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Digitale bAV: „Es gibt noch keinen Königsweg“

9.10.2019 – In der betrieblichen Altersversorgung steht die Branche im Zuge der Digitalisierung vor diversen Herausforderungen. Das Geschäft läuft noch nicht rund, weil jeder Anbieter eigene Strategien und Ziele verfolgt, meinen Fred Marchlewski und Thorsten Teichmann von Aon.

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Aufseiten der Versicherer sehen Fred Marchlewski, CEO der Aon Hewitt GmbH für den Bereich Retirement Solutions, und Thorsten Teichmann, Partner und Geschäftsführer der Aon Pensions Insurance Broker GmbH, noch Nachholbedarf. Das künftige Ziel für Gesellschaften und Vertrieb sei eine komplette Digitalisierung des Geschäfts der betrieblichen Altersversorgung (bAV) bis hin zur Dunkelverarbeitung.

„Es zeichnet sich noch kein Königsweg ab, auch wenn erste Schritte bereits vollzogen sind. Dafür ist der Geschäftsbereich zu komplex, die Anforderungen nach Branchen und Zielgruppen sind zu unterschiedlich. Sicher ist aber, in fünf Jahren werden wir eine neue bAV-Welt sehen, die digital funktionieren wird“, sagt Teichmann gegenüber dem VersicherungsJournal.

Nach eigenen Angaben berät Aon in Deutschland 3.000 Kunden zur bAV. Die Klientel des Maklers umfasst Großunternehmen wie auch Dax-Konzerne und den gehobenen Mittelstand ab 500 Mitarbeiter.

Fokus: Verbesserung der Profitabilität

Bis zur neuen digitalen Welt sei es noch ein weiter Weg. Die Digitalisierung in der bAV umfasse derzeit folgende drei Bereiche, erläutert Marchlewski:

  • die elektronische Verwaltung,
  • die organisatorischen Prozesse, die Abläufe des bAV-Geschäfts ändern.
  • Darauf aufbauend entwickelten sich künftig neue Geschäftsmodelle.

„Derzeit beschäftigt uns in erster Linie der zweite Punkt: die Verbesserung der digitalen Organisation, um wirtschaftlicher zu arbeiten. Das heißt, Kosten zu sparen“, führt Marchlewski aus. Um das zu erreichen, hätten die Versicherer eigene Erwartungen formuliert und verfolgten dementsprechend eigene Ziele.

Viele bAV-Anbieter kämpfen nach der Einschätzung von Teichmann noch mit der Umsetzung. Von einem Datenaustausch in Echtzeit seien sie noch weit entfernt. Auch die Datenverarbeitung sei bis heute in der Branche heterogen.

Verschiedene Faktoren beeinflussen Prozesse

Fred Marchlewski (li.), Thorsten Teichmann (re.) (Bild: Aon)
Fred Marchlewski (li.), Thorsten Teichmann (re.) (Bild: Aon)

Als eine der Herausforderungen bezeichnet Teichmann die verschiedenen Einflussfaktoren in diesem Geschäft: Gemeint sind die Kundenwünsche, die Erwartungen der Vermittler und die gewünschte Profitabilität.

Im Mittelpunkt der Überlegungen stehe die Frage: „Was will der Kunde?“ Die Antwort umfasse folgende Aspekte: die Anforderung papierlos zu arbeiten, die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen, die Anforderungen der DSGV zu erfüllen und die Beratungspflicht als Arbeitgeber zu erfüllen. Auf der anderen Seite stünden die Wünsche des Arbeitnehmers: zum Beispiel Informationen zur Überschussbeteiligung elektronisch und nicht mehr per Post zu erhalten.

Zwischen den Stühlen sitzen die Vermittler, die mit einem unterschiedlichen Wissensstand im bAV-Geschäft antreten. „Eine Lösung stellen hier intelligente Multi-Channel-Gruppen dar, die bAV-Berater vernetzen und auf ein gemeinsames Wissensniveau bringen“, erklärt Marchlewski.

Mit der Digitalisierung schwindet die Loyalität

Mit zunehmender Digitalisierung in der bAV nehme aber die Loyalität der Unternehmenskunden ab. „Wir beobachten diesen Trend seit Jahren in der Kfz-Sparte“, so Teichmann. Derzeit binde sich die Klientel mit einem bAV-Abschluss noch stark an den jeweiligen Versicherer und an seine vorgegebene IT-Infrastruktur. „Das wird sich in den nächsten Jahren ändern, wenn sich die IT-Systeme annähern“, ist er überzeugt.

Ein weiterer Punkt der nach Aussage von Marchlewski derzeit noch unterschätzt werde, sei das Cyberrisiko. „Bei der IT-Sicherheit haben viele Unternehmen noch Nachholbedarf. Dazu gehört, sich der Gefahren bewusst zu sein, entsprechende Präventionsmaßnahmen zu ergreifen, den Risikofaktor Mensch zu bewerten und einen umfassenden Notfallplan aufzustellen.“

Lebensversicherer werden investieren

Beim Ziel, die Wirtschaftlichkeit zu verbessern, stehe man in der bAV zusätzlich vor der Aufgabe, auch kleinere Bereiche zu beachten, die aber hohe Kosten verursachen. „Hier geht es um versicherungs-mathematische Anwendungen für spezielle, kleine Zielgruppen zum Beispiel im öffentlichen Bereich“, führt Marchlewski aus.

Zusätzlich kämpfe die Sparte Leben mit historisch niedrigen Zinsen, was Investitionen erschwere. „Digitalisierung kostet schließlich erstmal Geld“, so Marchlewski.

Sein Kollege Teichmann sieht das entspannter: „Das Geld ist trotz schwieriger Bedingungen da. Die Lebensversicherer haben immer notwendige Investitionen finanziert. Jetzt werden wir aber unterschiedliche Geschwindigkeiten in der Umsetzung bei den jeweiligen Gesellschaften sehen.“

Anbieter wie E-Vorsorge Systems GmbH, XbAV AG oder Smart-bAV der Smart-Cloud-Services AG sieht er als „notwendige Treiber, die das digitale Geschäftsmodell voranbringen“. Wichtige Impulse für das digitale bAV-Geschäft gingen auch von den eigenen Vertriebsorganisationen der Versicherer aus, „die intern Druck ausüben, die Umsetzung endlich voranzutreiben“.

 
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