DIW: Mütterrente II wirkt armutsdämpfend

12.7.2018 – Die von der Regierungskoalition geplante weitere Rentenaufstockung für Mütter, die vor 1992 drei und mehr Kinder geboren haben (Mütterrente II), um einen Entgeltpunkt wirkt nach einer Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) armutsvermeidend. Davon würden vor allem Rentnerinnen mit geringem und mittlerem Einkommen profitieren. Für die Finanzierung wurde ein Modell gerechnet.

WERBUNG

Die Regierungskoalition plant die Renten für Mütter aufzustocken, die vor 1992 drei und mehr Kinder geboren haben, um einen Entgeltpunkt (Mütterrente II).

Das ließe nach einer Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW) die Nettoeinkommen der begünstigten Rentnerhausalte um fast vier Prozent steigen. In der untersten Einkommensgruppe wären es sogar sechs Prozent.

„Die Reform wirkt armutsvermeidend, die Wirkung ist aber nicht zielgerichtet, da Mütterrente auch wohlhabenden Rentnerinnen zugutekommt“, kommentiert das DIW.

Rentnerinnen mit kleinen Renten würden besonders profitieren

Die Rentnerinnen mit kleinen Rentenansprüchen (die untersten 20 Prozent) würden von der Mütterrente besonders profitieren, da sie im Durchschnitt 3,8 Kinder geboren haben. Ihre Einkommen würden sich im Durchschnitt um sechs Prozent erhöhen.

Allerdings müsse man sehen, dass die Rentenerhöhung um einen Punkt (derzeit 32,03 Euro West und 30,69 Euro Ost) bei Bezug von Wohngeld oder Grundsicherung verrechnet würde. Bei alleinlebenden Frauen ab 75 Jahren ergäbe sich sogar eine Rentenerhöhung um 8,5 Prozent.

Das nochmalige Anpassen der Mütterrente dürfte jährlich 3,5 Milliarden Euro kosten. Auf diese Summe kommt auch die Deutsche Rentenversicherung Bund. Nach den DIW-Berechnungen würden 2,4 Milliarden Euro oder 68 Prozent auf die unteren 40 Prozent der Rentenbezieherinnen entfallen.

Würde man alle Mütter rentenrechtlich gleichstellen und jeder Mutter drei Rentenentgeltpunkte zukommen lassen, dann würde dies laut DIW bei unverändertem aktuellen Rentenwert 7,6 Milliarden Euro kosten. Von dieser Maßnahme würden dann 82 Prozent aller Rentnerinnen profitieren.

Ärmere Rentnerinnen mit bis zu zwei Kindern würden leer ausgehen

So wie die Mütterrente II noch konzipiert ist, würden Mütter, die vor 1992 bis zu zwei Kinder bekommen haben, leer ausgehen. Diese Gruppe würde zudem durch niedrigere Rentenanpassungen belastet. Die Erhöhung der Mütterrente um einen halben Entgeltpunkt würde ebenfalls rund 3,5 Milliarden Euro kosten.

Dem DIW zufolge könnten die 3,5 Milliarden Euro durch eine Beitragsanhebung um 0,15 Prozentpunkte zu 48 Prozent gedeckt werden. Die Rentner schultern durch Anpassungsverzicht 40 Prozent und mit einer Anhebung der Bundeszuschüsse müssten die verbleibenden zwölf Prozent abgedeckt werden.

Die Finanzierung der Mütterrente II ist noch völlig offen. Die Mütterrente I musste die Rentenversicherung schultern, obwohl dies eigentlich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe gewesen wäre, die der Staat finanzieren muss.

Die Rentenversicherung verfügt zwar dank der guten Beschäftigungslage über stabile Reserven, ihr stehen allerdings noch große Herausforderungen bevor, wenn die Baby-Bommer-Generation in Rente geht. Die Rücklagen beliefen sich Ende Mai auf 33,6 Milliarden Euro, was 1,57 Monatsausgaben entspricht.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Rente · Senioren · Sozialhilfe
 
WERBUNG
WERBUNG
Inserieren im Anzeigenmarkt

Das VersicherungsJournal ist eines der meistgelesenen Medien in der Branche, siehe Abrufzahlen.

So finden Sie zielsicher Ihre neuen Mitarbeiter, Arbeitgeber oder Geschäftspartner. Nutzen Sie die schnelle und direkte Zielgruppenansprache zu günstigen Konditionen. Gesuche werden kostenlos veröffentlicht.

Erteilen Sie hier Ihren Anzeigenauftrag für Angebote und Verschiedenes oder Gesuche, oder lassen sich persönlich beraten!

Beachten Sie auch die Seite Aktuelles für Stellenanbieter.

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
WERBUNG
Werben im Extrablatt

Mit einer Anzeige im Extrablatt erreichen Sie mehr als 14.000 Menschen im Versicherungsvertrieb, überwiegend ungebundene Vermittler. Über die Konditionen informieren die Mediadaten.

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Wettbewerbsrecht für Vermittler

WettbewerbsrechtSchnell mal einen Facebook-Account einrichten? Ein Praktikerhandbuch des VersicherungsJournals erklärt, was aus rechtlicher Sicht zu beachten ist.

Für mehr Informationen klicken Sie hier...

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
5.7.2018 – Die Deutsche Rentenversicherung hat untersuchen lassen, wie sich bis 2030 der Grundsicherungsbedarf bei älteren Menschen entwickeln wird. Dabei wurden eine ungünstige und eine eher günstige Projektion vorgestellt. (Bild: Brüss) mehr ...
 
29.3.2018 – Destatis hat am Mittwoch neue Daten zur Anzahl der Grundsicherungs-Empfänger veröffentlicht. Deren Entwicklung geht nicht mit der guten wirtschaftlichen Lage einher. Die Linke stellt diesbezüglich Forderungen an die Bundesregierung. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
20.3.2018 – Die Grünen sehen eine Schieflage bei den Erwerbsminderungsrenten. Die Rentenabschläge von durchschnittlich 88 Euro im Monat seien systemwidrig, hielt die Partei anlässlich einer Kleinen Anfrage der Bundesregierung vor. (Bild: Stefan Kaminski) mehr ...
 
22.2.2018 – Die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen will in zwei Kleinen Anfragen von der Bundesregierung wissen, wie es um die Lage der Erwerbsminderungsrentner steht, wie die Rente mit 63 Jahren genutzt wird und was diese kostet. (Bild: Pixabay, CC0) mehr ...
 
26.1.2018 – Die Ausschüsse des Bundesrates wollen, dass die Länderkammer auf ihrer Sitzung Anfang Februar die Bundesregierung auffordert, die gesetzliche Rentenversicherung weiter zu stärken. Viele der genannten Themen sind auch Gegenstand neuer Koalitionsverhandlungen. (Bild: Pixabay, CC0) mehr ...
 
19.1.2018 – Die Deutsche Rentenversicherung hat aktuelle Zahlen zur Kassenlage Ende Dezember 2017 vorgelegt. Belastungen gab es durch die Aufstockung der Mütterrente und eine Rentenerhöhung zur Jahresmitte – die Prognosen wurden aber nicht erfüllt. (Bild: DRV) mehr ...
 
21.12.2017 – Im Rentenrecht treten im neuen Jahr diverse Veränderungen in Kraft, die die Deutsche Rentenversicherung Bund jetzt aufgelistet hat. Dies gilt unter anderem für freiwillige Zahlungen in die Rentenkasse, die Altersgrenzen für die Rente mit 63 und 67 sowie die Erwerbsminderungsrente. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
 
15.12.2017 – Im nächsten Jahr tritt nicht nur das Betriebsrenten-Stärkungsgesetz (BRSG) in Kraft, auch die Rente mit 67 rückt ein Stück näher. Zudem kommt es zu zahlreichen Änderungen in der Sozialversicherung, unter anderem bei den Rechengrößen und beim Regelbedarf in der Grundsicherung. (Bild: Screenshot BMAS.de) mehr ...
 
5.9.2017 – Wie viele Renten im Rentenzugang 2016 ins Inland sowie ins Ausland ausgezahlt wurden, wollte die Linksfraktion in einer Kleinen Anfrage von der Bundesregierung wissen. In der Antwort zeigen sich zum Teil gravierende Unterschiede bei den Rentenhöhen. (Bild: Pixabay CC0) mehr ...
WERBUNG