Diese Lebensversicherer haben die größten Stornoprobleme

11.1.2018 – Im Schnitt der Jahre 2012 bis 2016 betrug die Bestandsstornoquote der deutschen Lebensversicherer 3,13 Prozent, wie Daten aus der Map-Report-Datenbank zeigen. Die Hannoversche Leben und die WGV kamen mit unter einem Prozent auf die besten Werte, Schlusslichter sind die Mylife und die Targo mit zweistelligen Quoten. Die Branchengrößen landeten bis auf die Allianz nicht auf den vordersten Plätzen. In der Risikolebens-Versicherung werden für die Ideal und die Ergo Direkt auf Fünfjahressicht die niedrigsten Quoten ausgewiesen, für die PB Leben und die Neue Leben die höchsten.

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Die Bestandsstornoquote (Hauptversicherungen, Rückkäufe und Umwandlungen in beitragsfreie Versicherungen zuzüglich sonstiger vorzeitiger Abgänge in Prozent des mittleren Vertragsbestandes des Geschäftsjahres) der deutschen Lebensversicherer ist im vergangenen Jahr zum achten Mal in Folge gesunken.

Stornoquote

Die Stornoquote ist für den Map-Report-Chefredakteur Reinhard Klages ein wichtiger Indikator für die Qualität eines Lebensversicherers, die misst, wie viele Kunden, in Prozent des Bestandes, ihren Vertrag vorzeitig gekündigt haben. In dieser Quote werden Rückkäufe und vorzeitige Abgänge in Beziehung gesetzt zum mittleren Jahresbestand.

Junge, schnell wachsende Unternehmen werden durch diese Quoten möglicherweise benachteiligt. Ihr Nenner ist klein und viele Storni passieren in den ersten Jahren.

Neben schlechter Beratung ist diese Kennzahl häufig auch ein Indiz für eine Strategie, die stark auf Finanzierungen oder Geldanlagen setzt. Ändern sich dann steuerliche Rahmenbedingungen oder fällt der Investitionszweck weg, wird schnell storniert.

Der vorzeitige Abgang von Verträgen hängt auch von externen Faktoren ab, die sich dem Einflussbereich des Versicherers entziehen – so beispielsweise von der wirtschaftlichen und persönlichen Situation des Versicherungsnehmers. In der Regel nimmt die Stornohäufigkeit mit zunehmender Bestandszugehörigkeit ab.

Direkt auf Unternehmensqualität schließen lässt die Stornoquote allerdings nicht, wie der Diplom-Mathematiker und Aktuar (DAV) Peter Schramm vor einiger Zeit in einem Leserbrief im VersicherungsJournal dargelegt hat.

2016 betrug der Wert nur noch 2,83 Prozent und lag damit um fast ein Drittel niedriger als 2008, als noch eine Vier vor dem Komma stand (VersicherungsJournal 25.9.2017). Im Schnitt der vergangenen fünf Jahre (2012 bis 2016) betrug die Quote laut der Map-Report-Datenbank 3,13 Prozent.

Fünf Anbieter mit Stornoquoten von unter 1,5 Prozent

Im Beobachtungszeitraum blieben insgesamt 16 von 82 aufgeführten Anbietern unter der Zwei-Prozent-Marke. Auf den ersten beiden Plätzen finden sich die Hannoversche Lebensversicherung AG und die WGV-Lebensversicherung AG wieder, bei denen die Quoten sogar unter einem Prozent liegt.

Dahinter folgen die Familienfürsorge Lebensversicherung AG im Raum der Kirchen, die Europa Lebensversicherung AG und die Hansemerkur24 Lebensversicherung AG (mittlerweile auf die Hansemerkur Lebensversicherung AG verschmolzen – VersicherungsJournal 4.9.2017) mit Werten zwischen knapp 1,2 und fast 1,5 Prozent.

Bestandsstornoquoten von jeweils minimal über 1,5 Prozent werden für die Cosmos Lebensversicherungs-AG, die Karlsruher Lebensversicherung AG sowie die Dialog Lebensversicherungs-AG ausgewiesen.

Stornoquoten [Bild: Wichert)

Die niedrigen Quoten sind auch auf die Bestandszusammensetzung zurückzuführen. So sind die Europa und die Dialog ganz überwiegend im Risiko-Geschäft unterwegs, der Anteil der Policen am Gesamtbestand liegt bei knapp 90 Prozent. Bei der Familienfürsorge, der Cosmos und WGV sind es zwischen knapp zwei Drittel und deutlich mehr als der Hälfte.

Mylife und Targo mit zweistelligen Quoten

Dahinter folgen 27 Lebensversicherer mit Werten zwischen 2,0 und unter drei Prozent vor weiteren 23 Gesellschaften mit Bestandsstornoquoten zwischen 3,0 und unter vier Prozent. Acht Anbieter kommen auf Werte zwischen vier und unter fünf Prozent, die verbleibenden acht Lebensversicherer liegen über fünf Prozent.

Am unteren Ende der Rangliste finden sich die Mylife Lebensversicherung AG mit über 17 Prozent wieder. Dieser hohe Wert wird laut Geschäftsbericht 2016 der Gesellschaft aus Göttingen „wesentlich beeinflusst […] vom auslaufenden Bestand des Geschäftszweigs der Restschuld-Versicherungen. Aus technischen Gründen endet der Restschuldvertrag bei einer Erhöhung der Darlehenssumme durch einen neuen Kreditvertrag automatisch und zählt als Storno“.

Nach Unternehmensangaben handelt es sich hierbei also nicht um echte Kündigungen, sondern vielmehr um die Fortführung guter Kundenbeziehungen. Wegen des nur schrittweise auslaufenden Restschuldbestandes (VersicherungsJournal 28.4.2016) bleibe die Quote kurzfristig noch auf höherem Niveau – mittelfristig werde sie sich aber verbessern, zeigt sich Mylife überzeugt. Die Stornoquote im Nettotarif-Geschäft dürfte im Fünfjahresschnitt bei rund drei Prozent liegen – und damit im Bereich des Branchendurchschnitts.

Auf vergleichsweise hohe Quoten zwischen leicht über zehn und knapp neun Prozent kommen darüber hinaus die Targo Lebensversicherung AG, die Deutsche Lebensversicherungs-AG sowie die Rheinland Lebensversicherung AG.

Stornoquoten [Bild: Wichert)

So schlugen sich die Branchengrößen

Eine große Spreizung zeigt sich auch bei den elf Marktgrößen (mit einem Bestand von mindestens zwei Millionen Hauptversicherungen). Diese sind nicht auf den vordersten Rängen zu finden. Am besten schneidet Marktführer Allianz Lebensversicherungs-AG mit Position elf ab – mit einer Bestandsstornoquote von rund 1,7 Prozent.

Jeweils um den 20. Rang herum platzieren sich der Debeka Lebensversicherungs-Verein a.G., die Axa Lebensversicherung AG, die R+V Lebensversicherung AG und die Württembergische Lebensversicherung AG.

Mit Werten von 3,4 Prozent und höher liegen die Generali Lebensversicherung AG, die Nürnberger Lebensversicherung AG, die Aachenmünchener Lebensversicherung AG und die Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung AG über dem Branchenschnitt. Knapp darunter bleibt die HDI Lebensversicherung AG.

Stornoquoten [Bild: Wichert)

Andere Reihenfolge in Risikoleben

Betrachtet man das Bestandsstorno in der Risikolebens-Versicherung – eine Auflistung findet sich im Map-Report 897 „Biometrie-Rating deutscher Lebensversicherer“ –, zeigt sich eine zum Teil abweichende Reihenfolge. Zwar schneidet von den Branchenschwergewichten auch hier die Allianz am besten ab, landet mit einer Quote von knapp 2,6 aber nur auf Rang 20. Etwa einen Zehntelprozentpunkt dahinter folgt der HDI (an 22. Stelle).

In der oberen Hälfte der 70 im Map-Report 897 aufgelisteten Anbieter platzieren sich von den Marktgrößen nur noch die Debeka und die Axa. Die übrigen sieben Branchenschwergewichte liegen mit Bestandsstornoquoten (im Schnitt der Jahr 2012 bis 2016) zwischen gut 3,2 und fast vier Prozent zwischen den Positionen 43 und 62. Über den Branchenschnitt von 3,6 kommen aber nur die Zurich und die R+V.

Für insgesamt vier Gesellschaften (Ideal Lebensversicherung a.G., Ergo Direkt Lebensversicherung AG, Hannoversche und WGV) werden Quoten von unter einem Prozent ausgewiesen. Am unteren Ende Rangliste finden sich die drei Talanx-Töchter PB Lebensversicherung AG, Neue Leben Lebensversicherung AG und Targo Leben wieder. Letztere liegt bei rund acht Prozent, erstere beiden Anbieter deutlich im zweistelligen Prozentbereich.

Stornoquoten [Bild: Wichert)

Weitere Studiendetails

Der Map-Report Nummer 897 „Biometrie-Rating deutscher Lebensversicherer“ (VersicherungsJournal 14.11.2017) enthält auf 97 Seiten umfangreiches Datenmaterial zu zahlreichen Bilanz-, Service- und Vertrags-Kennzahlen (VersicherungsJournal 30.11.2017, 5.12.2017) von bis zu 70 Lebensversicherungs-Gesellschaften.

Detaillierte Zusatzinformationen zum vorgenannten Rating bietet der Map-Report 895 „Bilanzanalyse deutscher Lebensversicherer 2016“. Er enthält auf 168 Seiten Übersichten und Grafiken zu diversen Geschäftszahlen wie Verwaltungskosten- und Abschlusskostenquote, (bereinigter) Nettorendite, Beitragseinnahmen und Marktanteilen von bis zu 82 Lebensversicherern.

Die Studien sind lieferbar als (nicht druckbare) PDF-Datei für 85 Euro und als gedrucktes Heft für 95 Euro, jeweils einschließlich Mehrwertsteuer. Bestellt werden kann unter diesem Link.

 
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