15 angegeben, bei zulagenbedingten Beitragsänderungen auf Zulagen und/oder auf Beitrags-Wiedererhöhungen erneut Abschluss- und Vertriebskosten zu erheben.

Welche Unternehmen wie beziehungsweise nicht geantwortet haben, hat die Verbraucherzentrale nicht mitgeteilt.

Zum Sachverhalt erläutern die Marktwächter: „Lebensversicherer interpretieren eine Senkung des Eigenbeitrags als Teil-Beitragsfreistellungen nach § 165 VVG. Jede Wiedererhöhung des Beitrags wird dann wie ein Neuabschluss des Vertrags behandelt und führt zu neuen Kosten. Das steht im Widerspruch zu der politisch intendierten Flexibilität der Altersvorsorge mit Riester-Verträgen.“

Belastung statt Förderung von Familien

Sandra Klug, Teamleiterin Versicherungen beim Marktwächter Finanzen der Verbraucherzentrale Hamburg, sieht in der Anwendung keinen Rechtverstoß.

Dennoch kritisiert sie: „Riester-Verträge sollen vor allem für Sparer mit Kindern lukrativ sein. Diese Gruppe wird vom Gesetzgeber daher zu Recht besonders gefördert. Die doppelte Berechnung von Abschluss- und Vertriebskosten belastet aber vor allem Riester-Sparer mit Kindern."

Gesetzesänderung gefordert

Dorothea Mohn (Bild: Brüss)
Dorothea Mohn (Bild: Brüss)

In der Mitteilung wird auch Dorothea Mohn, Leiterin des Teams Finanzmarkt beim Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. – VZBV zitiert:

„Diese Praxis zeigt, wie ungeeignet versicherungsförmige Altersvorsorge ist, angemessen auf Veränderungen in der Lebenswirklichkeit zu reagieren.

Das Standardprodukt Extrarente wäre in der Ansparphase demgegenüber völlig flexibel und würde solche absurden und verbraucherschädigenden Kosten nicht erzeugen."

Schon im Dezember hatte sie gefordert: „Die mehrfache Erhebung von Abschluss- und Vertriebskosten muss gesetzlich unterbunden werden. Kosten dürften nur entstehen, wenn die Gesamtsparleistung der Verbraucher auch wirklich steigt.“

Württembergische bestätigt die Kostenbelastung

Die Württembergische hatte im Dezember erklärt, es handele sich bei dem Fall eines Riester-Vertrags mit doppelt abgerechneten Abschluss- und Vertriebskosten um „eine nur in sehr seltenen Einzelfällen vorkommende Konstellation“.

Im Falle der pro Jahr lediglich einer „Handvoll Beschwerden“ werde eine nicht näher bezeichnete „kulante Lösung“ angeboten. Die ebenfalls betroffenen schweigenden Kunden werden dagegen offenbar weiterhin mit doppelten Kosten belastet.

Nachträgliche Ergänzung vom 20.9.2019:

Die Württembergische teilt mir, dass sie „ihre Vorgehensweise bei Riester-Verträgen inzwischen angepasst hat und keine doppelten Abschlusskosten mehr erhebt. Für 2019 erfolgt eine Gutschrift automatisch zum Jahreswechsel 2019/2020.“

Leserbriefe zum Artikel:

Elmar Riedel - Das ist eine Unverschämtheit. mehr ...

Wilfried Hartmann - Riester-Produkte der Versicherer sind „Rohrkrepierer”. mehr ...

 
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