Die häufigsten Fehler bei der Pensionszusage

14.6.2019 – Altersvorsorge-Versprechen an Gesellschafter-Geschäftsführer weisen oft folgenschwere Mängel auf. Fehlende Beratung und Betreuung nach der Einrichtung dieses Durchführungswegs führt zu Risiken für die Unternehmen. Das ergab die Prüfung von knapp 100 Pensionszusagen durch die Beratungsgesellschaft für betriebliche Versorgungssysteme, zusammengefasst in einem Dossier des DIA.

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Viele Pensionszusagen für Gesellschafter-Geschäftsführer von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) weisen Fehler auf und sind mit Haftungsrisiken für die Inhaber verbunden.

Das ergab eine Auswertung von 93 Pensionszusagen durch die Beratungsgesellschaft für betriebliche Versorgungssysteme GmbH (BBVS), eine Rentenberatungs-Gesellschaft, die sich vor allem mit der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) befasst und auch Gutachten erstellt.

Die Berater der BBVS nahmen auch schon die häufigsten Fehler in Entgelt-Vereinbarungen unter die Lupe (VersicherungsJournal 11.12.2017).

Basis der Prüfung

Schwerpunkt der Auswertung durch die BBVS waren steuer-, arbeits- und insolvenzrechtliche Aspekte, die Auswirkungen auf die steuerliche Anerkennung und den Insolvenzschutz der Finanzierungsmittel haben. Die Auswertung listet die festgestellten Mängel und ihre Häufigkeit auf und beschreibt die damit verbundene Problem- und Rechtslage.

Die Ergebnisse der aktuellen Analyse hat das Deutsche Institut für Altersvorsorge GmbH (DIA) in dem Dossier „Pensionszusagen: Fehlerquellen weit verbreitet“ (PDF, 230 KB) zusammengefasst.

Betreuung durch Experten fehlt

Vorweg stellen die Autoren des Reports einen grundlegenden Makel beim dem Thema fest. „Neben der Tatsache, dass bereits bei der Einrichtung handwerkliche Fehler gemacht und bestehende gesetzliche Regelungen nicht beachtet wurden, ist das Kardinalproblem aber die fehlende Betreuung der Pensionszusagen während der aktiven Arbeitszeit des Versorgungsberechtigten.“

Vermittler oder Versicherer kämen ihrem Auftrag nur bedingt nach. „Vielfach verfahren die Versorgungsberechtigten aber auch nach dem Motto ‚buy and forget‘ und wollen sich mit diesem Thema nicht ständig beschäftigen“, kritisieren die Autoren.

Häufigster Fehler: finanzielle Unterdeckung

„Diese Analyse ist zwar nicht repräsentativ, zeigt aber das Ausmaß an Fehlern auf, mit denen wohl in großer Breite bei Pensionszusagen zu rechnen ist“, erklärt BBVS-Geschäftsführer Michael Diedrich.

So bestand bei 95 Prozent der begutachteten Zusagen eine finanzielle Unterdeckung. Bei fehlender Finanzierbarkeit von Pensionsversprechen gegenüber beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführern droht aber der Vorwurf einer verdeckten Gewinnausschüttung. Die bisher gebildeten Rückstellungen müssten dann ganz oder teilweise aufgelöst und versteuert werden.

Bei fast 51 Prozent der zugesagten Renten für den Fall der Berufsunfähigkeit und bei knapp 92 Prozent der vereinbarten Hinterbliebenen-Absicherungen fehlte ebenfalls die notwendige Ausfinanzierung. „Auch in diesem Fall drohen eine Auflösung der Rückstellungen und damit eine höhere steuerliche Belastung für das Unternehmen“, heißt es in den Unterlagen.

Weitere Problemfelder mit schweren Folgen

Die Unterdeckung ist aber nicht die einzige Fehlerquelle. Als weitere Problembereiche benennt das Dossier folgende Punkte:

  • Es gibt keinen Gesellschafterbeschluss für die Altersversorgung (Häufigkeit: 54 Prozent).
  • Die erforderliche Wartezeit zwischen der Bestellung des Geschäftsführers und der Erteilung der Zusage wurde nicht eingehalten (39 Prozent).
  • Es fehlen Regelungen in der Pensionszusage für den Fall des späteren Verkaufs der Firma (95 Prozent).

Gerade der letzte Fehler mache ein Unternehmen fast unverkäuflich, „weil sich Käufer mit der Übernahme von länger laufenden Rentenzahlungen in der Regel schwertun“, so die Berater.

Fazit: Ohne Fachleute geht es nicht

Das Fazit des Dossiers liest sich nicht gerade optimistisch: „Aufgrund der Anzahl der geprüften Zusagen muss davon ausgegangen, dass die Ergebnisse als exemplarisch für die Gesamtheit der bestehenden Pensionszusagen an Vorstände und beherrschende Gesellschafter-Geschäftsführer anzusehen sind, auch wenn durch die Anzahl und Verteilung der Fälle keine repräsentativen Auswertungen möglich sind.“

Allerdings versuchen die Berater hier noch mal dem im Vorfeld identifizierten Kardinalfehler bei diesem Durchführungsweg vorzubauen: „Damit die mit einer Pensionszusage verbundenen Ziele aber auch erreicht werden, sollten bei der Einrichtung Fachleute herangezogen werden, die über hinreichende Erfahrung verfügen und losgelöst von Produktanbietern agieren.“

Leserbriefe zum Artikel:

Nicola Kerler - Versorgungszusagen sind nun mal keine Spielwiese . mehr ...

 
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